Gläserne Athletin sprintet, springt und wirft

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Im Weitsprung knackt Christina Kiffe die Sechs-Meter-Marke.

Roßdorf – Die Roßdorfer Siebenkämpferin Christina Kiffe gilt als große Leichtathletik-Hoffnung und ist seit Kurzem „gläserne Athletin“. Ihr großes Ziel: Die Olympischen Spiele 2016 in Rio. Von Jens Dörr

Die 100 Meter Hürden sprintet sie in 13,88 Sekunden. Im Hochsprung überquert sie die Latte bei 1,84 Meter. Christina Kiffe aus Roßdorf ist ein leichtathletisches Multitalent, der Siebenkampf insofern wie für sie gemacht. In dieser sportlichen Vielfach-Herausforderung wurde die 19-Jährige kürzlich EM-Fünfte der A-Jugend, sicherte sich in diesem Jahr zudem die Deutsche Meisterschaft im Fünfkampf. Die Glanzlichter ihrer bisherigen Karriere setzte sie ebenfalls in diesem Jahr – und gibt ein hohes Ziel aus: 2016 möchte Kiffe bei Olympia in Rio starten.

Wenn Kiffe nach dem Kino noch spontan auf einen Drink in die Bar geht, muss sie das registrieren: Seit einigen Wochen ist die Roßdörferin zur „gläsernen Athletin“ geworden – ungewöhnlich für eine A-Jugendliche. In einem Online-Kalender muss sie täglich stundengenau eingeben, wo sie sich aufhalten wird. Auf diese Weise haben Doping-Kontrolleure ständigen Überblick und die Option, jederzeit überraschende Tests durchzuführen. Was Kiffe einerseits adelt: Sie wird seitens der Leichtathletik-Verbände doch offenkundig als äußerst leistungsstarke Sportlerin wahrgenommen. Andererseits ist dies mit viel Aufwand und Disziplin verbunden.

Athletin wird auch von ihrem Vater trainiert

„In letzter Zeit haben wir viel Wert auf das Grundlagen-Training und die Stabilitätsarbeit gelegt“, sagt Manfred Kiffe (ASC Darmstadt), der seine Tochter neben Haupt-Coach Jürgen Sammert (LG Eintracht Frankfurt) trainiert. Das zahlt sich in ausbleibenden Verletzungen und in stetiger Formsteigerung in den Disziplinen 200 Meter, 800 Meter, 100 Meter Hürden, Weitsprung, Hochsprung, Kugelstoßen und Speerwurf aus.

Mit ihren 5793 Punkten bei der kürzlich ausgerichteten U20-EM in Estland wäre sie vor zwei Jahren noch Europameisterin geworden, die starke Konkurrenz in diesem Jahr verhinderte das. Kiffe ist derzeit Fünfte der U20-Weltrangliste. Bei den A-Schülerinnen hält sie bis heute den Hessenrekord im Block-Mehrkampf (100 Meter, 80 Meter Hürden, Weitsprung, Hochsprung und Speerwurf).

„Ich war früher in allen Disziplinen relativ gleich gut“, blickt Christina Kiffe zurück. Die Anfänge nahm ihre Laufbahn bei der SKG Roßdorf, von wo sie zum ASC Darmstadt wechselte. 2010 gelang ihr der Sprung in den Bundeskader, inzwischen drücken sich ihre immer größeren Ambitionen in bis zu 50 Stunden Training pro Monat aus. Nicht weniger als die Olympischen Spiele 2016 in Brasilien sollen es für Kiffe eben werden. „Auch wenn das natürlich noch sehr weit weg ist“, wie sie selbst zugibt.

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