Husarenritte gibt es nie mehr

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Sportlicher Leiter des FC Eschborn: Marcus Klandt.

Eschborn – 13 Spiele, 34 Punkte, Tabellenführer: Der 1. FC Eschborn dominiert die Hessenliga nach Belieben und könnte nach 2003 und 2005 erneut den Sprung in die Regionalliga schaffen. Im Interview spricht der sportliche Leiter Marcus Klandt über den Lauf der Mannschaft und Lehren aus der Vergangenheit.

Herr Klandt, der 1.FC Eschborn marschiert von Sieg zu Sieg, hat als Spitzenreiter sechs Punkte Vorsprung auf die Konkurrenz. Da gibt es wenig auszusetzen oder?

Nein, die Bilanz ist absolut zufriedenstellend. Nach dem großen Umbruch, den wir vor der Saison vollzogen haben, sind wir schon überrascht, dass es so gut läuft. Aber das ist das Ergebnis der guten Arbeit.

In Sandro Schwarz haben Sie einen Ex-Profi als Trainer verpflichtet, der bis 2009 noch aktiv war. Versteht er die Sprache der Spieler besser als ein älterer Coach?

Das kann man so pauschal sicher nicht sagen. Wir waren gleich von Sandro überzeugt und das hat sich bislang zu hundert Prozent bestätigt. Er passt prima ins Eschborner Profil.

Inwiefern?

Anthony Wade

Wir sehen uns als einen semiprofessionellen Verein, der Spielern wie Trainern als Ausbildungsstätte und Sprungbrett dienen soll. Sandro will sich bei uns und mit uns weiterentwickeln, um in ein paar Jahren auch höherklassige Vereine betreuen zu können. Das gleiche gilt für die Spieler, die wir gezielt auf den Weg bringen.

Ein Beispiel?

Nehmen Sie Anthony Wade. Er kam aus einem unterklassigen Verein zu uns und hat in dieser Saison bereits sechs, teilweise entscheidende, Treffer erzielt und elf Vorlagen gegeben. Für einen Mittelfeldspieler eine erstaunliche Quote.

Wie viel Eschborn steckt denn im aktuellen Kader?

Mit Kapitän Rouven Leopold, Okan Ilkiz und Izzet Sen haben wir drei Eschborner Urgesteine in unseren Reihen. Hinzu kommen Spieler aus der eigenen Jugend, die bei uns ihre Chance erhalten. Alleine mit Nachwuchstalenten kann man in der Liga aber nicht bestehen.

Schon im vergangenen Jahr spielte der 1. FCE um den Aufstieg mit, verzichtete jedoch aus wirtschaftlichen Gründen auf einen Lizenzantrag. Wie sieht es in dieser Saison aus?

Wir haben viele junge Spieler und fahren erstmal gut damit, von Spiel zu Spiel zu denken. Durch die gelockerten Auflagen in der Regionalliga käme der Aufstieg in dieser Saison aber schon eher in Betracht. Die wirtschaftlichen und technisch organisatorischen Anforderungen sind nicht mehr so streng.

2006 stand der Verein kurz vor dem Konkurs, stieg bis in die Landesliga ab. Wie steht es aktuell um die Finanzen und welche Lehren haben Sie aus dieser Zeit gezogen?

Das Insolvenzverfahren läuft noch, endet aber nach dieser Saison. Wir blicken auf einen positiven Ausgang des Verfahrens. Eines ist aber auch klar: Ein Husarenritt wird es Zukunft nicht mehr geben. Der Verein wird nicht noch mal versuchen, auf Profitum umzustellen. Wir sind ein Verein mit 500 Mitgliedern und können uns nicht mit regionalen Klubs wie Darmstadt 98 oder Hessen Kassel in dieser Hinsicht messen. Unsere Spieler werden weiter tagsüber arbeiten, studieren oder zur Schule gehen.

Wie ist die Resonanz im Umfeld auf die sportliche Erfolgsserie?

Der Zuschauerzuspruch ist erfreulich. Zuletzt gegen Rot-Weiß Darmstadt hatten wir 250 Anhänger im Stadion, das ist für uns sehr ordentlich. Wir wollen die Marke Eschborn weiter gut verkaufen

Zuletzt bemängelten Sie die fehlende Unterstützung der Stadt. Hat sich da was getan?

Nach der Millionen-Bürgschaft der Stadt im Jahr 2004 zur Tilgung unserer Schulden hatten Politiker und Umfeld etwas Abstand genommen. Zuletzt gab es aber wieder positive Signale. Im Gespräch ist ein neuer Kunstrasenplatz. Das wäre schon mal ein guter Anfang. Unsere Anlage ist längst nicht mehr zeitgemäß und bedarf einiger Verbesserungen.

Ihr Bruder Patric hütet das Tor des Zweitligisten FSV Frankfurt, der gerade eine bittere Heimpleite hinnehmen musste. Eschborn ist obenauf. Wie sieht das Brüder-Verhältnis aus?

Ach, wir wohnen beide in demselben Haus und unterhalten uns viel über Fußball. Mal läuft es bei dem einen besser, mal bei dem anderen. Beim letzten Heimspiel des FSV gegen Cottbus war ich im Stadion.

Gab es schon ein Bruder-Duell Klandt auf dem Platz?

Einmal haben wir in der Regionalliga gegeneinander gespielt. Patric stand damals im Tor der U23 von Eintracht Frankfurt und ich war für Hoffenheim im Einsatz. Frankfurt hat gewonnen.   zin 

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