Trotz höherer Sicherheit als auf dem normalen Drahtesel, fahren nur wenige ein Liegefahrrad

Einfach mal zurücklehnen

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Roland Gürtler von der Ortsgruppe Dieburg/Groß-Umstadt des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs sitzt auf seinem Liegerad.

Dieburg/Groß-Umstadt – Geschätzte 30.000 Liegeräder stehen in der Bundesrepublik dem Heer der 50 Millionen herkömmlichen Drahtesel entgegen. Roland Gürtler von der Ortsgruppe Dieburg/Groß-Umstadt des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) gehört zu den wenigen, die liegend fahren – auch im Winter. Von Jens Dörr

Ganz allein auf weiter Flur ist Roland Gürtler nicht. Mindestens zwei weitere Fans der Liegeräder sind ihm in der rund 150 Personen zählenden ADFC-Ortsgruppe Dieburg/Groß-Umstadt bekannt. „Die Szene wächst auf alle Fälle“, sagt er. Das hat auch mit den Möglichkeiten der Liegeräder für Körperbehinderte zu tun, die auch als Handbiker unterwegs sind. Aber wer einfach nur Rückenprobleme hat, findet auf dem Liegerad eine interessante Variante des Radsports, der auch die Bandscheibe schont.

Bei Gürtler war es „einfach die Lust, es auszuprobieren“. Der 36-Jährige startete vor vier Jahren erstmals zu einer Tour mit dem Liegerad. Folge des nach hinten geneigten Sitzes und der gegenüber normalen Rädern mit Diamantrahmen veränderten Position: Kräftiger Muskelkater. Von Rumpf bis Fußspitze werden teils andere Muskelgruppen gefordert als beim aufrechten Treten in die Pedale.

„Ein großer Unterschied zum normalen Radfahren ist der geringere Luftwiderstand“, sagt Gürtler. Allerdings sei man mit gleichem Krafteinsatz nur geringfügig schneller als etwa mit dem Rennrad. Bei der Sicherheit habe das Liegerad indes klare Vorteile, betont er: Wer umkippt, fällt weniger tief – vor allem aber verhindert die Position des Fahrers auf dem Liegerad etwas anderes: „Meistens ist die Gewichtsverteilung so, dass ich mich nicht überschlagen kann.“ Gerade dabei entstehen im Radsport aber die schlimmsten Unfälle.

Die tiefere Position des Liegerads und die Angst, von Autofahrern leichter übersehen zu werden, lässt Gürtler nicht als klaren Nachteil bei der Sicherheit gelten. Auf verschiedene Weise könne man dennoch auf sich aufmerksam machen – bunte Fähnchen seien eine Alternative. Einen Haken gibt es aber doch: Der Preis für das Zurücklehenen ist hoch. Gürtler verrät: „Selbst ein Einsteigerrad lässt sich kaum unter 1000 Euro finden.“

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