Yukon Arctic Ultra

Jörn Theissig bezwingt die kanadische Eiswüste ganz cool

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Der Extremsportler Jörn Theissig hat sich einen Traum erfüllt und bewältigte den Yukon-Arctic-Ultralauf.
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Region Rhein-Main – Jörn Theissig hat es geschafft. Im dritten Anlauf bezwang der 44-jährige Frankfurter den Yukon-Arctic-Ultralauf. Fast 500 Kilometer kanadische Eiswüste hat er in sieben Tagen bei Temperaturen bis zu minus 30 Grad zurückgelegt. Von Dirk Beutel

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Er hatte ja noch eine Rechnung mit der kanadische Eiswüste offen. Bereits 2013 und 2015 scheiterte Jörn Theissig am Yukon-Arctic-Ultramarathon, einem der wohl härtesten Läufe auf der Welt. Zuletzt zwang ihn ein Schienbeinkantensyndrom zum Abbruch.
„Meine Beine wurden von meiner Physiotherapeutin in einem enormen Programm wieder in Schwung gebracht“, sagt Theissig, der in diesem Jahr eigentlich gar nicht an den Start gehen wollte. Doch der Veranstalter überredete den Extremsportler es doch zu tun. Eine gute Entscheidung. Denn im dritten Anlauf hat Theissig seinen Traum wahr gemacht: 497 Kilometer in sieben Tagen, etwa 70 Kilometer pro Tag, bei Temperaturen zwischen minus zehn und minus 30 Grad. Am Ende landete er auf Platz zehn von 29 Teilnehmern und mit acht Kilo weniger auf der Waage. „Es lief diesmal wirklich wie am Schnürchen. Ich habe schnell meinen Rhythmus gefunden und bin ohne körperliche Beschwerden durchgekommen“, sagt Theissig.

Mit ein Grund dafür ist seine veränderte Lauf-Strategie: „Die Strecken, die ich vergangenes Jahr im Dunklen gelaufen bin, habe ich diesmal tagsüber bewältigt“, sagt Theissig.

Tränen beim Zieleinlauf

Jeder Wettkampftag startete schon um 1.30 Uhr. Ganz mit sich alleine, mitten in der Eiswüste. Über ihm der sternenklare Nachthimmel, vor sich kilometerlang nichts als Schnee. „Ich habe die Ruhe aufgesaugt. Ich liebe es, im Dunklen zu laufen. Und diesmal wurde ich mit jeder Menge Polarlichtern belohnt“, sagt Theissig. „Da haben mich sicher so einige Tieraugen im Visier gehabt.“ Doch außer einem Weißkopfadler, einem schwarzen Eichhörnchen und ein paar Wolfsspuren ist Theissig kein wildes Tier über den Weg gelaufen. Statt dessen ein weiterer Mitstreiter: Der Kanadier Mario Villemure. „Ihn habe ich am fünften Tag aufgegabelt. Er war drauf und dran aufzugeben. Aber wir sind den restlichen Weg zusammen gelaufen“, sagt Theissig. Und auch gemeinsam durchs Ziel. Nach 169 Stunden und 30 Minuten: „Ein wahnsinniger Moment für mich. Ich habe vor Freude geweint“, sagt Theissig.

Wird Grönland sein nächstes Projekt?

Als Anerkennung für seinen karitativen Einsatz zugunsten der psychoonkologischen Betreuung von Krebspatienten am Uniklinikum Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Verein Projekt Schmetterling im vergangenen Jahr, wurden Theissig sogar zwei Medaillen überreicht. Eine davon will der Frankfurter auf der Facebook-Seite Yukon Arctic-Spendenlauf 2015 zugunsten des Vereins versteigern.

Seit zwei Wochen ist der 44-Jährige wieder zu Hause und muss sich an den Trubel und die Hektik der Großstadt erst wieder gewöhnen. Theissig: „Ich muss das alles noch verarbeiten. In Gedanken bin ich immer noch in Kanada.“ Ob er nächstes Jahr wieder antreten wird, weiß er nicht. „Das Arktik-Fieber lässt mich zwar nicht los, aber das kann ich noch nicht sagen. Allerdings wollte ich schon immer mal Grönland durchqueren.“

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Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

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