Und lobt das National-Team

Handball-Legende Herbert Wehnert kritisiert den Weltverband

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Zwischen Handball-WM und Bezirksoberliga-Abstiegskampf: Der Dietzenbacher Ex-Nationalspieler Herbert Wehnert.

Dietzenbach – Sieg gegen Angstgegner Polen, Sieg gegen Doppel-Weltmeister Russland und der Sieg gegen Argentinien: Ziemlich unerwartet sorgt das deutsche Handball-Nationalteam seit einer Woche bei der Handball-WM in Katar für Furore. Handball-Legende Herbert Wehnert aus Dietzenbach kritisiert aber den Weltverband.

Einer schaut in diesen Tagen genau hin, was die Truppe von Dagur Sigurdsson leistet: Der Dietzenbacher Herbert Wehnert, 87-facher Nationalspieler und im Handball bis heute als Trainer des Bezirksoberligisten HSG Eppertshausen/Münster aktiv. Obwohl selbst bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen im Einsatz gewesen, scheut der 67-Jährige die klare Kritik am Weltverband nicht.

Wehnert hatte seine Glanzzeiten in den 70ern, als er 1970 bei der WM in Frankreich und 1974 in der DDR sowie 1972 bei den Olympischen Spielen die Fahnen der Bundesrepublik vertrat. Der aus Wiesbaden stammende Pensionär spielte zudem für den einstigen Erstligisten SG Dietzenbach, fand dadurch in der Kreisstadt seine bis heute währende Heimat. Nach der aktiven Karriere folgten für den Linkshänder, der meist im rechten Rückraum spielte, Trainerstationen unter anderem in Götzenhain, Egelsbach, Steinheim und Ober-Eschbach sowie fast ein Jahrzehnt lang als Frauencoach der SU Mühlheim. Seit 2012 coacht er Eppertshausen/Münster.

Deutschland nur Dank Wildcard dabei

Über die bisherigen Ergebnisse des Nationalteams bei der WM in Katar zeigt sich Wehnert sehr erfreut – hatte sie in dieser Form nicht erwartet: „Ich bin etwas überrascht, obwohl die Mannschaft von der Leistung her generell zur internationalen Spitze gehört. Doch eigentlich hatte sie in den beiden Qualifikationsspielen gegen Polen die Teilnahme ja verpasst.“ Deutschland durfte schließlich nur dank einer Wildcard an den Golf reisen, bekam die WM praktisch geschenkt. Obwohl Handball-Deutschland nun die Daumen drücken darf, war das für Wehnert eine kaum nachvollziehbare Praxis: „Die Entscheidung des Weltverbands war schon suspekt.“ Überhaupt passiere da „immer mal wieder Merkwürdiges“, fügt er hinzu und verweist auf einen Umstand, der auch in anderen Sportarten festzustellen ist: „Katar kann einfach jene Spieler einbürgern, die es für seine Mannschaft braucht.“ Tatsächlich spielen dort kaum Akteure, die im Wüstenstaat geboren wurden. Mit einer unabhängig von Staatsgrenzen zusammengestellten Truppe wurde das Land 2014 Asienmeister. „Diese Dinge gab es zu unserer Zeit nicht“, sagt Wehnert.

Noch mehr habe sich in den 70ern derweil klar vom heutigen Handball-Geschäft unterschieden: „Bei uns sind alle noch einem anderen Beruf nachgegangen.“ Wehnert selbst war Berufsschullehrer, unterrichtete bis vor wenigen Jahren an der Frankfurter Werner-von-Siemens-Schule. „Die Vergütung war selbst in der Nationalmannschaft nicht besonders hoch“, sagt er. „Damals gab’s nur Tagegeld. Im Falle des Halbfinal-Einzugs hätte es vielleicht noch eine Aufstockung gegeben. Gleichwohl drücke er dem Team um Trainer Dagur Sigurdsson die Daumen: „Die Mannschaft macht einen homogenen Eindruck, das Gefüge ist intakt. Sie zeigt eine andere Körpersprache als vorher und tritt auch nach außen als Team auf.“ jd

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