Die Rechnung mit der Eiswüste bleibt offen

Extremsportler Jörn Theissig bricht Yukon Arctic Ultra Marathon ab

+
Jörn Theissig musste am Ende des siebten Tages den Yukon Arctic Ultra Marathon abbrechen. Sein Ziel, Spenden für die Psychoonkologie zu sammeln, hat er aber erreicht.

Region Rhein-Main - Jörn Theissig hat es nicht ins Ziel des fast 700 Kilometer langen Yukon Arctic Ultra Marathon geschafft. Trotzdem hatte der Frankfurter Extremsportler großen Erfolg mit seinem Abenteuer: Er sammelte 70.000 Euro für Krebskranke. Von Dirk Beutel

Lesen Sie außerdem:

Frankfurter beim härtesten Ultra Marathon der Welt

Am Anfang war die Enttäuschung riesig, mittlerweile hat Jörn Theissig seinen Frieden gemacht. Damit, dass der Abenteurer es nicht ins Ziel des Yukon Arctic Ultra Marathon  in Kanada geschafft hat. Am Ende des siebten Tages, nach 520 gelaufenen Kilometern bei Temperaturen zwischen -50 und -20 Grad, bemerkte der 43-jährige Kriminaloberrat Schwellungen an beiden Beinen.
Die Schmerzen wurden so groß, dass er aufgeben musste. „Ich hatte mir ein gewisses Schmerzlevel gesetzt, das ich ertragen kann. Aber irgendwann hat es sich angefühlt, als ob jemand mit einem Messer meine Beine schneidet“, sagt Theissig. Das hügelige Packeis, durch das sich der Frankfurter gekämpft hat, beanspruchte die Beine dermaßen, dass er nicht mehr weiter konnte: „Wenn ich weitergemacht und es blöd gelaufen wäre, hätte ich meine Füße verlieren können.“ Vier Stunden nachdem er die Rennleitung informiert hatte, wird er von einem Schneemobil eingesammelt und in die Zivilisation gebracht. Die Diagnose: Schienbeinkantensyndrom.

Schon nach drei Tagen brechen 34 Teilnehmer ab

Bis dahin lief es für den arktischen Einzelgänger wie am Schnürchen. Start des 692 Kilometer langen Laufs war am 8. Februar. Schon nach drei Tagen brechen 34 von 81 Teilnehmer wegen Erfrierungen und Frostbeulen ab. Theissig fühlt sich zu diesem Zeitpunkt gut. „Man muss die Spielregeln der Natur akzeptieren und sich einstellen.“ Nicht die Reizarmut, die körperliche Anstrengung oder Müdigkeit – das größte Problem für den Frankfurter sind trockene Klamotten. Theissig weiß: Ist seine nassgeschwitzte Kleidung erstmal mit einem Eispanzer überzogen, hat er verloren. Der dritte Tag wird aber seiner: 60 Kilometer läuft er in gut zehn Stunden, am vierten Tag schafft er 70 Kilometer in 17 Stunden. Nicht sein Abbruch oder die Schmerzen, haben sich in seinen Kopf gebrannt, sondern die Naturerlebnisse: „Es war ein einmaliger Frieden, eine Zuckerlandschaft, die so schön war, dass sie fast künstlich aussah. Dazu habe ich Polarlichter gesehen, von einer Intensität und Farbenpracht wie nie zuvor.“ Auch wenn er das Ende des Laufes nicht erreicht hat, konnte Theissig ein anderes wichtiges Ziel meistern: Mindestens 43.000 Euro wollte er für die psychoonkologische Betreuung von Krebspatienten am Uniklinikum Frankfurt gemeinsam mit dem Verein Projekt Schmetterling sammeln, am Ende wurden es 70.000 Euro. Ein voller Erfolg. Ob der Sachsenhäuser sich noch einmal der Herausforderung und den ganzen Strapazen aussetzen will, weiß er noch nicht: „Da ist immer noch eine Rechnung offen, mal sehen. Spätestens 2017 werde ich wieder ein arktisches Projekt angehen.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare