Alles aus der Außenseiterrolle heraus holen

Eintracht Frankfurt muss gegen Leverkusen kompakt verteidigen

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Auf ihre Form wird es ankommen: Haris Seferovic (links) und Luc Castaignos stehen als Eintracht-Torjäger unter besonderem Erfolgsdruck. Stefan Reinartz (rechts) wird gegen seinen alten Arbeitgeber fehlen.

Frankfurt - Der Abstiegskampf hat sich für Eintracht Frankfurt weiter zugespitzt. Jetzt müssen Punkte gegen Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel her. Egal wie. Egal gegen wen. Die große Frage bleibt aber: Wer soll bei den Adlern die Tore schießen? Von Dirk Beutel

Kein beneidenswerter Job, den die Verantwortlichen bei Eintracht Frankfurt derzeit machen müssen. Sie sind gezwungen, zweispurig zu planen. Für einen möglichen Verbleib in der ersten Fußball-Bundesliga oder eben eine Klasse tiefer. So nüchtern in den Chefetagen kalkuliert wird, geht es auf dem Rasen immer emotionaler zu. Das Abstiegsgespenst geht um. Erst recht, da man vergangenen Samstag gegen einen direkten Konkurrenten unterlag, der spielerisch auch noch schlechter war. Da hilft es wenig, wenn die Eintracht eine ambitionierte Leistung gezeigt hat. Gewonnen hat Hoffenheim.

Russ könnte zum Antreiber werden

Mittlerweile stufen immer mehr Außenstehende die Lage der Eintracht als prekär ein. Darunter Ex-Trainer Christoph Daum: „Die Situation ist vergleichbar mit der Lage, die ich 2011 bei der Eintracht vorgefunden habe. Im Grunde kann man keinem Trainer ruhigen Gewissens raten, in so einer Lage einzusteigen, weil die Zeit viel zu kurz ist, um wirklich Einfluss zu nehmen“, sagt er. „Die Mannschaft hat auch diesmal mit gewissen Führungsproblemen zu kämpfen, die Typen, die in so einer Situation Führung übernehmen müssten, fehlen angeschlagen oder verletzt.“ Der frische Wind, den Trainer Niko Kovac mitbringen sollte, hat sich auch viel schneller verzogen, als gedacht. Es liegt zu viel im Argen. Eintracht Frankfurt ist eine Mannschaft, die keine Einheit ist, weil ständig an ihr herum experimentiert wurde. Sie ist eine Mannschaft, die kein Konzept hat. Eine, die keinen Spielmacher oder zumindest einen Antreiber in ihren Reihen hat, jemanden, der in schwierigen Situationen vorneweg geht und Verantwortung übernimmt. Diese Rolle könnte am Samstag gegen Leverkusen Marco Russ übernehmen, der die vergangenen drei Spiele fehlte.

Ein Punkt wäre gut, wird aber Schwerstarbeit

Zumindest könnte er der Defensiv-Abteilung weitere Stabilität verleihen. Denn dort wird Leistungsträger Carlos Zambrano fehlen. Ebenso wie Stefan Reinartz. Er wird den stark abstiegsbedrohten Hessen wegen einer Sehnenverletzung im linken Oberschenkel sogar bis zum Saisonende fehlen. Bei Zambrano hofft Trainer Niko Kovac auf eine Genesung in den kommenden ein, zwei Wochen. Russ würde dann mit Timothy Chandler, David Abraham und Constant Djakpa die Viererkette bilden. Davor könnten Makoto Hasebe und Sonny Kittel im defensiven Mittelfeld agieren und die offensiv starken Leverkusener entschärfen. Denn das wird die Kernaufgabe des morgigen Nachmittags (Spielbeginn ist um 15.30 Uhr) für die Frankfurter sein: Hinten die Räume so dicht wie möglich zu machen und Leverkusen mit einer stabilen aber flexiblen Abwehr das Leben so schwer wie möglich machen. Frankfurt muss die Außenseiterrolle annehmen und sich über kämpferischen Einsatz neues Selbstvertrauen erarbeiten. Niemand erwartet von Kovac´s Truppe ernsthaft einen Sieg. Ein mögliches Unentschieden wäre gegen eine ambitionierte Bayer-Elf, die in die Champions-League will, ganz gut fürs Tabellen-Konto, umso wichtiger fürs Seelenheil und Ansporn für die nächsten Spiele. Aber selbst einen Punkt dort zu holen wird Schwerstarbeit. Denn nach vorne bleibt Frankfurt erschreckend harmlos.

Wer soll die Tore schießen?

Haris Seferovic läuft nach wie vor seiner Form hinterher und Luc Castaignos ist auch noch nicht derselbe wie zu Saisonbeginn. Dass das Umfeld ausgerechnet auf den verletzten Torjäger Alex Meier hofft, offenbart, wie abhängig der Erfolg der Mannschaft an einer Person hängt. Zur Erinnerung: Seit acht Spielen ist die Eintracht in der Ferne sieglos. Daher wäre es jetzt entscheidend, diesen Bann zu brechen und einem starken Gegner Paroli zu bieten. Denn es steht noch einiges auf dem Restprogramm. Mainz und Dortmund kommen in die Commerzbank-Arena. Beides keine leichten Aufgaben. Und auch das Auswärts-Derby gegen Darmstadt wird alles andere als eine Bummelpartie. Sich zu einem möglichen Endspiel am letzten Spieltag gegen Werder Bremen zu mogeln, wäre fahrlässig. Zu oft hat die Mannschaft schon bewiesen, dass sie mit Druck nicht umgehen kann. Also muss die SGE jetzt das machen, was sie schon zu Beginn der Rückrunde hätte machen müssen: Wo es geht, Punkte abgreifen, auch ohne schön oder wie zuletzt überlegen zu spielen. Fußball ist nun mal Ergebnissport.

Fotos: Kinderpressekonferenz mit Eintracht Frankfurts Co-Trainer Robert Kovac  

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