Von den Hornets zu den Profis

Donald Lutz spielt für die Cincinnati Reds Baseball.

Bad Homburg – In der NBA überragt Ausnahmebasketballer Dirk Nowitzki, bei den Footballern hält Sebastian Vollmer die deutsche Fahne hoch. Einzig ein deutscher Baseballer hat es bislang nicht zu einem Einsatz in der amerikanischen Profi-Liga geschafft. Das könnte sich bald ändern.

Donald Lutz steht im erweiterten Kader der Cincinnati Reds. Aufgewachsen ist der Nationalspieler mit deutscher Mutter und amerikanischem Vater in Friedberg, spielte als Jugendlicher bei den Bad Homburg Hornets. Im Interview spricht der 22-Jährige über seine Zeit in Deutschland und seine Chancen als Baseball-Profi.

Herr Lutz, Sie sind als Baby mit ihrer Mutter und den Geschwistern aus New York nach Deutschland gekommen. Wann stand für Sie fest, dass Sie eine Baseball-Karriere einschlagen möchten?

Ich habe erstmal Eishockey gespielt und Handball. Eines Tages hat mich dann mein großer Bruder zum Baseball-Training bei den Friedberg Braves  mitgenommen und meinte „Versuchs halt mal“. Das habe ich getan und es hat großen Spaß gemacht. Ich hab dann ein paar Bälle geworfen und das erste Mal zum Schläger gegriffen. Als ich das erste Mal den Ball richtig erwischt habe, hat es mich gepackt.

Was fasziniert Sie so an dieser Sportart?

Mir gefällt alles, vor allem natürlich das Schlagen. Wenn man das Spiel richtig versteht und weiß, was man in verschiedenen Situationen mit dem Schläger machen muss, hat man viel Spaß. Außerdem kann man Baseball immer spielen, egal ob es kalt oder warm ist, die Sonne scheint oder es regnet. Es ist ein sehr aufregender Sport für die ganze Familie.

Welche Erinnerungen haben Sie noch an die Zeit bei den Bad Homburg Hornets?

Ich habe dort knapp zwei Jahre gespielt. Da ich in Friedberg wohnte, hatte ich leider nur selten die Gelegenheit, mehr von der Stadt zu sehen. Aber mit meinen früheren Teamkollegen bin ich noch in Kontakt und informiere mich, was bei den Hornets passiert.

Von den Hornets ging es nach Regensburg in ein Baseball-Internat. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Es war sehr intensiv und schnelllebig. Ich bin dort in die Schule gegangen und habe jeden Tag trainiert. Plötzlich stand ich im Nationalmannschaftsteam und es klopften die ersten Talentspäher an meiner Tür. Bei einem Sichtungslehrgang in Italien habe ich dann drei Wochen mit und gegen die Top-Talente aus ganz Europa und Afrika gespielt.

Mit Erfolg?

Ich habe mich wohl ganz gut angestellt. Die Cincinnati Reds haben mir dann 2007 einen Profi-Vertrag über sieben Jahre angeboten, den ich natürlich unterschrieben habe.

Zuletzt spielten Sie beim Perspektivteam der Reds, den Dayton Dragons. Wie sieht der Alltag dort aus?

Wir spielen etwa 140 Partien in einer Saison, sind also ständig unterwegs. Der Alltag ist immer ähnlich: Ich stehe morgens auf und besorge mir mein Frühstück auf dem Weg zum Trainingsplatz. Dann arbeite ich an meinem Schwung und meiner Verteidigung. Nachmittags werfen wir uns dann mit der Mannschaft ein. Gegen 19 Uhr beginnen die Spiele – jeden Tag.

Die Anstrengungen haben sich ausgezahlt. Von den Reds wurden Sie in den 40-Mann-Kader berufen. So weit hat es bislang kein deutscher Spieler geschafft. Wie stehen die Chancen, dass Sie dort auch zum Einsatz kommen?

Ich denke, die Chancen stehen nicht schlecht. Es kommt auf mich an. Wenn ich weiter konstant gut spiele, dann kann es manchmal schneller gehen als man denkt.

Gibt es auch einen Plan B, falls es mit der Baseball-Karriere nicht klappt?

Außer Baseball habe ich gerade keine Pläne. Vielleicht würde ich in den USA dann noch mal zur Schule gehen. Aber zurzeit konzentriere ich mich voll und ganz auf Baseball und arbeite sehr hart, um meinem Ziel näher zu kommen. zin

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