Fan-Randale: Verkommt der Fußball bald zur Nebensache?

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Dresdener Fan-Randale aus der DFB-Pokal-Partie gegen Borussia Dortmund.

Region Rhein-Main – Prügelknaben und Krawallmacher haben auch in dieser Fußball-Saison ihr Unwesen getrieben. Ob im oder außerhalb des Stadions, am Ende werden die jeweiligen Vereine zur Rechenschaft gezogen. Der EXTRA TIPP stellt einige der krassesten Urteile aus den drei Profi-Ligen zusammen. Von Dirk Beutel

Schon wieder Krawalle bei einem Fußballspiel: Obwohl die Fans von Dynamo Dresden vom Spiel gegen Eintracht Frankfurt am Freitag vor einer Woche ausgeschlossen waren, gelangten etwa 400 Dynamo-Anhänger unerkannt ins Stadion. Diese wurden von Problemfans der Eintracht auf dem Rückweg vom Stadion zum Hauptbahnhof attackiert. Die Polizei musste Schlagstöcke einsetzen, um die verfeindeten Gruppen zu trennen. Drei Beamte wurden verletzt, 14 Frankfurter Hooligans festgenommen.

Sowohl die Eintracht als auch Dynamo bekommen die Chaoten in den eigenen Fanreihen nicht in den Griff: Noch gut im Gedächtnis sind die Ausschreitungen in den Fanreihen von Dynamo Dresden vom 25. Oktober. Im DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund waren die Randale so massiv, dass die Partie kurz vor dem Abbruch stand. Es kam zu Gewalt gegen Polizisten, mehrere Menschen wurden verletzt. Das Sportgericht des Deutschen Fußball Bundes (DFB) entschied zunächst Dynamo vom DFB-Pokal für die Saison 2012/2013 zu sperren, änderte aber sein Urteil. Stattdessen musste der Verein zu Hause vor leeren Rängen gegen den FC Ingolstadt antreten. Das gleiche Urteil muss die Frankfurter Eintracht erst noch aussitzen. Anhänger der SGE warfen vor Beginn des Spiels gegen Fortuna Düsseldorf, am 13. Februar, vermehrt Rauchbomben und Feuerwerkskörper auf das Spielfeld. Der Anpfiff verzögerte sich um fünf Minuten. Die Folge: Eintracht Frankfurt fährt ohne seine Fans zur Zweitliga-Partie am Montag, 26. März, gegen den 1. FC Union Berlin.

Fliegende Bierbecher

Was Geldstrafen anbelangt, steht der 1. FC Nürnberg unangefochten an der Spitze. Einige Minuten nach Abpfiff des DFB-Pokal-Spiels zwischen dem Club und der SpVgg. Greuther Fürth, am 20. Dezember, waren etwa 150 Nürnberg-Fans in den Innenraum eingedrungen und Richtung des Gästefanblocks gestürmt. FC-Anhänger überkletterten die Innenraumumfriedung, teilweise wurden von ihnen Stadiontore geöffnet. Die Polizei drängte die Anhänger zwar in ihren Block zurück, dennoch musste der Verein dafür tief in die Tasche greifen: Nürnberg wurde zu einer Geldstrafe von 100.000 Euro verdonnert.

Auch Hannover 96 (7500 Euro), Eintracht Braunschweig (8000 Euro), Hertha BSC Berlin (7000) und Erzgebirge Aue (7000) wurden wegen gezündeter Pyrotechnik, Rauchbomben oder Bengalos in dieser Saison bestraft.

Unvergessen die Bierbecherwerfer von St. Pauli: Während im April Schiedsrichter Thorsten Schiffner in der Bundesliga-Partie zwischen St. Pauli und Schalke 04 von einem vollen Bierbecher am Kopf getroffen wurde und daraufhin zusammenbrach, konnte sein Kollege Christian Leicher den auf ihn zufliegenden Becher im Zweitliga-Spiel gegen Erzgebirge Aue noch rechtzeitig abwehren. Trotzdem hatte die Attacke aus dem September vergangenen Jahres Folgen: Der Verein musste 8000 Euro zahlen.

Fan-Bus attackiert

Unsportlichkeit auch bei Fans von Kickers Offenbach: Der Verein wurde ebenfalls zu einer Geldstrafe von 8000 Euro verurteilt, weil am 28. Januar gegen den Chemnizer FC der Linienrichter mit Feuerzeugen und anderen Gegenständen beworfen wurde. Das Spiel wurde für zehn Minuten unterbrochen.

Der wohl traurige Höhepunkt der bisherigen Fußball-Saison: Vergangene Woche versuchten Rostock-Fans einige Anhänger von Eintracht Frankfurt auf dem Weg nach Hause von der Autobahn zu drängen. Ein ähnlicher Fall passierte erst die Woche zuvor, als Kölner Chaoten einen Gladbach-Fan-Bus attackierten. Drängen Prügelknaben und Krawallmacher damit auch den Fußball an den Rand?

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