Extremkletterer Stefan Glowacz im Interview

Das Spiel mit der Schwerkraft

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Stefan Glowacz bei einer Erstbegehung einer Wand in der Verdonschlucht in Südfrankreich.

Frankfurt – Stefan Glowacz ist ein moderner Abenteurer. Der 47-jährige Extrem-Kletterer aus Garmisch-Partenkirchen sucht immer wieder neue Herausforderungen. Über die Abenteuerlust, das Risiko und das Scheitern spricht er am Sonntag, 20. Januar, um 20 Uhr an der Uni Frankfurt. Von Norman Körtge

Mit freiem Oberkörper in einer Felswand hängen – ist das einfach nur Posen für die spektakulären Fotos?

Nein, überhaupt nicht. Wenn das Wetter gut ist, die Sonne scheint und warmer Wind weht, dann passt das einfach. Das ist wie bei einem Surfer am Meer. Es gibt einem mehr das Gefühl von Leichtigkeit.

Was ist das für ein Gefühl, wenn Sie sich in 100 Metern Höhe in einer Felswand befinden?

Ich mache das ja schon sehr lange. Da kommt man nicht von heute auf morgen hin. Es gehört viel Training, Erfahrung und Vertrauen in die Sicherungstechnik dazu. Die ist aber immer nur so gut, wie der, der sie anwendet. Hinzu kommt die Risikoabschätzung. Irgendwann ist es tägliche Realität. Und dann ist es ein Spiel mit der Schwerkraft. Der nächste Griff, der nächste Schritt – alles passiert wie im Flow, im Fluss. Vielleicht vergleichbar mit einer Abfolge im Kunstturnen. Es ist eine Konzentration, wie man sie vielleicht sonst nur durch Meditation bekommt.

Ihre Vortragsreihe trägt den Titel „Abenteurer des 21. Jahrhunderts“. Was heißt Abenteuer heute?

Abenteuer ist relativ. Ich benutze zum Beispiel, um zu den Bergen oder Felswänden abseits der Zivilisation zu kommen, keine ‘künstlichen Hilfsmittel’. Ich möchte nicht mit einem Helikopter irgendwo abgesetzt werden. Ich fahre zum Beispiel mit einem Kajak, um ein abgelegenes Ziel in einem Fjord zu erreichen, wo ich klettern möchte. Ein Abenteuer kann aber auch direkt vor der Haustür beginnen. Ich möchte nicht bestimmen, was ein Abenteuer ist. Aber ich möchte inspirieren.

Was erwartet die Zuschauer und Zuhörer im Hörsaal der Frankfurter Uni?

Es geht um meinen Werdegang, ums Klettern in all seinen Variationen und die Suche nach Plätzen für Erstbegehungen. Dazu gehören auch exotische Expeditionen wie die nach Brasilien, wo wir den Piedra Riscada, einen 800 Meter hohen Granit-Monolithen, bestiegen.

Erfolge sind das eine. Was ist mit dem Scheitern am Berg?

Das Scheitern und der Umgang damit gehören ebenfalls zum Inhalt meines Vortrages. Ich beschreiben das anhand einer Expedition nach Patagonien. Erst beim dritten Anlauf gelang uns dort eine Erstbegehung.

Was ist Ihr nächstes Abenteuer?

Es ist eine Erstbegehung im Wettersteingebirge. Ich plane sie schon seit längerer Zeit. Aber noch fehlt an einer Stelle eine Seillänge, um dieses Teilstücke überwinden zu können. Daran arbeite ich noch.

Tickets für den Abend im Hörsaalgebäude auf dem Campus Westend in Frankfurt unter www. outdoor-ticket. net.

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