Durchatmen nach zwei Siegen in Folge

+
Florian See setzt zum Wurf an. Er zählt zu den Leistungsträgern des TV Groß-Umstadt.

Groß-Umstadt – Eigentlich ist der Ex-Handball-Zweitligist TV Groß-Umstadt kein typischer Abstiegskandidat. Dennoch kämpft er gegen den Fall in die Viertklassigkeit. Von Jens Dörr

Auch ein Bürgermeister kann mal irren: „Die Handballer des TV 1878 Groß-Umstadt haben sich in der dritten Bundesliga Süd etabliert“, schrieb Joachim Ruppert, Groß-Umstädter Rathaus-Chef, vor der Runde in seinem Grußwort im Saisonmagazin des Vereins. Einerseits nicht ganz unbegründet, war der TVG in der Vorsaison doch Sechster dieser Klasse geworden und schien den Abstieg aus Liga zwei verkraftet zu haben. Nun, nachdem es in die kurze Winterpause gegangen ist, schweben die Groß-Umstädter allerdings in Abstiegsgefahr – Sturz in die Viertklassigkeit nicht ausgeschlossen.

Vor dem Hintergrund, dass der zeitweilige Zweitligist in Liga drei derzeit nur auf Rang elf steht und in 15 Spielen nur fünfmal siegte, könnte man schon ein wenig nervös werden. Alles in Butter war auch beim TV Groß-Umstadt nicht, doch am Trainerstuhl wurde nicht gerüttelt: Tim Beckmann hat das Vertrauen des Vereins. Holger Zindt, Sportlicher Leiter des TVG, nennt ihn den „richtigen Mann“.

Doch auch Beckmann, der im Winter 2011 in eine laufende Spielzeit „hereinplatzte“, musste feststellen, dass eine Handvoll wichtiger Abgänge in der Drittklassigkeit nicht eben mal zu kompensieren ist. Vor der Runde holte der Verein von der Weininsel Jan Blank, Joshua Kraus, Rico Funck, Marc Baumann, Nils Kwiatkowski, Philip Becker und den erfahrenen Bundesliga-Spieler Michiel Lochtenbergh. Der hat auch schon mehr als 70 Länderspiele für die Niederlande auf dem Buckel. Einige der jungen Neuzugänge hatten aber Anlaufschwierigkeiten. Zuletzt sorgten ein 29:22-Derbysieg über Kirchzell und ein 27:26-Erfolg gegen Köndringen für etwas Durchatmen. „Da haben wir unsere Leistungsfähigkeit mal über die volle Distanz zeigen können“, freute sich Coach Beckmann über das vorzeitige Weihnachtsgeschenk seiner Mannschaft. Die muss auch in der Rückrunde im Spannungsfeld zwischen bescheidenen Mitteln beim TVG und einer dritten Liga, die nahezu so stark wie die frühere geteilte zweite Liga sein dürfte, den richtigen Weg finden. Klar ist aber auch: Unter den jetzigen Voraussetzungen wird es in absehbarer Zeit kein weiteres Zweitliga-Abenteuer für die Groß-Umstädter Handballer geben.

Die Realität heißt derweil: Den Klassenerhalt in Liga drei sichern. In der Südstaffel hat sich Florian See einmal mehr als einer der besten Torschützen profiliert. Luft nach oben hat zum Beispiel David Acic. Im Tor stehen mit dem Dieburger Julian Sahm und dem Juniorenauswahl-Keeper Karim Ketelaer zwei zwar junge, aber starke Rückhalte zur Verfügung. In Sachen kassierter Treffer ist Groß-Umstadt nicht weit von den Mittelfeldteams der Liga entfernt. Auch der Angriff ist keiner eines typischen Abstiegskandidaten.

Neben der sportlichen Herausforderung im Frühjahr stehen auch noch etliche Gespräche an: Nur See und Blank haben einen Vertrag, der schon jetzt bis 2014 gültig ist. Bei allen anderen Spielern wurden die Kontrakte noch nicht verlängert. Wieder weiter geht es für die Handballer des TV Groß-Umstadt in der dritten Liga Süd am Samstag, 12. Januar, beim TV Hochdorf.

Kommentare