„Ich bin kein Laufjunkie“

Der Ultra-Marathon-Weltmeister kommt aus Sulzbach

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Florian Reus aus Sulzbach ist Ultra-Marathon-Weltmeister.

Sulzbach – Die Zahlen sind schwindelerregend: Weltmeister-Titel nach 263,9 Kilometern, Deutscher Meister nach 255,5 Kilometern. Florian Reus aus Sulzbach läuft viel. Das muss er auch als Ultra-Marathon-Läufer. Von Oliver Haas

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Den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere feierte Florian Reus 2015 in Turin. Im 24-Stunden-lauf setzte er sich mit 263,9 Kilometern durch, nachdem er in den vergangenen Jahren immer knapp den Titel verpasste. In Deutschland ist er sowieso als vierfacher Deutscher Meister Rekordchampion.Was ihn für diesen Extremsport antreibt? „Ich will große Ziele erreichen und alles tun, um am Tag X bestens vorbereitet an der Startlinie zu stehen und alles in Waagschale werfen. Dafür arbeite ich tagtäglich“, sagt der 32-jährige Sportstudent.

Etwa fünf bis sechs mal in der Woche bedeutet dies morgens gegen neun Uhr einen Lauf von zirka 18 Kilometern. Nachmittags um vier folgt die zweite Einheit mit gut zwölf Kilometern. Das ist das für ihn normale Laufpensum. Etwa acht Wochen vor einem Wettkampf werden allerdings noch mehr Kilometer gerissen. „Da baue ich zwei längere Einheiten ein. freitags 50 bis 60 Kilometer und sonntags 35 Kilometer.“ Der sonntägliche Lauf ist dann aber etwas schneller mit gut 4,40 Minuten pro Kilometer – im Läuferjargon auch Pace genannt.

Wenn der Schweinehund kommt, Ruhe bewahren

Auch als Ultramarathon-Läufer komme er manchmal in die Situation, in der der Schweinehund ihm den Knüppel zwischen die Beine schlägt und es eigentlich nicht mehr geht. So geschehen auch bei seinem WM-Triumph in Turin. „Ich hatte schon nach neun Stunden ein großes Tief in Form vom heftigen muskulären Problemen. Da kann natürlich schnell eine Abwärtsspirale einsetzen nach dem Motto: Wenn ich jetzt schon Schwierigkeiten habe, wie soll dass dann erst nach zwölf, 15 oder 18 Stunden sein?“ Das Wichtigste sei es, in diesen Momenten Ruhe zu bewahren, und sich an ähnliche Situationen zu erinnern. „Ich weiß, dass sich das Blatt dann bald wieder dreht. Und so war es in Turin ja auch.“ Lange Zeit lag er an vierter Stelle, aber er wusste immer: „Jeder muss irgendwann Tribut zollen und dann muss man seine Chance nutzen.

Nur der Club kommt ihm aufs Ohr

Musik hört er übrigens beim langen Lauftraining keine, denn das störe nur die Konzentration. Einzige Ausnahme: Wenn der „Club“ ruft. „Dennwenn der 1.FC Nürnberg spielt, dann laufe ich schon mit Kopfhörern“, lacht der gebürtige Würzburger. Familie und Freundin seien alle begeistert über seinen Sport und würden ihn unterstützen. „Die wissen halt auch, wie ich ticke.“ Außerhalb des familiären Umfeldes würde er allerdings oft in die Ecke „Laufjunkie“ gestellt und die Rede sei von „Laufsucht“. Das sei ihm unangenehm und er sieht sich auch nicht in dieser Ecke. „Mir ist doch klar, dass ich das nicht ein Leben lang mache. Ich will einfach jetzt sehen, was ich erreichen kann und dann ist irgendwann gut.“ Leistungssport sei nie gesund, auch nicht Schwimmen oder Kraftsport. „Aber es ist ein bisschen schade, dass dies bei Sportarten, wie dem Ultra-Marathon, immer etwa anders bewertet wird“, so Reus.

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