Heute Finale im großen Rasen-Schach

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Italiens Andrea Pirlo umkurvt im Halbfinale Holger Badstuber. Auf den Mittelfeldregisseur, einen der besten Spieler des bisherigen Turniers, wird’s auch im Finale ankommen.

Region Rhein-Main – Das EM-Finale 2012 hat eine Überraschungsmannschaft. Vor dem Turnier hat kein Experte damit gerechnet, dass die Italiener es bis ins Endspiel schaffen. Auch wenn die Spanier als Favorit ins Spiel gehen. Fünf Gründe, warum Italien oder Spanien gewinnt.

Nach dem verdienten Halbfinal-Sieg gegen Deutschland können dieItaliener am Sonntagabend zum zweiten Mal nach 1968 Europameister werden.

Darum gewinnt Spanien:

1. Die Spanier haben zwar nicht in der Art und Weise überzeugt, wie bei der Weltmeisterschaft 2010 oder der Europameisterschaft 2008, aber viel anders sind sie nicht aufgetreten. Auch bei ihrem Titelgewinn 2008 haben sie sich hier und da durchgemogelt. In der Vorrunde gegen Griechenland und Schweden gab’s jeweils nur ein 2:1 und im Viertelfinale musste das Glück im Elfmeterschießen herhalten, um Italien zu besiegen. Und auch bei der WM 2010 konnten die Iberer nur den Gruppensieg erreichen, nachdem sie knapp mit 2:1 gegen Chile gewannen, nachdem sie zum Auftakt gegen die Schweiz sogar 1:0 verloren hatten. Vom Achtelfinale bis ins Finale folgten dann jeweils knappe 1:0-Siege gegen Portugal (durch ein Abseitstor von David Villa), Paraguay, Deutschland und im Finale in der Verlängerung gegen Holland. Fazit: Das holprige Spiel der Spanier bei dieser EM unterscheidet sich nicht gravierend von ihren Auftritten bei den vorherigen Turnieren.

2. Die Spanier haben die Cleverness und Erfahrung gegen eine tiefstehende Mannschaft zu gewinnen. Mit Iker Casillas (136 Länderspiele), Xavi (114), Xabi Alonso (101) und Sergio Ramos (91) haben sie nicht nur top-erfahrene Spieler in ihren Reihen. Diese Akteure haben in ihren Vereinen, Real Madrid und FC Barcelona, auch schon reichlich Endspiel-Erfahrung. Die Spanier sind es gewohnt, genau zum richtigen Zeitpunkt ihre Top-Leistung abzurufen.

3. Im Vorrunden-Spiel bei dieser EM zwischen beiden Mannschaften (Endstand 1:1) haben die Italiener den Titelverteidiger damit überrascht, dass sie die Mittelachse komplett zugestellt haben. Dieser Überraschungseffekt wird nicht noch mal Erfolg haben. Denn auch gegen Portugal hat Spaniens Trainer Vicente del Bosque durch die Hereinnahme von Pedro und Jesus Navas gezeigt, wie er auf diese Taktik reagiert: Sein Team soll dann mehr über die Flügel spielen.

4. Beide Mannschaften wirken konditionell nicht auf der Höhe. Trotzdem haben die Spanier während des Turniers einen geringeren Aufwand betrieben. Zudem hatten sie einen Tag mehr Pause. Das könnte entscheidend sein, zudem quälten sich italienische Spieler wie Balotelli oder Cassano bereits eine halbe Stunde vor Spielende im Halbfinale mit Konditionsmängeln.

5. Die Spanier können Geschichte schreiben: Noch nie hat ein Team einen EM-Titel verteidigt, keine Mannschaft

Darum gewinnt Italien:

1. Sie verteidigen überragend, sind hart am Mann und wachsen als Team über sich hinaus. Alles Zutaten, die den Spaniern überhaupt nicht schmecken. Gegen solche Mannschaften braucht der Titelverteidiger sehr viel Geduld und spielerische Finesse. Und die fehlt ihnen ein wenig in diesem Turnier: Xavi wirkt müde, Iniesta nicht in Topform und ihr Kurzpassspiel zu wenig durchschlagskräftig.

2. Italien spielt überraschend: Als eines der wenigen Teams agieren sie mit zwei Stürmern, die mit etwas ungewöhnlichen Laufwegen agieren. Und mit Balotelli haben sie einen Angreifer, der sich bis jetzt in jedem Turnierspiel gesteigert hat.

3. Die Italiener haben in Turnierspielen gegen die Spanier nicht schlecht ausgesehen. 1994 siegten sie im WM-Viertelfinale mit 2:1 und in der EM-Vorrunde 1988 in Deutschland gewannen sie 1:0. Dem gegenüber steht das Aus im EM-Viertelfinale 2008 im Elfmeterschießen. Und noch ein Vorteil für die Truppe von Cesare Prandelli: Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Teams am 10. August 2011 gewann der Weltmeister von 2006 mit 2:1

4. Sonntag gibt’s Rasen-Schach: Beide Teams machen kaum taktische Fehler. Aber di Natale hat in der Vorrunde bewiesen, dass man gegen Spanien treffen kann.

5. Italien ist euphorisch. Sie wirken top-motiviert, hervorragend eingestellt und heiß auf den Titel. agk

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