Gentges Kindergarten auf warmem Eis

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In der Frankfurter Eissporthalle trainieren seit dieser Woche wieder die Löwen.

Frankfurt – Eiszeit in Frankfurt: Während diese Woche die Temperaturen auf weit über 30 Grad kletterten, begann für die Eishockeyspieler der Löwen Frankfurt der schweißtreibende Trainingsalltag in der heimischen Eissporthalle. Von Norman Körtge

Wenn Frank Gentges pfeift, spitzen seine Spieler die Ohren.

Erst ist es nur ein leichtes Kopfschütteln, doch dann holt Frank Gentges tief Luft und presst sie durch die Trillerpfeife an seinem Mund. Der schrille, lange Klang lässt die Eishockeyspieler förmlich erstarren. Das Knirschen der Schlittschuhkufen auf dem Eis verstummt ebenso wie das Schlaggeräusche gegen die Puks. „Hey, was ist das?“, schnaubt der neue Löwen-Trainer seine Spieler an. Der Rest seiner lautstarken und gestenreichen Ansprache geht zumindest für die Zuschauer auf der Tribüne der Frankfurter Eissporthalle unter. Offensichtlich hat ihm nicht gefallen, wie die Spieler die von ihm vorgegebene Passübung ausführen. Widerworte gibt es keine. Es ist eindeutig, wer das Sagen auf dem Eis hat – der Trainer.

Man müsse sich das so vorstellen wie in einem Kindergarten, meint der auf der Tribüne sitzende Löwen-Manager Michael Bresagk. Auch da würden Kinder versuchen, ihre Grenzen in vielerlei Hinsicht auszutesten. Doch die Erzieher sind dafür da, sie ihnen konsequent aufzuzeigen. Und Gentges, der neue Trainer am Main, sei genau der richtige Mann, um aus der neu zusammen gestellten Löwen-Truppe ein schlagfertiges Oberliga-Team zu machen. „Er macht klare Vorgaben, verlangt höchste Konzentration und bricht sofort ab, wenn er merkt, dass jemand unkonzentriert ist. Das ist sein Stil“, umschreibt Bresagk den Coach.

Mit ihm haben die Frankfurter einen neuen Weg eingeschlagen, genau den Mann vom EHC Dortmund geholt, der die jungen Spieler – das Durchschnittsalter liegt bei etwa 24 Jahren – formen kann, ihnen Disziplin einhaucht. Auch ein Ergebnis aus der Analyse der zurückliegenden Saison. Das Verpassen der Playoffs und Niederlagen in allen Hessenderbys gegen Kassel und Bad Nauheim mag auch an der fehlenden Einstellung der Spieler gelegen haben.

Daran arbeitet Gentges nun mit großer Akribie. Und das bei nicht ganz optimalen Bedingungen: „Das Eis ist nicht gut, in der Halle ist es einfach zu warm“, sagt Pressesprecher Matthias Scholzem, ergänzt aber: „Die Spieler müssen sich daran gewöhnen.“

Bei den Frankfurter Eishockey-Fans jedenfalls ist die Zuversicht groß. Über 1500 Dauerkarten wurden bereits für die am 28. September mit einem Heimspiel gegen den EHC Neuwied beginnende Saison 2012/13 verkauft.

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