„Wie zwei Stunden Elfmeterschießen“

Ex-Hessenmeister Gordon Shumway erklärt die Faszination Darts

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Lebt seinen Sport: Gordon Shumway beim Dartswurf.

Region Rhein-Main – Vergangenen Sonntag sicherte sich der Schotte Gary Anderson zum zweiten Mal den WM-Titel und wurde bester Darts-Spieler des Erdballs. Jener auch in Deutschland wachsenden Schar, die Darts liebt, stehen noch immer Skeptiker und Verständnislose gegenüber. Von Jens Dörr

Einer, der die Faszination, mit Pfeilen auf eine Scheibe zu werfen, den Ausgangswert von 501 Zählern durch möglichst hohe Punktzahlen schnellstmöglich zu reduzieren und mit einem Treffer in ein Doppelfeld auf null zu bringen, besser erklären kann als jeder andere, ist Gordon Shumway. Der 48-Jährige aus Rodgau, der diesen aus der „Alf“-Serie bekannten Namen seit einigen Jahren tatsächlich im Personalausweis stehen hat, ist Vorsitzender des Vereins Unicorn Hessen in Nieder-Roden, ehemaliger Hessenmeister, Deutschlands Master Caller (Ausrufer der mit drei Pfeilen nacheinander erzielten Gesamtpunktzahl einer Runde) und Autor des Buchs „111 Gründe, Darts zu lieben“.

Gordon Shumway ist seit 30 Jahren Profi

Seit 30 Jahren lebt Shumway seinen Sport. 2007 finanzierte er das deutschlandweit einzigartige „House of Darts“ in Nieder-Roden, das er zusammen mit einigen Mitstreitern des 25 Mitglieder zählenden Unicon Hessen einrichtete. Freunde und Szenegrößen wie Phil Taylor (16-facher Weltmeister) und Raymond van Barnefeld (fünffacher Weltmeister und bester Spieler der Darts-Hochburg Niederlande) empfing er dort.

Prunkstück ist der 3000 Euro teure EM-Pokal von 2008, als die Europameisterschaften in Frankfurt stattfanden. „Ein junger Mann im Rollstuhl ist mit einem Blasrohr gegen den natürlich nicht ganz ernsthaft spielenden Taylor angetreten und hat gewonnen“, erzählt Shumway. Dafür habe Taylor den Pokal versprochen, den er dann tatsächlich gewann und den Nieder-Rödern schenkte.

Für mich sind 30 bis 40 Prozent Talent. Der Rest ist Üben, bis einem schlecht wird“,

Mittlerweile ist Taylor nicht nur in den Hochburgen England, Schottland und Niederlande ein Star, sondern auch in Deutschland ein Begriff geworden. Die Darts-Übertragungen im TV verfolgen Hunderttausende. Was die Menschen am scheinbar einseitigen Darts-Sport fasziniert, weiß Shumway wohl besser als fast jeder andere. „Die Regeln sind so unfassbar einfach und doch ist es so unfassbar schwer“, nennt er einen Hauptgrund: „Jeder, der mit Darts beginnt, wird von seinen ersten Ergebnissen entsetzt sein. Darts ist wie zwei Stunden Elfmeterschießen: Es klingt langweilig und ist doch spannend und ständig anders.“ So erkläre er sich, dass Darts „die weltweit am stärksten wachsende Indoor-Sportart“ sei. „Für mich sind 30 bis 40 Prozent Talent. Der Rest ist Üben, bis einem schlecht wird“, sagt Shumway, was einen erfolgreichen Darts-Spieler ausmache. Wie bei einem Schützen oder Bowler komm es sehr auf die Hand-Auge-Koordination an. „Zudem braucht man fantastische Nerven und die innere Ruhe. Die Konzentration muss man über einen langen Zeitraum aufrecht erhalten können.“

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