Jan Hojer klettert aufs Treppchen

Frankfurter holt Bronze bei Boulder-Weltmeisterschaft

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Geschafft: Jan Hojer ist wieder einmal an der Spitze angelangt. Der Frankfurter wurde WM-Dritter im Bouldern.

Frankfurt – Bouldern – so nennt sich das Klettern ohne Absicherung in der Natur oder an künstlich angelegten Kletterwänden. Ein Frankfurter zeigt, wie es weltmeisterlich geht. Von Jens Dörr

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Zu den Stars der Boulder-Szene in Deutschland gehört Jan Hojer vom Deutschen Alpenverein (DAV) Frankfurt. Er nahm an den Weltmeisterschaften im Münchner Olympiastadion teil. Und er machte es spannend bis zum Schluss: Auf der letzten Route des Finales hatte der 22-Jährige keine Antwort mehr in den Armen und Beinen, erreichte sensationell aber WM-Bronze. 200 Frauen und Männer kämpften am vergangenen Wochenende in Bayerns Kapitale ums Edelmetall. Hojer meisterte die Qualifikationsrunden locker und zog ins Halbfinale der besten 20 Kletterer ein. Dort wurden die an die Wand geschraubten Routen, die es zu bewältigen galt, nochmals kniffliger. Der Frankfurter setzte sich dennoch an die Spitze, überlistete scheinbar sogar die Schwerkraft und meisterte die Strecken, deren Griffzahl bei Boulder-Wettkämpfen auf maximal zwölf festgelegt ist.

Im Finale wurde es dramatisch

Im dramatischen Finale musste Hojer auf vier Routen bis zur Spitze des Kunstfelsens gelangen, meisterte die ersten beiden Strecken auf Anhieb. Die dritte Route schaffte er in letzter Sekunde, scheiterte dann aber an der letzten. So zogen der Tscheche Adam Ondra und der Slowene Jernej Kruder auf der Zielgeraden noch an dem Frankfurter vorbei. Zusammen mit dem Titel für Juliane Wurm (DAV Wuppertal) feierten die rund 5000 Fans Hojer und das überragende Resultat beim Heimspiel für die deutsche Boulderszene trotzdem. Von ungefähr kommt der Triumph des durchtrainierten Amateurs, der nicht allein vom Klettern leben kann, indes nicht. Schon 2008, damals war Hojer 16, verblüffte er bei seiner Premiere bei den Deutschen Männermeisterschaften, strich auf Anhieb den Titel ein. Inzwischen stehen für den Frankfurter etliche Topplatzierungen auch im Weltcup zu Buche. Und das trotz überschaubarem Trainingspensum: „Viele glauben mir nicht, dass ich nur zehn Stunden pro Woche trainiere.“ Die drei bis fünf Einheiten pro Woche seien im Vergleich zur Konkurrenz wenig.

Mehr Kraft bringt bessere Leistungen

Den nochmaligen Leistungsschub der vergangenen Jahre führt Hojer besonders auf die Entwicklung seiner Muskeln zurück: „Ich glaube, ich bin besser geworden, weil ich mehr Kraft habe und nicht, weil ich ein besserer Kletterer geworden bin.“ Die Leistung bei der WM hat ihm auf alle Fälle einen Eintrag in die Geschichtsbücher beschert: Die WM in München waren die ersten weltweiten reinen Boulder-Titelkämpfe überhaupt. Bislang waren die Medaillen im Rahmen von Weltmeisterschaften anderer Disziplinen des Sportkletterns vergeben worden.

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