Ein Südhesse möchte 2014 das nicht ausgetragene Endspiel von 1904 nachholen

Fußball-Tradition statt Geldmacherei

Einweihung im strömenden Regen: Am Karlsruher Engländerplatz erinnert nun ein Pilgerstein der Initiative 1903 um den Rodgauer Sebastian Bona (von rechts) und seinen Mitstreiter Holger Böttcher an den Karlsruher FV – Endrundenteilnehmer der ersten Deutschen Fußballmeisterschaft 1903. Stolz darüber sind die KFV-Vorsitzenden Andreas Reifsteck (von links) und Michael Obert. Foto: nh

Rodgau/Karlsruhe – Hamburg-Altona, Leipzig und jetzt Karlsruhe – Schritt für Schritt nimmt die Fußball-Pilgerroute der Initiative 1903 um den Rodgauer Sebastian Bona Gestalt an. Im nächsten Jahr soll Berlin folgen – womöglich mit einem historischen Finale.

Sechs Vereine haben 1903 in der Endrunde um die erste Deutsche Fußballmeisterschaft gestanden: Der spätere Deutsche Meister VfB Leipzig, der Altoner FC, der Karlsruher FV, Britannia Berlin, Viktoria Magdeburg und der DFC Prag. Ein Ereignis, dem Fußballtraditionalist Sebastian Bona mit der von ihm ins Leben gerufenen Initiative 1903 (nachzulesen im Internet unter www.extratipp.com) spendenfinanzierte Denkmäler setzen möchte. Nachdem 2011 der erste Stein in Hamburg-Altona und 2012 der zweite Stein in Leipzig gesetzt wurde, bekam am vergangenen Wochenende Karlsruhe die Ehre.

Bei den Feierlichkeiten in Karlsruhe stellte Bona nicht nur die schöne Seite der Fußball-Historie vor – der KFV wurde 1910 Deutscher Meister und stellte bei den ersten Länderspielen fast den gesamten Kader der Nationalmannschaft –, sondern beleuchtete auch die Schattenseiten. „Da neben Vereinsgründer Walther Bensemann auch die mehrfachen und erfolgreichen Nationalspieler Gottfried Fuchs und Julius Hirsch jüdischer Abstammung waren, musste sich der Verein vieler Repressionen erwehren“, referierte der 29-Jährige. Während Bensemann und Fuchs ins Exil flohen, wurde Hirsch in Auschwitz ermordet.

Für 2014 plant Bona einen großen Coup. Er möchte, 90 Jahre später, das nach einer rechtlichen Auseinandersetzung nie ausgetragene Finale von 1904 zwischen Britannia Berlin (heute Sportfreunde Berlin) und VfB Leipzig (heute Lok Leipzig) nachholen. Und bei dieser Gelegenheit den vierten Pilgerstein in der Hauptstadt einweihen.

Es ist allerdings auch eine Kostenfrage: „In Zeiten ‘modernen’ Fußballs besinnen sich nur die wenigstens auf die ursprünglichen gesellschaftlichen und traditionellen Werte des Fußballs“, sagt Bona. Aufgeben werden er und seine Mitstreiter aber nicht: „Wir haben uns ein Ziel gesetzt.“

Mehr Informationen zur Initiative: www.initiative1903.de.

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