Einradblitze brauchen keine Stütze

+
Gleichgewicht, Übersicht und Teamfähigkeit sind beim Einradhockey gefragt. Fünf Spieler, egal ob Frau oder Mann, sind ein Team. Altersklassen gibt es nicht.

Bad Homburg – Energische Kommandos hallen durch die Sporthalle an der Frölingstraße, wenn die Mädchen und Jungs gegeneinander spielen. Gekonnt und vor allem filigran sausen diese mit einem Eishockeyschläger einem Tennisball hinterher. Auf einem einzigen Rad. Denn sie sind die Einradblitze. Von Norman Körtge

Dumme Sprüche hat Franziska Hanke schon viele gehört: „Hat das Geld nicht für ein zweites Rad gereicht?“, nennt die Abiturientin ein Beispiel. Aber in den mehr als sieben Jahren, in denen sie Einrad fährt, hat die 19-Jährige auch die passenden Antworten gefunden: „Ich brauche kein Stützrad.“ Und auch der Eishockeyschläger, den sie beim Fahren auf dem Einrad in der Hand hat, dient nicht zum Abstützen, sondern zum Führen und Schlagen des Tennisballs ins gegnerische Tor.

Die Bad Homburger Einradblitze sind bunt gemischt: Mädchen und Jungen im Alter zwischen zehn und 19 Jahren.

Einradhockey heißt der Sport, der nicht nur Gleichgewichtssinn, sondern auch Teamfähigkeit verlangt. So, wie er bei den Einradblitzen der Bad Homburger Jugendkultureinrichtung E-Werk vorgelebt wird. „Alleine kann man nicht gewinnen“, bekräftigt Hanke und spricht damit ganz im Sinne von Dirk Piatkowski, Leiter des Bad Homburger Jugendkulturtreffs, unter dessen Dach seit 2008 die Einradblitze trainieren und in der Deutschen Einradhockeyliga starten.

Gerade weil die Einradblitze zum E-Werk gehören und nicht zu einem Sportverein, zählt der Teamgeist mehr als der Leistungsgedanke. „Zwar wollen wir auch gewinnen, aber der Spaß steht im Vordergrund“, macht Piatkowski deutlich, der sich sowohl als Trainer als auch als Pädagoge sieht. Muss er auch, denn die etwa 15 Mitglieder der Einradblitze sind zwischen zehn und 19 Jahren, Mädchen wie Jungen. Und dieses Zusammenspiel funktioniert, weil „Einradradhockey ein extrem fairer Sport ist. Mädchen können körperliche Nachteile zum Beispiel durch Technik super ausgleichen“, berichtet Piatkowski.

So gehen auch die Mädchen routiniert und mit viel Gleichgewichtssinn in die Zweikämpfe mit größeren Jungs, stiebitzen ihnen schon mal mit dem Schläger den Ball weg und passen ihn gekonnt zum eigenen Mitspieler – und das alles ganz elegant auf dem Einrad sitzend. Und dabei die Übersicht zu behalten sei sehr wichtig, genauso wie die Kommunikation mit den Mitspielern, meint Franziska Hanke.

Gespielt wird in der Regel mit fünf Spielern pro Team, davon hütet einer das Hockeytor, hat dabei aber nicht mehr Rechte als die Feldspieler. Die Regeln sind denkbar einfach: Gespielt werden darf, solange jemand auf dem Rad sitzt. Die 54 in der Deutschen Einradhockeyliga zusammengefassten Mannschaften sind ebenso bunt zusammengemischt wie die Einradblitze, allerdings gibt es Einteilungen in Leistungsklassen A bis E. Als spaßorientiertes Team gehört das Bad Homburger Team derzeit zur E-Klasse. Der Ligabetrieb selbst findet in Turnierform statt.

Kommentare