Mit Mut gegen den Heimkomplex

Eintracht muss gegen den VfB das Spiel machen

Wird Trainer Niko Kovac (rechts) seinen Leader Kevin-Prince Boateng gegen den VfB Stuttgart als Sechser aufstellen? Er könnte mit seinen Pässen das Angriffsspiel beleben.
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Wird Trainer Niko Kovac (rechts) seinen Leader Kevin-Prince Boateng gegen den VfB Stuttgart als Sechser aufstellen? Er könnte mit seinen Pässen das Angriffsspiel beleben.
  • Dirk Beutel
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Frankfurt – Der Druck auf Eintracht Frankfurt, endlich den ersten Heimsieg zu holen, wächst. Dass jetzt mit dem VfB Stuttgart eine ebenfalls defensiv ausgerichtete Mannschaft in die Commerzbank-Arena kommt, macht die Sache nicht leichter. Von Dirk Beutel

Es ist Zeit. Allerhöchste Zeit für Eintracht Frankfurt, den ersten Heimsieg der Saison klar zu machen. Mittlerweile rumort es im Umfeld der Adler. Neben Ex-Eintrachtler Thomas Berthold hat auch SGE-Legende Charly Körbel in dieser Woche zu verstehen gegeben, dass man gegen den VfB gewinnen müsse. „Egal wie. Sonst wird der Druck hier noch größer.“ Doch am Samstag gegen Aufsteiger VfB Stuttgart (15.30 Uhr) wird das alles andere als einfach. Zwar sind die Schwaben bislang ohne einen Auswärtspunkt, dennoch haben sie mit sieben Punkten aus sechs Spielen einen durchaus guten Saisonstart hinter sich und sind immerhin punktgleich mit der Eintracht. Dazu kommt, dass der VfB fast schon traditionell Punkte aus der Commerzbank-Arena entführt. Fünf der vergangenen sechs Gastspiele konnte der VfB für sich entscheiden. Diesmal darf man jedoch ein Duell auf Augenhöhe erwarten. Letztlich auch deswegen, weil die Offensive bei beiden Teams nicht in Schwung kommt und beide durch ihre kompakte Defensivarbeit von sich reden machen.

Deshalb ist heute davon auszugehen, dass Niko Kovac erneut eine Fünferkette aufs Feld schicken wird und dabei auf Abraham, Chandler und Falette in der Innenverteidigung setzen wird. Weil Gelson Fernandes als Sechser wegen einer Muskelverletzung nun wohl einige Zeit ausfallen wird, könnte Hasebe und sogar Kevin-Prince Boateng auf die Position als Doppel-Sechs rücken. Nach der desaströsen ersten Halbzeit gegen Leipzig muss Kovac reagieren, obgleich er vor der heutigen Partie bereits um Geduld gebeten hatte für seine neue Mannschaft, die noch Zeit brauche. Tatsächlich ist die Eintracht noch keine Einheit von der man weiß, was sie wirklich kann. Ohne Zweifel haben sie Punkte gegen Freiburg und Wolfsburg unnötig liegengelassen. Gegen Leipzig und auch Augsburg war man hingegen spielerisch unterlegen.

Bei den Toren hapert es gewaltig

Was die SGE definitiv braucht um drei Punkte zu Hause zu behalten, sind Tore. Und da hapert es gewaltig. Stürmer Sebastien Haller traf bislang nur einmal. Per Elfmeter. Im Offensiv-Aufbau wurde der Franzose ansonsten über weite Bälle und Flankenschüsse versucht zu bedienen. Doch er, wie auch Boateng waren nicht in der Lage die Bälle zu halten, geschweige sie in Chancen zu verwandeln. Daher könnte Kovac auf den unbekümmert aufspielenden Luka Jovic von Beginn setzen. Auch eine Doppelspitze mit Haller wäre möglich. Denn: Es ist dazu auszugehen, dass der VfB sich defensiv orientiert, wodurch die Eintracht gezwungen wäre, das Spiel anzutreiben. Aus dieser Aufgabe heraus könnte sich Boateng als neuer Secher mit einer offensiveren Ausrichtung als Fernandes bewähren und für Schwung im Mittelfeld sorgen, während Hasebe für die defensivere Abteilung zuständig wäre.

Aber: Mit ein Grund für das stockende Angriffsspiel war die fehlende Verbindung im Umschaltspiel zwischen Mittelfeld und Sturm. Haller war meist abgeschnitten und auf sich alleine gestellt. Hier muss man ansetzen. Kovac muss seine Mannschaft, vor allem nach der Niederlage in Leipzig, wieder mental eichen. Schließlich konnte man trotz der mageren Torausbeute eines mit Sicherheit sagen: Dass die Eintracht mit ihrer robusten Spielweise dagegen hält, Zweikämpfe sucht und sich laufstark präsentiert. Diese Spielweise müssen sich Adler heute wieder zu eigen machen.

Bei Eintracht Frankfurt wachsen auch die Sorgen um die Zukunft von Kapitän Alexander Meier. Der 34-Jährige muss sich einer erneuten Operation am rechten Fuß unterziehen.

Das waren die SGE-Tops der letzten zehn Jahre

Frankfurt erreicht 2:2 beim FC Porto in Europa League
Sebastian Jung (2009) Das Frankfurter Eigengewächs aus Königstein entwickelte sich zu einem der besten Rechtsverteidiger der Bundesliga. War 2014 der erste SGE-Spieler seit langer Zeit, der auch wieder den Bundesadler auf dem Trikot trug. © dpa
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Pirmin Schwegler (2009) War fünf Jahre lang bei der Eintracht eine echte Identifikationsfigur. Als Taktgeber im Mittelfeld brillierte er mit klugen Pässen in die Spitze. Aber sorgte auch mit seiner besonnenen Art für die nötige Spielberuhigung. © dpa
Sebastian Rode
Sebastian Rode (2010) Der Ex-Offenbacher war für die Position des „Sechser“ prädestiniert. Vier Jahre lang war er fast durchweg Leistungsträger bei der SGE. Klopfte immer wieder an die Tür der Nationalmannschaft. © dpa
Eintracht Frankfurt - SV Werder Bremen
Stefan Aigner (2012) Der Stern des Flügelflitzers leuchtete vor allem in der Hinrunde nach dem Wiederaufstieg auf. Mit seiner schnörkellosen, offensiven Spielweise und neun Treffern schoss er die SGE sensationell in die Europa-League. © dpa
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Kevin Trapp
Kevin Trapp (2012) Als er es schaffte, den „ewigen Oka“ aus dem Tor dauerhaft zu verdrängen, war klar: Das wird ein ganz Großer. Und das wurde er. Spielt jetzt beim europäischen Spitzenklub Paris Saint Germain und ist Nationalspieler. © dpa
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Lukas Hradecky (2015) Groß war die Befürchtung, dass Trapp nicht ersetzt werden kann. Der Finne machte diese Angst schnell zunichte, rettete der SGE viele Punkte. Und hatte nach drei Elferschießen wesentlichen Anteil am Pokalfinal-Einzug. © dpa
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Jesús Vallejo (2016) Unfassbar, wie abgezockt die 19-jährige Real-Leihgabe in der Bundesliga gespielt hat. Ohne ihn hätte die SGE niemals so viele Punkte in der vergangenen Hinrundensaison geholt und wäre wohl abgestiegen. © dpa

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