Etwas mehr Aktion und Kick, bitte!

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Entgegen aller Vorurteile braucht man beim Australien Football Ballgefühl und Schusskraft.

Frankfurt – Hierzulande ist Australian Football noch immer eine exotische Randsportart. Doch die Frankfurt Redbacks und ihre Ligarivalen setzen viel daran, das harte Spiel mit dem eiförmigen Ball populär zu machen.

Zwischen den Pfosten war es Kevin Hopf irgendwann zu langweilig. Nach 20 Jahren als Fußball-Torwart suchte er eine neue Herausforderung. Etwas mehr Aktion und Kick. Während eines Australien-Aufenthaltes machte es dann Klick. Hopf wechselte das rechteckige mit dem elliptischen Feld und schloss sich den Australian Footballern der Frankfurt Redbacks an. Dort ist er mittlerweile nicht nur Leistungsträger, sondern seit zwei Jahren auch erster Vorsitzender. „Der Sport macht einfach Spaß und es geht ordentlich zur Sache“, sagt Hopf.

Er kennt die gängigen Vorurteile über Australiens Volkssport Nummer eins. Von einer Meute von Spielern, die wild aufeinander rennen und sich um einen eiförmigen Ball prügeln. Um ein guter Spieler zu werden, benötige es aber mehr, als nur draufzuhauen, betont Hopf. Spielverständnis, Ballgefühl und Schusskraft sind gefragt. Beim Australian Football wird der Ball nämlich gekickt oder mit der Faust geschlagen. Werfen ist nicht erlaubt. Ziel des Spiels ist es, durch Schüsse zwischen die vier Torpfosten zu punkten, die am jeweiligen Ende des Feldes stehen.

Ex-Fußballer brauchen eine Eingewöhnungszeit

Als ehemaliger Fußballer kennt Hopf die Eingewöhnungsprobleme der Neulinge. Und die anfänglichen Hemmungen. „Australian Football ist ein Vollkontaktsport, da müssen sich einige erstmal umstellen“, sagt der Redbacks-Vorsitzende. Besonders stolz ist er auf zwei 17-Jährige, die seit dieser Saison für die Frankfurter auflaufen. Trotz körperlicher Nachteile „machen sie ihre Sache sehr gut“, lobt Hopf. Lernen können sie vor allem von den Australiern im Team, die mit dem Sport aufgewachsen sind. Die Erfolgsformel in der Australien Football League Germany (AFLG) ist einfach: Je mehr Australier in der Mannschaft, desto größer die Siegchancen. Die Krux: Selten bleiben die Spieler aus „Down Under“ länger an einem Standort. Entweder wechseln sie ihre Arbeitsstelle, oder es zieht sie zurück in die Heimat. So erging es den Redbacks in den vergangenen Jahren, als sie in der sechsköpfigen Liga stets den letzten Platz belegten.

In dieser Saison verstärken neun Australier den Kader und, siehe da, das Gründungsmitglied der Liga rangiert im Mittelfeld. Zuletzt feierten die Redbacks sogar einen historischen 183:2-Erfolg gegen Berlin. Den Hauptstädtern sind in dieser Spielzeit ebenfalls die Australier ausgegangen. „Das kann weh tun“, zeigt Hopf Mitleid mit dem Konkurrenten, „aber insgesamt ist die Liga diesmal ausgeglichener.“ Ihren vierten Platz – vor Stuttgart und Berlin, hinter den Rheinland Lions, Hamburg und München - wollen die Frankfurter bis zum Saisonende verteidigen. Eine Aufstockung der Liga ist nicht angedacht. Schon jetzt ist das geringe Budget wegen der weiten Auswärtsfahrten ausgeschöpft. Sponsoren gibt es nicht, alles wird aus eigener Tasche bezahlt. zin

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