Mehr Zulauf in der Schwertkampfszene

Schwertkampfszene findet immer mehr Anhänger

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Der promovierte Anglist und Amerikanist Manouchehr Moshtagh Khorasani (links) im Duell mit persischem Schild und Schwert.

Frankfurt – Noch führt die Schwertkampf-Szene ein Nischendasein. Doch der Zulauf wird größer. Am 6. und 7. April wird in Hamburg das erste internationale Sabre Symposium stattfinden, bei dem sich Freunde von Hieb- und Stichwaffen untereinander austauschen und Wissen vermitteln. Von Dirk Beutel

Die Form, der Stahl, das Gewicht – wer sich für Schwertkampf interessiert, für den spielt nicht nur die Technik, sondern vor allem das historische Hintergrundwissen um seine Waffe eine entscheidende Rolle. Obwohl die meisten sie vermutlich nur von ihren Auftritten auf Mittelalter-Märkten kennen, genießt die Schwertkampf-Szene immer mehr Zulauf. Ob Theaterfechter, Freizeit-Ritter oder Fantasy-Jünger, die Faszination ergreift immer mehr – auch im Rhein-Main-Gebiet.

Schon seit 15 Jahren in der Schwertkampfszene

Seit etwa 15 Jahren gehört Heiko Grosse dazu. Er kommt aus der Kampfsportszene, hat unter anderem bereits zehn Jahre Kendo hinter sich. Jetzt hat sich der Offenbacher auf die historische Kampfkunst aus Schottland spezialisiert. In einer privaten sechsköpfigen Trainingsgruppe werden einmal die Woche Technikelemente des Schwertkampfes geübt. Möglichst in Originalgeschwindigkeit. Schnell, kraftvoll, direkt. Natürlich nicht mit echten Klingen, sondern mit Trainingswaffen aus Aluminium.

Die Kenntnisse, wie man mit einer Klinge, einem Speer oder einer Axt korrekt umgeht, erfahren die Szene-Anhänger aus historischen Manuskripten, die sich dank des Internets längst ihren Weg aus den hinteren verstaubten Ecken der Bibliotheken zu den Fans gebahnt haben. „Wer sich für dieses Thema interessiert, der will auch mehr über historische Hintergründe erfahren“, sagt Grosse. Das gilt ebenso für Schwertkampf aus anderen Teilen der Welt.

Eher zufällig entstand der Kontakt zu Manouchehr Moshtagh Khorasani. Auch er hat viele Jahre Kampfsporterfahrung auf dem Buckel. Der Frankfurter ist ein Paradebeispiel für die Szene: Zehn Jahre forschte er für ein Fachbuch, in dem er 520 Hieb- und Stichwaffen, Bogen und Rüstungen der königlichen Sammlung im Iran analysiert hat. „Arms and Armor from Iran: The Bronze Age to the End of the Qajar Period”, nannte er sein erstes Werk. Vier weitere und über 100 Fachartikel folgten.

Gemeinsamkeiten der schottischen und persischen Schwertkampfkunst

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Meditation mit dem Schwert

Vor ein paar Wochen trafen sich die beiden Schwertkampf-Experten in einem Dojo und führten einander die jeweilige Technik vor. Interessant: Bei dem Aufeinandertreffen entdeckten beide erstaunlich viele Gemeinsamkeiten. „Sowohl in der schottischen als auch in der persischen Schwertkampfkunst wurde versucht, möglichst viele Waffen auf einmal zu tragen“, sagt Grosse. Beide haben sich daraufhin entschlossen, beim Sabre Symposium, am 6. und 7. April in Hamburg, gemeinsam zwei Workshops anzubieten und die Parallelen, aber auch die Unterschiede beider Schwertkampfstile vorzustellen. Schon jetzt arbeiten sie gemeinsam an einem Artikel, der dieses Thema beleuchten soll. Khorasani: „Wir hoffen, dass er in sechs oder sieben Wochen fertig ist.“

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