Dritte Liga

Die Wiederauferstehung von Darmstadt 98

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Ungläubiges Gesicht aufgrund des plötzlichen Erfolgs: Darmstadts Innenverteidiger Aytac Sulu.

Darmstadt 98 entrann erst am Grünen Tisch und dank des OFC dem Absturz in die Regionalliga. Nun verdienen sie in der Dritten Liga Geld, bekommen ein neues Stadion – und stehen als „Spitzenzweiter“ auf einem Aufstiegsplatz. Von Jens Dörr

Darmstadt – Die Geschichte vom sportlichen Abstieg des SV Darmstadt 98 und der ungewollten Schützenhilfe von Erzrivale Kickers Offenbach, der nach der Entscheidung am Grünen Tisch stattdessen in die Regionalliga Südwest abstieg, ist inzwischen oft genug erzählt worden. Größere Beachtung verdient allerdings die Qualität der weiteren Entwicklung bei den „Lilien“: Aus der zweiten Chance haben sie mit Fleiß, Seriosität, etwas Glück und den richtigen Entscheidungen eine Menge gemacht – es ist die geglückte Wiederauferstehung. Weder wirtschaftlich noch sportlich standen die Südhessen in den vergangenen 20 Jahren so gut da wie in der aktuellen Länderspiel-Pause.

Der Erfolg hat mehrere Väter. Im sportlichen Bereich ist es in Dirk Schuster jener, der in der vergangenen Rückrunde Platz 18 nicht mehr verhindern konnte. Die Hypothek der schlechten Vorrunde, die Kosta Runjaic und Jürgen Seeberger hinterlassen hatten, wog zu schwer.

Darmstädter Pokalmärchen

Zumindest der Gewinn des Hessenpokals und damit die Qualifikation fürs kleine Darmstädter Pokalmärchen gelang aber. Zudem ergänzte Schuster im Sommer die zuvor schon höheren Ansprüchen genügende Achse um Torwart Jan Zimmermann. Dazu kamen die Innenverteidiger Aytac Sulu und Benjamin Gorka sowie Linksverteidiger Michael Stegmayer um Mittelfeldrenner Jérôme Gondorf, die schwungvollen Außen Sandro Sirigu, Milan Ivana und Marcel Heller sowie die torgefährlichen Angreifer Marco Sailer und Dominik Stroh-Engel hochwertig.

Schusters Worten „Wir wollen mehr Qualität statt Quantität im Kader“ folgten Taten. Hanno Behrens machte zudem nochmals einen Leistungssprung und trumpft im zentralen Mittelfeld derzeit regelrecht auf. Platz zwei ist in der engen Dritten Liga, in der die Teams oft nur Nuancen unterscheiden, daher inzwischen logisch. Auch wenn „40 bis 42 Punkte“ noch Schusters offizielles Ziel bleiben. Bleibt Darmstadt weiter „Spitzenzweiter“, werden zumindest bei den Fans aus Träumen bald neue Ziele werden.

Glück im DFB-Pokal

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Die Lilien blühen wieder auf

Das Quäntchen Glück, das zu Erfolgen oft gehört, hatten die „Lilien“ mit den Auslosungen im DFB-Pokal. Beim Erstrundensieg über Mönchengladbach entschied ein Elfmeter an die Unterkante der Latte und sorgte für zusätzliche 600.000 Euro Einnahmen aus dem Zweitrundenspiel gegen Schalke. Schon im Geschäftsjahr zuvor hatte der Verein (eine Profi-GmbH gibt es in Darmstadt noch nicht) bei 4,58 Millionen Euro Gesamtumsatz einen fünfstelligen Überschuss erwirtschaftet.

Im Sponsoring nahm der SV 98 in der vergangenen Saison 2,34 Millionen Euro von 250 Partnern ein – seit 2009/10 eine Umsatzverdopplung. „Das Präsidium hat den Kurs der Kontinuität und Stabilität, der bereits unter Hans Kessler im Mittelpunkt des Handelns stand, weiter fortgesetzt“, sagt Präsident Rüdiger Fritsch und verweist auf die am Aufschwung beteiligten Vorgänger.

Reich sind die Darmstädter nach dem Schalke-Spiel derweil nicht. Prämien, Körperschafts- und Gewerbesteuer sowie weitere Ausgaben schmälern den Gewinn deutlich. „Er reicht, um weitere Stabilität zu schaffen, aber nicht für die Champions League“, sagt Fritsch. Wichtiger und nachhaltiger sei der Imagegewinn. Vorangetrieben wird derzeit die Lizenzierung des Nachwuchsleistungszentrum beim DFB. Der Neubau des Stadions an gleicher Stelle ist auch politisch beschlossene Sache, die Arbeits- und Projektgruppen sind bereits aktiv. „Im Frühjahr oder Sommer 2014 könnten die ersten Bagger rollen“, so Fritsch. Ende 2015 könnte das marode Böllenfalltor-Stadion Geschichte sein.

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