Ernüchternde Rhein-Main-Bilanz bei Olympia: Nur Heidler feiert

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Der Wurf mit dem das Drama um Betty Heidler begann. Am Ende gab’s ein Happy-End: Die Frankfurterin konnte sich nach einigem Hin und Her über Bronze freuen.

Region Rhein-Main – In Sachen Selbstdarstellung ist Ariane Friedrich noch immer eine Große: Das war sie bei den Pressegesprächen vor den Olympischen Spielen und das war sie bei deren Abschlussfeier. Von Jens Dörr

Auf den Schultern eines Kollegen ließ sie sich im Londoner Stadion freudestrahlend umhertragen. Die Leistung der Frankfurter Hochspringerin? Aus in der Qualifikation. Abgestürzt, ausgeschieden, hinter den Erwartungen zurück –das galt auch für die meisten anderen Olympioniken aus dem Rhein-Main-Gebiet.

Frust schob etwa der Offenbacher Pascal Behrenbruch: Der Zehnkämpfer reiste als amtierender Europameister mit Medaillen-Ambitionen nach London, vermasselte sich aber schon am ersten Tag alle Chancen. Unter anderem im Kugelstoßen blieb er hinter seinen Möglichkeiten zurück, in den Laufdisziplinen zählt er ohnehin nicht zu den Allerbesten. Am zweiten Tag ackerte sich Behrenbruch zwar noch nach vorne, mehr als Platz zehn war aber nicht mehr drin.

Chris Mohr, gebürtiger Dreieicher mit britischer Staatsbürgerschaft, setzte im Handball mit der Nationalmannschaft des Königreichs vergeblich auf Euphorie und Heimvorteil: Selbst gegen die anderen Exoten der Vorrundengruppe wie Argentinien blieb der Sohn einer schottischen Mutter mit seinem Team ohne Chance. Mohr trug sich bei den stets klaren Schlappen zwar in die Torschützenlisten ein, doch nicht einmal annähernd war an einen Punktgewinn und damit einen Achtungserfolg zu denken.

Eine große Enttäuschung waren die Leistungen der deutschen Schwimmer. Der Roßdörfer Yannick Lebherz schied über 400 Meter Lagen und 200 Meter Rücken jeweils im Halbfinale aus. Mit seinen 23 Jahren nahmen ihm das Verantwortliche und Medien zu Recht aber weniger krumm als etablierten Assen wie Britta Steffen und Paul Biedermann. Lebherz’ Zeit könnte in Rio und sogar bei den Spielen 2020 noch kommen.

Christian Reitz (Olympia-Dritter mit der Schnellfeuerpistole 2008), der für den SV Kriftel schießt, war mit einem sechsten und einem siebten Platz zumindest in Reichweite einer Medaille. Gesa Felicitas Krause, die wie Ariane Friedrich für die LG Eintracht Frankfurt startet, erreichte im Endlauf über 3000 Meter Hindernis Platz acht, wobei ihre Zeit weit weg von der jener auf den Medaillen-Rängen war.

Jubel gab es zumindest für zwei Trainer aus dem EXTRA-TIPP-Gebiet: Der Dieburger Karlheinz Steinmetz, der während der Spiele seinen 70. Geburtstag feierte, coachte die chinesische Diskuswerferin Li Janfeng auf Platz drei. Bei näherem Hinsehen war das dennoch eine leise Enttäuschung für das goldverwöhnte Reich der Mitte, da Janfeng amtierende Weltmeisterin ist. Der Ex-Coach von Lars Riedel hatte den Posten des Cheftrainers einige Monate vor London übernommen. Zuvor war er schon als Berater der Chinesen tätig gewesen. Zweimal Bronze sammelten derweil sogar die Schützlinge von Tischtennis-Bundestrainer Jörg Roßkopf aus Münster: Dimitrij Ovtcharov gelang das im Einzelwettbewerb, der deutschen Männerauswahl zudem in der Team-Konkurrenz.

Wirklich Grund zum Feiern hatte nur Betty Heidler. Nach einigem Hin und Her bekam die Frankfurterin die Bronze-Medaille zugesprochen. Ihre Weite von 77,12 Meter tauchte zunächste nicht im Computer auf, vielmehr wurde eine weit geringere Weite angegeben. Dann wurde sie in den Tiefen des Rechners gefunden. Im Anschluss legte die Viertplatzierte, eine Chinesin, Protest ein. Doch Heidler konnte sich auch in diesem Wettkampf abseits des Hammerwurf-Ringes durchsetzen und bekam Bronze.

Noch mehr Grund zum Jubeln hatte Michael Jung. Der Vielseitigkeitsreiter holte gleich zweimal Gold. Der 30-Jährige wurde in Bad Soden geboren, wuchs aber fernab des Taunus auf. Und trotzdem: Wir feierten mit!

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