Extremes Hobby

Groß-Umstädter läuft seinen 50. Marathon

+
Bei Wind und Wetter unterwegs: Auch wenn es draußen trüb und nass ist, zieht Jörg Drechsler seine Runden.

Groß-Umstadt – Während andere das Jahr nach der besinnlichen Adventszeit ruhig angingen, schnürte Jörg Drechsler die Laufschuhe. Anfang Januar absolvierte er seinen 50. Marathon. Doch müde ist er noch lange nicht. Von Fabienne Seibel 

Wo nimmt dieser Mann bloß die ganze Kraft her? Jörg Drechsler, die Laufmaschine! 4700 Kilometer hat der gebürtige Frankfurter nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr zurückgelegt. Fast soweit wie die Entfernung von Deutschland nach Kamerun. Laufend. 1500 davon waren reine Wettkampfstrecke.

Der 42-Jährige bekommt vom Laufen nicht genug. „Seit ich 2004 meinen ersten Halbmarathon geschafft habe, hat sich mein Ehrgeiz immer mehr gesteigert. Mittlerweile habe ich 23 Marathons und 27 Ultramarathons hinter mir“, sagt Drechsler. Für Außenstehende kaum vorstellbar, doch Drechsler meint: „Der menschliche Körper kann mehr leisten, als man ihm zutraut. Das Meiste ist reine Kopfsache.“

Laufen sorgt für Glückshormone

Über kleine Strecken habe er sich hoch gekämpft, jedes Mal vom eigenen Ego angetrieben. Mittlerweile verbraucht er vier bis sieben Paar Laufschuhe im Jahr.  Freunde und Bekannte schütteln nur noch den Kopf, haben wenig Verständnis für das extreme Hobby. Was für viele eine Qual darstellt, ist für Drechsler reine Freude. „Laufen ist für mich Genuss. Ich kann dabei abschalten und laufe mich in Trance. Wenn ich Probleme habe, ziehe ich die Laufschuhe an und laufe los. Das sorgt bei mir für Glückshormone“, sagt der Groß-Umstädter.

Dass er irgendwann gesundheitliche Probleme davonträgt, glaubt er nicht. „Ich trinke keinen Alkohol, ernähre mich gesund und treibe viel Sport. Mein Körper wird mir ein Signal geben, wenn es ihm zuviel ist, aber ich fühle mich top fit.“

Wer glaubt, Drechslers Pensum sei nicht mehr zu toppen, irrt. Drechsler: „Es gibt immer eine Steigerung. Dieses Jahr im Sommer will ich beim Berliner Mauerweg-Lauf mitmachen. Das sind 160 Kilometer. Ich freue mich sehr darauf und bin guter Dinge, dass ich die komplette Strecke durchhalte.“

Noch mehr Herausforderungen

Lesen Sie auch:

Marathonläufer Jörg Drechsler bekommt nicht genug

Eine weitere große Herausforderung erwartet ihn an Pfingsten. „Dann will ich wieder am Keufelskopf-Ultradrill im Pfälzer Wald mitmachen. Das ist ein Querfeldein-Lauf über 85 Kilometer in 3500 Meter Höhe. Bei diesem Lauf gibt es auch Hindernisse zu überwinden. Im vergangenen Jahr konnte ich mich nach diesem Lauf eine Woche lang kaum bewegen“, sagt Drechsler. Vorbereiten will er sich dafür mit seinem gängigen Training von ungefähr 130 Kilometern in der Woche. „Man darf nicht zuviel darüber nachdenken, sondern muss einfach starten und auf die Zähne beißen. Ich war schon bei vielen Wettkämpfen kurz vorm Aufhören, doch die Psyche muss einfach über den Körper siegen.“

Hin und wieder hat jedoch selbst Drechsler keine Lust zu trainieren. Doch seine Einstellung ist knallhart: „Manchmal muss ich gegen meinen inneren Schweinehund ankämpfen. Aber dann rappel‘ ich mich doch auf. Wieso sollte ich mir von ihm mein Leben diktieren lassen?"

Mehr zum Thema

Kommentare