Ringer weltweit erwarten Entscheidung

Olympia: Ringen ums Ringen

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Eric Chalupka (blau) wechselte vor dieser Saison von Hessenligist FSV Münster zu Zweitligist KSV Seeheim. Mehr spektakuläre Aktionen wie diese sollen die neuen Regeln herausfordern. Dennoch droht weiter das Olympia-Aus.

Region Rhein-Main - In einer Woche entscheidet es sich, ob Ringen eine olympische Sportart bleibt. Von Jens Dörr

Es war ein Schock, der die weltweite Ringerszene im Februar dieses Jahres ereilte: Die älteste Sportart der Welt, schon Teil der Olympischen Spiele der Antike, soll ab 2020 womöglich nicht mehr zum Programm des alle vier Jahre stattfindenden Spektakels gehören. Für den Hessischen Ringer-Verband (HRV) – obgleich Deutschland im Ringen weltweit gesehen keine der ganz großen Nationen wie etwa Russland, die USA, Kuba, die Türkei, der Iran und viele ehemalige Sowjetrepubliken ist – hätte das auch schlimme finanzielle Konsequenzen. Mancher befürchtet ein klares Erlahmen der Talentförderung und eine sinkende Attraktivität der gesamten Sportart. In einer ersten Ausscheidung unter sieben Sportarten qualifizierte sich das Ringen vor wenigen Wochen für die Endrunde der letzten drei. Nächsten Sonntag, 8. September, entscheidet die IOC-Vollversammlung, ob bei Olympia 2020 weiter gerungen wird oder neuerdings Squash beziehungsweise Softball/Baseball gespielt wird. Inzwischen wird dem von einigen schon totgesagten Ringen eine gute Ausgangsposition nachgesagt. Weltweit solidarisierten sich Verbände und sogar US-Präsident Barack Obama und Russlands Wladimir Putin warben für die Beibehaltung im olympischen Programm.

Das internationale – und deutsche – Ringen vergaß dabei allerdings nicht, sich selbstkritisch zu hinterfragen. Ein neues Regelwerk, seit Anfang August angewendet, soll für kürzere und offensiver geführte Kämpfe mit mehr spektakulären Aktionen sorgen. Transparenter und für den Laien verständlicher wurde die Sportart mit den vom Weltverband FILA vorgeschlagenen und in Deutschland übernommenen Regeln nicht.

Nur noch zwei Runden

In Schaafheim, Dieburg, Münster, Neu-Isenburg und Frankfurt-Griesheim, den derzeitigen Ringerhochburgen im Rhein-Main-Gebiet, wird im besonders beachteten Mannschaftsringen künftig statt dreier Gewinnrunden à zwei Minuten stets maximal zwei Runden à drei Minuten gerungen. Danach ist ein Kampf definitiv beendet. Verlängerungen gibt es nicht mehr.

Die Regeländerungen sehen Insider insgesamt zweifelhaft und wären ohne den Druck durch das IOC kaum vorgenommen worden. Griffe und Würfe werden durch die Anpassungen zwar wohl tatsächlich zunehmend herausgefordert. Auch die mediale Planung eines Ringkampfs fällt nach den Modifikationen leichter, da ein Kampf nun maximal sechs Minuten dauern kann. Ein Mannschaftskampf damit maximal 60 Minuten plus Pausen und Unterbrechungen. Doch beispielsweise diese Verkürzung der Kampfabende stößt bei vielen Vereinen sauer auf. Alleine zehn Erst- und Zweitligisten hätten ob dieser Veränderung teils bitter beim nationalen Verband protestiert, sagt der Darmstädter Karl Rothmer, Vize-Präsident des Deutschen Ringer-Bunds. Kleinere Vereine wie die Oberligisten Schaafheim und Dieburg oder die Hessenligisten Münster, Neu-Isenburg und Frankfurt-Griesheim trifft jedes weniger verkaufte Heimkampf-Bier hart.

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Viele Sportler, Fans und Verantwortliche im Ringen ärgern sich, dass das Gros der Änderungen lediglich fürs Fernsehen getroffen worden sei. Die zu geringe Attraktivität für TV-Übertragungen prangerte das IOC an. In Athen und London landete die Kampfsportart im deutschen TV bestenfalls in Kurzeinblendungen, Zusammenfassungen und Online-Übertragungen. Für Sender wie das Hessenfernsehen existieren selbst etablierte hessische Zweitligisten wie der KSV Seeheim praktisch nicht. Als Anfang des Jahres der ASV Mainz 88 Deutscher Meister wurde, reisten am Hauptsitz des ZDF vor allem türkische Medien an.

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