Eine Sportart krempelt sich selbst um

+
Profi-Golfer und Hoffnungsträger: Martin Kaymer. Nach Bernhard Langer hat er es als einziger Deutscher bislang geschafft, die Spitze der Golf-Weltrangliste zu erklimmen. 

Region Rhein-Main – Weil Golf ab 2016 wieder eine olympische Disziplin ist, reformieren Clubs und Verbände derzeit alteingesessene Strukturen. Von Dirk Beutel

Die Szene ist im Umbruch. Nach langen Verhandlungen mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) wurde Golf wieder auf die Liste der olympischen Sportarten gesetzt. 2016 inRio de Janeiro kämpfen Golfer dann erstmals nach 1904 wieder um olympisches Gold.

Ein Meilenstein für den Golfsport, insbesondere für den Leistungssportbereich, findet Bernward Kirstein, ehemaliger Deutscher Nationaltrainer und heutiger Sportmanager beim Frankfurter Golf Club. Dass Golf nur etwas für Altherren und Millionäre und schon gar nichts für Jugendliche sei – diese Vorurteile habe der Sport längst hinter sich, sagt Kirstein. Aber die bislang herrschenden traditionellen Strukturen im deutschen Golfsport müsse man weiter aufbrechen, will man tatsächlich die besten Golfer des Landes zu den Wettkämpfen schicken. Das gelte für die Clubs, wie für die deutsche Profivereinigung PGA of Germany und den Deutschen Golf Verband, in dem die Amateure organisiert sind. Sie alle müssen sich an einen Tisch setzen.

„Ob Verein oder mit einem Betreiber, die Clubs arbeiten alle privatwirtschaftlich und tragen sich selbst, ohne finanzielle Hilfen von außen“, sagt Kirstein. Das führte dazu, dass jeder Club seine eigene Suppe kochte. So fördere man in der Breite aber keine Talente heran.

Ab 2013 darf jede Mannschaft ein Jungprofi melden

Bernward Kirstein kümmert sich als Sportmanager beim Frankfurter Golf Club unter anderem um die Nachwuchsarbeit.

Ein entscheidender Schritt: Das bisherige Wettkampfsystem in Deutschland wird reformiert. Während sich jugendliche Golfer bereits seit dem Jahr 2000 in einem Liga-System untereinander messen, startet eine solche Wettspielreform für die Erwachenen erst 2013. Kirstein: „Dadurch entsteht auch in der Breite ein höherer Konkurrenzdruck, der sich sicher im Training und auch in der Aufstellung des Kaders bemerkbar machen wird.“ Zuvor wurde etwa die deutsche Meisterschaft in einem einwöchigen Turnier ausgespielt. Die Kunst sei es nun, in einem wesentlich längeren Zeitraum hohe Spielqualität auf den Rasen zu bekommen. Laut Regelstatut handelt es sich hierbei ausschließlich um Amateure. „Doch diese Reform birgt auch eine Revolution in sich“, sagt Kirstein: „Denn von 2013 an darf jede Mannschaft, unter gewissen Voraussetzungen, einen Jungprofi melden“.

Zur Erklärung: Ein Amateur darf für die Ausübung seines Sports kein Geld annehmen. Ein Golfprofi hingegen lebt von seinem Sport. Eine traditionelle Trennung im Golfsport, die mit der Reform in Deutschland erstmals aufgeweicht wird. Denn: Sportlich können sich beide auf Augenhöhe begegnen.

„Wir haben jetzt die Chance noch mehr strukturierte Nachwuchsarbeit mit lizensierten Trainern zu bekommen“, sagt Kirstein. Gerade wird die erste Generation flügge, die von einer nachhaltigen und leistungsorietierten Arbeit profitierten: Darunter Max Kramer, Dennis Küpper und allen voran der ehemalige Weltranglistenerste Martin Kaymer. „Zurzeit knarzt es kräftig im Gebälk, das ist ganz normal und gut für den Sport“, sagt Kirstein.

Mehr zum Thema

Kommentare