Frankfurter EM-Medaillen-Gewinner geht neuen Weg

Ringer Saba Bolaghi startet in den Mixed Martial Arts

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Kräftig zupacken wie hier, vermehrt aber auch treten und boxen wird der Frankfurter Ringer Saba Bolaghi (rot) künftig bei den Mixed Martial Arts.

Der Frankfurter EM-Medaillen-Gewinner Saba Bolaghi zieht der Traditions-Sportart Ringen künftig die lukrativeren Mixed Martial Arts vor. Von Jens Dörr

Frankfurt – Spaß: Das ist wohl das Letzte, was einem in den Sinn kommt, wenn man bei den Mixed Martial Arts (MMA) zuschaut. Die teils brutalen Kämpfe der MMA, einer Kombination aus Ringen, Boxen und Kickboxen, sind zwar nicht regellos, enden oft aber mit mehr als einer blutigen Nase. Saba Bolaghi macht die umstrittene Kampf-Sportart nach eigener Aussage aber „Spaß“ – und führt dazu, dass der ambitionierte Frankfurter Ringer die Seiten wechselt.

Bronze-Medaille bei der Heim-EM

Vor zwei Jahren holte der Deutsche mit iranischen Wurzeln im Freistil-Leichtgewicht (Klasse bis 66 Kilogramm) Bronze für die Bundesrepublik bei der Heim-EM in Dortmund. Ein seltenes Erfolgserlebnis für das international eher zweitklassige deutsche Ringen. Meist dominieren Russen und Osteuropäer, auch Türken, Iraner, Amerikaner und Kubaner die Matten-Sportart. Bolaghi, der in der Ersten Ringer-Bundesliga für die RWG Mömbris/Königshofen in der Nähe von Aschaffenburg meist in der schwereren 74-Kilogramm-Klasse ringt und auch dort selten verliert, winkte nicht nur wegen der Medaille, sondern auch wegen seiner erst 24 Jahren eine sportlich attraktive Zukunft. Wirtschaftlich und in Sachen öffentliche Wahrnehmung allerdings ist er als einer von Deutschlands besten Ringern enttäuscht: Aus diesen Gründen wechselt Bolaghi 2014 zu den MMA.

Ringen bleibt olympisch

Vor wenigen Wochen erst gewannen die Ringer ihren Kampf gegen das Olympia-Aus, bleiben im Programm. Für Rio 2016 wäre das so und so noch der Fall gewesen – jene Veranstaltung, auf die auch Student Bolaghi bis vor Kurzem noch hinarbeitete. Die „finanziellen Rahmenbedingungen“ ließen es im deutschen Ringen derweil kaum zu, sich so auf den Sport zu konzentrieren, um in der Weltelite mitzumischen.

Zwar lassen sich in der Bundesliga gerade bei Spitzenteams wie Mömbris/Königshofen, dem amtierenden deutschen Meister Mainz, in Weingarten, Köllerbach und Nendingen erkleckliche Beträge verdienen, werden meist osteuropäische Athleten auch für sechs Minuten Kampfzeit eigens am Wochenende eingeflogen. Vom Ringen leben kann man in Deutschland aber auch als Spitzensportler kaum.

Bei den MMA sei das anders, sagt Bolaghi. Gerade durch die höhere TV-Präsenz sei mehr Geld als im Ringen zu verdienen. Nachdem sich die Medien kurzzeitig aufs Ringen gestürzt und mit der Sportart solidarisiert hatten, verschwand die Sportart wieder in der medialen Versenkung. Trotz spektakulären Überwürfen, heißer Atmosphäre in der Bundesliga und faszinierenden Sportlern.

Keine Zukunft mehr im Nationalteam

Gegenüber Medien sagte Saba Bolaghi jüngst: „Ich habe keine Hoffnung auf Besserung fürs Ringen in Deutschland.“ Der Bundesliga, wo er aufgrund seines Könnens noch Punktesammler bleiben dürfte, will der Frankfurter treu bleiben. Im Fokus stehen künftig aber die MMA. Im Nationalteam, so verlautete es bereits seitens des Deutschen Ringer-Bunds, wird eines der größten Asse der Bundesrepublik wohl keine Zukunft mehr haben – und damit werden die Medaillen-Chancen für Rio, aber auch die nächsten Europa- und Weltmeisterschaften ein Stück weit kleiner.

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