Neuer Trainer, neue Philosophie, fast neuer Kader

Alles auf Anfang bei Eintracht Frankfurt

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Zwei, die für Frankfurts Neuanfang stehen: Domingues Piazon (links) und Haris Seferovic beim Jubel zum 1:1-Ausgleich gegen Testgegner Inter Mailand.

Frankfurt – Eintracht Frankfurts Trainer Thomas Schaaf hat viel in der Mannschaft verändert. Ob seine Weichenstellung wirkt, soll sich schon heute im Pokal gegen Regionalligist Viktoria Berlin zeigen. Von Peppi Schmitt

Das wäre wirklich eine schöne Geschichte für die Frankfurter Eintracht: Das erste Pokalspiel in Berlin, an diesem Samstag um 20.30 Uhr bei Regionalligisten Viktoria Berlin, und das letzte dann auch in Berlin, das Finale am 30. Mai nächsten Jahres. Träumen ist erlaubt, auch wenn alle wissen, dass der Weg weit ist, sehr weit. Fünf Siege sind nötig fürs Endspiel. Für die Eintracht ist der Auftakt in der Hauptstadt ein kompletter Neustart, mit neuem Trainer, neuen Spielern, einer nahezu komplett neuen Mannschaft. Trainer Thomas Schaaf hat kaum einen Stein auf dem anderen gelassen. Zum einen, weil wichtige Spieler wie Kapitän Pirmin Schwegler, Nationalspieler Sebastian Jung, Antreiber Sebastian Rode und Torjäger Joselu den Klub verlassen haben. Zum andern aber auch, weil er eine völlig andere Spielphilosophie vertritt wie sein erfolgreicher Vorgänger Armin Veh. Schaaf lässt ein anderes System spielen, setzt weniger auf Ballbesitz, will weniger Kurzpässe, dafür schneller nach vorne spielen. Um das umsetzen zu können, haben die Frankfurter nach anfänglichen Mühen dann doch vor allem die Offensive deutlich ergänzt und so die Hoffnung auch verstärkt. „Unser Manager hat sehr, sehr gute Arbeit geleistet“, lobt Schaaf Sportdirektor Bruno Hübner.

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Saisonvorbereitung: Eintracht bastelt am Kader

Wie umfangreich der Neustart ist, macht die voraussichtliche Aufstellung für das Spiel in Berlin deutlich. Mit Aleksandar Ignjovski, Makoto Hasebe, Nelson Valdez, Lucas Piazon und Haris Seferovic stehen fünf Neuzugänge in der Anfangsformation. Dazu mit Bamba Anderson und Takashi Inui zwei Profis, die zuletzt unter Veh auf dem Abstellgleis gelandet waren. Übrig geblieben aus der vergangenen Spielzeit sind zunächst einmal nur noch Torwart Kevin Trapp sowie Carlos Zambrano und Constant Djakpa. Stammkräfte aus der letzten Saison wie Alexander Madlung, Marco Russ, Johannes Flum und sogar Alexander Meier und Stefan Aigner, diese beiden freilich wegen noch nicht ganz überstandener Verletzungen, müssen sehr wahrscheinlich erst einmal auf der Bank Platz nehmen. Es ist nicht nur für die Eintracht ein Neuanfang, auch für den 53 Jahre alten Trainer beginnt ein neuer Karriereabschnitt. Nach gefühlt hundert Jahren Werder Bremen, in Wirklichkeit sind es 41 Jahre als Jugendspieler, Profi und Trainer, nun also Eintracht Frankfurt. Eine Aufgabe, die Schaaf mit Haut und Haaren angenommen hat. „Ich identifiziere mich total mit der Eintracht“, sagt er. Bei diesem Klub und in dieser Stadt sei „einiges zu bewegen“, in der Liga hofft er darauf, „dass wir von Anfang an nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben.“

Gemischte Eindrücke aus der Vorbereitung

Und im Pokal? „Da ist es einzig und alleine wichtig, weiter zu kommen“, sagt Schaaf. Das haben auch die Vorbereitungsspiele gegen stärkere Gegner deutlich gemacht. Dem 2:4 bei italienischen Erstligisten Sampdoria Genau steht ein 3:1 gegen Inter Mailand gegenüber, dem 1:1 beim Zweitligisten VfR Aalen ein 1:0 beim SV Sandhausen. Die Eindrücke waren dementsprechend gemischt. Vielen hoffnungsvoll Ansätze wie beim Heimspiel gegen Inter und der zwischenzeitlichen Gala der Neuzugänge Piazon und Seferovic auf der einen Seite, viele bedenkliche Schwächen in der Umsetzung der neuen Taktik, vor allem durch eine wacklige Defensive. „Es gibt noch viel zu tun“, sagt Schaaf.

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