Hapkido mit dem Meister: Zerstören und heilen

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Der Meister wehrt ab: Byung-Tae Moon beim Training.

Friedrichsdorf – Byung-Tae Moon nimmt einen faustgroßen Stein und demonstriert einen Handkantenschlag. „Ich könnte ihn zerteilen“, sagt der Großmeister. Dann zeigt er sein durchtrainiertes Bein. Der Koreaner klopft mit dem Stein auf sein Schienbein und erzeugt einen hohlen Klang. Wie, wenn etwas auf Holz prallt. „So halte ich mich im Alltag fit“, sagt der 60-Jährige.

Wie fit die Hapkido-Legende ist, bekommen die Teilnehmer des Schwarzgurt-Seminars am eigenen Leib zu spüren. Aus halb Europa sind sie angereist, um beim Großmeister ihre Prüfung abzulegen. Schon beim Aufwärmprogramm bringt Moon seine Schüler mächtig ins Schwitzen. Konzentriert steht er auf der Matte, verschränkt die Arme und streckt sein rechtes Bein in die Höhe. Dazu ertönen kurze, einsilbige Kommandos. Die Teilnehmer machen es ihm nach, nehmen die Kampfstellung ein und wuchten das rechte Bein in die Luft. Wenig später ist das linke an der Reihe.

Der Großmeister ist zufrieden mit seinen Schützlingen, gönnt ihnen eine Verschnaufpause. Während seine Schüler sich den Schweiß von der Stirn tupfen und schon zur Wasserflasche greifen müssen, bereitet Meister Moon bereits die nächste Übung vor.

„Das war ja auch nur das Aufwärmprogramm“, sagt Franco Zanfino, Leiter des Hapkido-Centers. Seit vielen Jahren verbindet ihn und die koreanische Delegation eine enge Freundschaft. Hartmut Sparschuh hatte den Kontakt in den 90er Jahren bei einem Besuch in Korea hergestellt. Sparschuh ist Chef-Ausbilder in der Hwal Moo Hapkido Association, die von Großmeister Moon geführt wird. „Hwal Moo ist eine Stilrichtung des Hapkidos. Sie verbindet traditionelle Kampftechniken mit modernen Einflüssen“, erklärt Zanfino.

Bestandteile des dreitägigen Seminars sind neben Fall-, und Selbstverteidigungstechniken auch der Umgang mit Waffen, wie etwa Stöcken und Schwertern.

Derweil probt Moon den Schulterwurf, bei dem sich die Teilnehmer geschickt und möglichst schmerzfrei abrollen müssen. „Den Körper und Geist zu stärken“, erklärt Zanfino, „darauf kommt es uns hauptsächlich an.“

Das ist ganz im Sinne des koreanischen Großmeisters. Hwal Moo sei nämlich vielmehr als nur die Kunst des Zerstörens, betont er. Im Gegenteil: „Ich kann nicht nur etwas zerbrechen, sondern auch wieder heilen.“ Der Chiropraktiker hat bei Kampfsportlern schon Wirbel wieder eingerenkt. Als sich ein Kursteilnehmer unlängst die Schulter auskugelte, war Moon zur Stelle. Er legte Hand an und der Mann setzte das Training fort. „Die jungen Menschen geben mir viel Energie“, sagt er. Und klopft nochmals mit dem Stein auf sein Schienbein.zin

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