Neunjähriger auf der Überholspur 

Jannik Jöst aus Offenbach fährt furchtlos auf dem Mini Bike

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Offenbach – Jannik aus Offenbach fährt Motorradrennen um die deutsche Meisterschaft – auf einem Mini Bike. Während er vom ersten Pokal träumt, bangt die Familie an der Rennstrecke um seine Gesundheit. Von Franziska Jäger

Fährt wie ein Großer, dabei ist er erst neun Jahre alt: Jannik Jöst aus Offenbach auf seinem Rennmotorrad, einem Mini Bike der Marke Honda.

Der neunjährige Jannik hat das, wovon viele erwachsene Männer träumen: In seinem Elternhaus in Offenbach parken zwei Honda-Motorräder, auf denen er über den Asphalt düsen darf.

Seit er sieben Jahre alt ist, fährt Jannik im Pocket Bike Cup des ADAC Rennen gegen Teilnehmer aus ganz Deutschland. Dem Automobil-Club war er während eines Sichtungslehrgangs aufgefallen. Da hatte er sich furchtlos in die Kurven gelegt. „Er hat keine Angst beim Fahren“, sagt Mutter Carmen Jöst. Seine Familie aber dafür umso mehr, wenn sie ihm zuschaut. Oma und Opa trauen sich erst gar nicht an die Rennstrecke. Weil der Neunjährige mittlerweile zu groß und zu schwer für das Pocket Bike ist, steigt er jetzt aufs Mini Bike um.

Nach dem Poket Bike ist noch lange nicht Schluss

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Dann fährt er im ADAC Cup in der Einsteigerklasse mit. „Ich hatte gehofft, nach dem Pocket Bike sei Schluss. Aber Jannik will unbedingt weitermachen“, sagt Carmen Jöst. Knapp 70 Kilo wiegt so ein Bike, 110 Stundenkilometer kann es fahren. Auf den kurvigen Rennstrecken erreichen die Acht- bis 14-Jährigen nur das halbe Tempo – genug, um die Nerven von Mama, Papa und dem älteren Bruder zu strapazieren. Die sind zwar selbst Motorrad-Fans. „Aber wenn sich der ganze Pulk Kinder auf eine Kurve zubewegt, wird einem schon anders“, sagt Carmen Jöst. Einmal sei er weggerutscht, erzählt Jannik. Ernsthaft verletzt habe er sich aber noch nie. „Die brechen sich da aber auch Arme und Beine.“

Vor dem Start kämpft Jannik mit der Aufregung. So sehr, dass ihm auch mal die Tränen kommen. Mit dem Umstieg aufs Mini Bike steht der junge Sportler vor einer neuen Herausforderung: Er muss zum ersten Mal mit Kupplung und Gangschaltung zurechtkommen.

Dem Nachwuchsfahrer fehlen Sponsoren

Wenn das Wetter es zulässt, trainiert Jannik einmal die Woche auf einer Kartbahn in Schaafheim. Dort dreht er dann zwischen anderen Hobbysportlern seine Runden. Keine optimalen Bedingungen. „Die anderen Fahrer trainieren das ganze Jahr über, auch in Hallen. Doch hier gibt es einfach keine Möglichkeiten“, sagt Janniks Mutter. Sie würde sich freuen, wenn ihnen jemand ein Privatgelände für das Training zur Verfügung stellen könnte.

Und auch Sponsoren fehlen der Familie. 5000 Euro hat das gebrauchte Trainingsbike gekostet. Die zweite Maschine für die Rennen leiht die Familie gegen eine Gebühr beim ADAC. Zur Anschaffung der Schutzkleidung kommen die Fahrtkosten. Zehn Rennen finden zwischen Mai und September statt. Mal in Cheb in Tschechien, mal in Templin in Brandenburg. Die Familie campiert jedes Mal mehrere Tage in einem eigens angeschafften Wohnwagen an den Rennstrecken. Jannik wird dann vom Unterricht befreit.

Ganz vorne mitfahren konnte er bisher noch nicht. Doch jetzt, im Mini Bike Cup, möchte er endlich einen Pokal holen. Und sich nicht mehr darüber ärgern müssen, dass das Motorrad mitten im Rennen den Geist aufgibt.

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Franziska Jäger

Franziska Jäger

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