Kampf um Frankfurts dritte Fußball-Macht

Hessenligisten Rot Weiss und Oberrad starten in die Saison

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Berkay Harmanci (grün) hält der Spvgg. Oberrad auch in der neuen Hessenliga-Saison die Treue und will mit dem Klub aus dem Südosten Frankfurts Fußball-Macht Nummer drei bleiben.

Frankfurt – Die Hessenliga ist in dieser Saison hochkarätig besetzt. Zwei Frankfurter Clubs sind mit dabei: Oberrad will die Klasse halten, Rot Weiss will mehr. Von Jens Dörr

Ganz oben ist die Hackordnung im Frankfurter Fußball seit Jahrzehnten zementiert: An der Eintracht geht in „Mainhattan“ kein Weg vorbei. Schon lange als klare Nummer zwei etabliert hat sich zudem der FSV. Dahinter aber kommt in der neuen Saison Bewegung rein: Die Spvgg. 05 Oberrad und die SG Rot Weiss Frankfurt wollen in der stark besetzten Hessenliga mindestens die Klasse halten und zugleich die dritte Fußball-Macht der Stadt werden. Mit reichen Klubs wie dem SV Wiesbaden und dem SC Hessen Dreieich, aber auch Regionalliga-Absteiger KSV Baunatal und den außergewöhnlich ambitionierten Aufsteigern Borussia Fulda und Teutonia Watzenborn-Steinberg droht in Hessens höchster Spielklasse – der fünfthöchsten insgesamt – 2015/16 ein wahres Hauen und Stechen.

Oberrad gibt Klassenerhalt als Ziel aus

Von den 17 Vereinen wollen nicht weniger als zwölf oben mitmischen oder sogar den Aufstieg in die Regionalliga Südwest packen. Im Dunstkreis gut situierter Klubs schlagen Oberrad und Rot Weiss hingegen moderatere Töne an. Die Oberräder spielten bereits in der Vorsaison in der Hessenliga, hielten mit kleinen Mitteln und Kontinuität auf der Trainerbank fast schon sensationell die Klasse. Kein Wunder, dass der Stadtteil-Klub auch weiter auf Coach Mustafa Fil setzt – nun schon im sechsten Jahr. Eine Fluktuation im Kader verhinderte das allerdings nicht, im Gegenteil: Bei 14 Zu- und 17 Abgängen fiel sie in den vergangenen Wochen der Sommerpause enorm aus. Unter anderem Kaan Köksal, Max Fiege und Dennis Abendroth stehen Oberrad nicht mehr zur Verfügung. Unter den Neuen sind sieben Akteure, die in der vergangenen Runde noch A-Junioren waren. Große Namen sucht man vergebens. Daniel Wolf und Jongin Park waren die Einzigen, die in der vergangenen Runde schon andernorts in der Hessenliga spielten. Park etwa kam von Rot-Weiss Darmstadt, wo er aber auch nur Ergänzungsspieler war. Ganz realistisch geben sich die 05er aus dem Frankfurter Südosten daher beim Saisonziel, schreiben dem „Klassenerhalt“ die ganze Priorität zu. Dagegen lehnt sich Rot Weiss mit dem Ziel „gesicherter Mittelfeldplatz“ fast schon weit aus dem Fenster. Die Voraussetzungen am Brentanobad sind allerdings auch ganz andere als bei der Spvgg. Oberrad, obwohl der Verein erst in der Relegation in die Hessenliga aufstieg.

Regionalliga könnte für Rot Weiss ein Thema werden

Nicht nur wegen des schmucken Stadion und vielversprechender Nachwuchsstrukturen trauen Rot Weiss unter dem neuen Trainer Daniyel Cimen – er folgte auf Interimscoach Niko Arnautis – viele mittelfristig zu, an die Tür zur Regionalliga und damit auch bei Vereinen wie den Offenbacher Kickers, Hessen Kassel und Waldhof Mannheim anzuklopfen. Schon die 3000 Zuschauer im Relegationsspiel gegen Viktoria Kelsterbach deuteten an, welches Potenzial am Rödelheimer Parkweg vorhanden ist. Personell ging es im Sommer unterdessen ruhiger zu als in Oberrad, wo selten mehr als 150 Zuschauer die Heimspiele verfolgen: Nur vier Akteure, darunter Mert Pekesen, verließen den Verein. Leistungsträger wie Stürmer Patrick Barnes oder Ex-SV-Darmstadt-98-Mittelfeldgestalter Varol Akgöz blieben dem Verein treu. Von den Zugängen bringt André Fliess (zuletzt FC Nöttingen) Regionalliga-Erfahrung mit. Nicht zuletzt deshalb gilt Rot Weiss am kommenden Mittwoch (5. August, 19.30 Uhr, Stadion am Brentanobad) als favorisiert, wenn gleich die zweite Partie der Saison (die ersten Spiele an diesem Wochenende waren bei Redaktionsschluss noch nicht beendet) das Frankfurter Stadtderby gegen die Spvgg. Oberrad bringt. Wer die Partie gewinnt, darf sich zumindest fürs Erste als dritte Frankfurter Fußball-Macht fühlen.

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