Auch der neue Trainer des SV Darmstadt 98 setzt auf die Defensive / Debüt heute in Bielefeld

Grammozis will nicht viel ändern

Der Neue gibt die Richtung vor: Trainer Dimitrios Grammozis (vorne) stimmt seine neue Mannschaft auf die bevorstehende Aufgabe in Bielefeld ein. Foto: Hübner

Mit ihm wollen die Lillien wieder zurück in die Spur finden: Gegen Bielefeld sitzt der Cheftrainer-Neuling Dimitrios Grammozis erstmals auf der Trainerbank des SV Darmstadt 98. Dank seiner Malocher-Mentalität fühlt er sich der Herausforderung Klassenerhalt durchaus gewachsen. Von Jens Dörr

Darmstadt – Bewegte Tage liegen hinter dem SV Darmstadt 98: Rausschmiss von Erfolgstrainer Dirk Schuster, Beförderung von Carsten Wehlmann zum Sportlichen Leiter und damit neuen starken Mann und schließlich die Verpflichtung des bis dato als Chef-Coach im Profi-Fußball unbekannten Dimitrios Grammozis.

Der stellte sich am vergangenen Sonntag der Mannschaft vor und nahm am Dienstag die Trainingsarbeit auf. Viel ändern will der 40-Jährige erst einmal nicht. Auch am heutigen Sonntag (Spielbeginn 13.30 Uhr) im Spiel bei Arminia Bielefeld setzen die Lilien zunächst voll auf die Defensive.

„Ich will die Mannschaft kurzfristig stabilisieren und so mit ihr in die Spur kommen, dass man für die neue Saison planen kann“, gibt Grammozis das primäre Ziel aus. Was heißt: Um jeden Preis für den Klassenerhalt punkten, um auch 2019/20 zweitklassig zu sein und gleichzeitig den Stadionumbau nicht zu gefährden. Die Ausgangslage könnte schlechter sein, nach dem 2:0 über Dynamo Dresden, noch unter Interimstrainer Kai Peter Schmitz, nimmt der Wuppertaler mit griechischen Wurzeln sieben Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone mit.

Natürlich müsse man „auch Lösungen mit dem Ball finden“, sagt Grammozis, macht dabei aber nicht allzu große Hoffnung darauf, dass die zuletzt meist ziemlich biederen Südhessen spielerisch plötzlich explodieren und volle Offensive praktizieren risikobereiten Teams aus Kiel, Paderborn und Regensburg. Die Erwartung, dass sich taktisch zunächst nicht viel gegenüber den vergangenen Monaten ändern dürfte, nährt, dass Grammozis mit dem 4-2-3-1-System in Verbindung gebracht wird, das stets auch Schusters erste Wahl war. Wobei Grammozis nicht in diese Schublade gesteckt werden möchte und mangels zweitem Stürmer neben Serdar Dursun (Felix Platte ist noch angeschlagen, Sören Bertram eher ein Linksaußen, Johannes Wurtz eher eine hängende Spitze) aktuell ohnehin kaum auf ein oft gefordertes 4-4-2 umstellen könnte.

Ob der SV 98 nun mehr Mut und Risiko im Spiel nach vorn (etwa durch aggressiveres Pressing) zeigt und zugleich besser die Löcher in der Abwehr stopft, bleibt also abzuwarten. Klar ist, was Grammozis grundsätzlich erwartet: „Mir ist wichtig, dass die Zuschauer immer mit einem positiven Gefühl nach Hause gehen.“ Darmstadt 98 habe „eine eigene Identität, der Verein steht für Arbeit. Auch ich bin im Ruhrgebiet mit einer Malocher-Mentalität aufgewachsen.“ Insofern passe er gut zur neuen Aufgabe.

Dass ihm die im Umfeld mancher nicht zutraut, weil er noch nie Chef-Trainer einer Profi-Mannschaft war, ficht weder Grammozis noch den für den Transfer von der U19 des VfL Bochum hauptverantwortlichen Sportleiters Wehlmann an. Als Co-Trainer arbeitete Grammozis schon für Bochum in Liga zwei, war beim VfL II zudem Coach in der Regionalliga. Und, daran sei erinnert: Auch die Erfahrungen von Dirk Schuster im Trainergeschäft hielten sich in Grenzen, als der SV 98 ihn Ende 2012 verpflichtete. Was folgte, war die erfolgreichste Zeit in der Vereinsgeschichte. Selbst jetzt, im Unterhaus in Abstiegsnot, stehen die Darmstädter noch wesentlich besser da als zwischen 1993 und 2014, als sie 21 Jahre am Stück dritt- oder viertklassig waren.

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