Sönke Kern will 2018 Deutscher Meister und Europapokal-Sieger werden

Faustball-Teenie aus Dieburg unter Nationalspielern

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Region Rhein-Main – Sönke Kern ist die große Nachwuchshoffnung im Faustball. Trotz seines Wechsels zum Bundesliga-Primus Pfungstadt trainiert er weiter in Dieburg und peilt nun die großen Titel an. Von Jens Dörr 

Vor Kurzem wurde er gerade 16 Jahre alt. Doch auf dem Faustball-Feld mischt Sönke Kern schon unter den besten Männern der Nation mit. Seit einigen Monaten spielt der Dieburger für den TSV Pfungstadt, der FC Bayern München des Faustballs, zigfacher Deutscher Meister und gerade in diesem Jahr wieder Europapokal-Sieger auf dem Feld geworden. Inmitten etlicher Nationalspieler trainiert er hart für seine sportliche Entwicklung. Nationalmannschaft nicht ausgeschlossen. „Ich bin einer von acht Spielern im Bundesliga-Kader“, berichtet Kern. „Fünf der sieben anderen sind Nationalspieler.“ Er selbst nahm bereits an Nationalkader-Lehrgängen der U14 und U15 teil, faustet bei den Männern nun aber auf einem nochmals deutlich höheren Niveau. Wobei es der Begriff „Fausten“ im Faustball seltener trifft, als man gemeinhin annehmen dürfte.

Denn wirklich mit der geballten Faust geschlagen wird der 350 Gramm schwere Ball, der in Umfang und Härte einem Fußball ähnelt, nur bei Angriffsaktionen. Angriffsschläge markieren den Abschluss der meist drei Ballberührungen dauernden Kombinationen einer Mannschaft, vor denen das Spielgerät jeweils einmal in der eigenen Spielfeld-Hälfte aufprallen darf. Doch Kern ist Abwehrspieler. Er wehrt zunächst die übers Netz geflogenen Angriffsschläge des Gegners in der eigenen Hälfte ab, befördert den Ball damit in die eigenen Reihen, in denen dann der Gegenangriff kreiert wird. Und spielt den Ball dabei mitnichten mit der Faust: Stattdessen nimmt Kern zur Annahme des Balls die Innenseite des ausgestreckten Unterarms. Mit ihr wird auch das Zuspiel vor dem Angriffsschlag, der als einziger mit der Faust ausgeführt wird, vorgenommen. Entsprechend ist nichts Außergewöhnliches zu sehen, als der Dieburger während des Interviews seine Hände zeigt. Keine Schwielen, krumme Finger oder Hornhaut-Panzer, sondern die ganz normalen Hände eines Schülers, der schon mit 15 in die 1. Liga wechselte.

Vor gut sechs Jahren fand der Jugendliche seinen Weg zum Faustball über seinen älteren Bruder Niklas. Während der sich aber zum Fußball-Torwart entwickelte, parierte Sönke irgendwann nur noch auf dem Faustball-Feld. „Das hat mir mehr Spaß gemacht“, gibt er unumwunden zu. „Faustball ist ein schneller Sport und sehr dynamisch, manchmal wird auch viel taktiert. Man braucht zudem nicht ganz so viel Kondition“, fügt er lächelnd hinzu. Er kämpfte sich zunächst beim Dieburger Turnverein über die zweite Mannschaft in die erste, in der er schon als 13-Jähriger auflief.

Vergangenes Jahr scheiterte Kern mit den Dieburgern in der Feldsaison am Aufstieg in die zweite Bundesliga. Und stieg durch einen Wechsel nach Pfungstadt dann doch gleich zwei Klassen ins Oberhaus auf. Matthias Klenk, Abteilungsleiter der Dieburger Faustballer, sah Kerns Talent und brachte ihn nach Pfungstadt ins Training. Dort sah TSV-Coach Dieter Thomas ein ähnlich großes Potenzial des reaktionsstarken, trainingsfleißigen Dieburgers. „Er hat mir einen Platz im Bundesliga-Kader angeboten“, erzählt Kern stolz.

Seither trainiert er zweimal wöchentlich in Pfungstadt und ein weiteres Mal in Dieburg. „Die Dieburger haben meinen Wechsel akzeptiert und mir Glück gewünscht“, sagt Kern, der weiß, dass er seinen einstigen Förderer beim Turnverein, Stefan und Pia Seehausen einiges zu verdanken hat. Erste Einsätze für Pfungstadt, „meist gegen die schwächeren Gegner“, hat er bereits erhalten. Weitere sind im Acht-Mann-Kader programmiert, besteht ein Team doch sowohl im Feld als auch in der Halle aus fünf Spielern. In der Bundesliga ist Sönke Kern ein wenig auch eine Attraktion, weil das Küken: „Dort spielst du höchstens mal gegen einen 17-Jährigen.“ 15- oder 16-Jährige sind indes die Ausnahme. Was im Falle des Dieburger Talents nicht von großen Zielen mit der Mannschaft schützt: „2018 will ich mit Pfungstadt Deutscher Meister werden und den Sieg im Europapokal holen.“

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