Olympia: Betty Heidler peilt eine Medaille an

Für Edelmetall holt diese Frau den Hammer raus

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Sie hat den Dreh raus: Auch wenn bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Helsinki noch nicht alles rund lief, will Betty Heidler bei den Olympischen Spielen wieder den Hammer rausholen.

Frankfurt – Sie ist zum achten Mal in Folge Deutsche Meisterin und hält den Weltrekord im Hammerwurf: Aber mit dem schwachen Auftritt bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Helsinki hat Betty Heidler ihre Generalprobe verpatzt. Von Dirk Beutel

Trotzdem will die Wahl-Frankfurterin bei den Olympischen Sommerspielen in London Edelmetall abstauben. Helsinki ist abgehakt. Alles was zählt, passiert jetzt in London. Dort werden die Karten wieder neu gemischt. Betty Heidler von der Leichtathletikgemeinschaft Eintracht Frankfurt, die seit über einem Jahr den Weltrekord im Hammerwurf (79,42 Meter) hält, weiß was sie will und weiß was sie kann. Beziehungsweise was sie derzeit verbessern muss. Zumindest dafür war die vermasselte Leichtathletik-Europameisterschaft gut: „Ich bin halt keine Maschine und habe eben auch meine Tage an denen nicht alles glatt läuft.“ Bei der EM konnte Heidler einen technischen Fehler einfach nicht abstellen: „Ich habe zuviel mit dem Oberkörper gearbeitet und meine Beine einfach stehen lassen“, sagt die 28-jährige Polizeihauptmeisterin. Daran soll in den nächsten knapp drei Wochen gearbeitet werden, denn nach den Europameisterschaften ist vor den Olympischen Spielen (27. Juli bis 12. August). „Jetzt muss ich nochmal richtig keulen“, gibt Heidler ihre Marschrichtung vor.

Die magische Marke von 80 Metern

Seit ihrem 15. Lebensjahr schwingt die gebürtige Berlinerin den Hammer und gilt nach wie vor als sichere Medaillen-Kandidatin bei den deutschen Leichtathleten. Helsinki war auch ein Fingerzeig. Nicht nur, was das Abrufen ihrer sportlichen Leistung anbelangt, auch das Medienecho hat zugenommen. „Klar, spürt man den Druck. Plötzlich schaut jeder auf dich, vor allem wenn du besonders gut oder besonders schlecht warst.“ Aber solche Situationen vor großen Wettkämpfen kennt Betty Heidler, die nach ihrer Karriere als Juristin bei der Bundespolizei arbeiten möchte: „Hauptsache ich bleibe mir treu und realistisch. Deshalb sehe ich mich auch nicht als Favoritin“. Die Hauptsache sei, das sie ihre persönlichen Ziele erreiche. Und die hat sie im Vorfeld klar formuliert. Eins davon: Eine Medaille bei Olympia.

2008 erkämpfte sich die Weißrussin Aksana Mjankowa mit einer Hammerwuf-Weite von 76,34 Metern olympisches Gold. Eine machbare Messlatte für Heidler, die aber kein Maßstab für London sein wird. Denn: „Diese Weite wird definitiv nach oben verbessert. Richtung 77 oder sogar 78 Meter.“ Wenn dem so wäre, kämen die Athletinnen allmählich an Heidlers Weltrekord heran. Und da wären wir bei Heidlers zweitem persönlichen Ziel: Die magische Marke von 80 Metern zu meistern, die die 28-Jährige im Training schon geschafft hat. „Irgendwann werden die 80 Meter auch in einem offiziellen Wettbewerb fallen. Aber wann und wo, darüber mache ich mir keinen Kopf.“ Genauso wie über die Frage ob dies ihre letzten Olympischen Spiele sein könnten oder ob sie auch 2016 in Rio de Janeiro dabeisein wird: „Das kann ich jetzt noch nicht sagen.“

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