Trainer-Legende Dragoslav Stepanovic

„Eintracht Frankfurt gehört in den Europapokal“

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In dieser Szene erzielt Bamba Andersson das 3:3 in der Hinrunde gegen Borussia Dortmund. Für Trainer-Legende Dragoslav Stepanovic das beste Spiel der Eintracht in dieser Saison.

Frankfurt – Die Eintracht trifft am Sonntag daheim auf den VfB Stuttgart (Anpfiff 15.30 Uhr, Commerzbank-Arena) und hofft auf einen Sieg und auf Tore. Seit 505 Minuten hat die Truppe von Armin Veh in der Bundesliga nicht mehr getroffen. Der EXTRA TIPP sprach mit Dragoslav Stepanovic, der Trainer, der zuletzt mit der Eintracht so weit vorne in der Tabelle platziert war. Von Axel Grysczyk

Welches Spiel der Eintracht hat Ihnen in dieser Saison am besten gefallen?

Das 3:3 in der Hinrunde gegen Borussia Dortmund. Immer wenn offensiver Fußball gespielt wird, gefällt es mir am besten. Auch wenn die Truppe noch ausrechenbar ist, nicht so wie das Eintracht-Team, das ich damals trainiert habe. Dann ging’s mal über Uwe Bein oder Andreas Möller oder mal ganz anders.

Was hat denn die Eintracht bei diesem Spiel besser gemacht als in den jüngsten Spielen?

Vorweg: Dass die Eintracht so hoch in der Tabelle steht, ist toll. Ich glaube, gerade zu Beginn war es eine hohe Motivation zu zeigen, dass man in die Bundesliga gehört. Die ganze Mannschaft hatte keine Angst und die Abwehr stand gut. Über eine ganze Saison gleicht sich das aus, da ist so ein Anfangsvorteil wieder weg. Die Eintracht hat bis jetzt eine wunderbare Saison gespielt, es wäre schade, wenn sie jetzt das große Ziel Europapokal nicht erreicht.

Warum fallen derzeit denn keine Tore?

Das erste Ziel – der Nichtabstieg ist erreicht. Vielleicht, das ist nur eine Vermutung, breitet sich da schon eine Zufriedenheit aus. Aber vielmehr glaube ich, dass die Mannschaft schon viel mehr Energie verbraucht hat, als es den Anschein hat. In der Bundesliga muss man höher springen, schneller laufen als noch in der Zweiten Liga – da wird irgendwann der Akku und die Konzentration weniger. Trotzdem hat die Eintracht nicht schlecht ausgesehen. Gegen Gladbach hätte die Mannschaft in der zweiten Halbzeit als klarer Sieger vom Platz gehen müssen.

Wie muss man trainieren, damit wieder Tore fallen?

Neue Ziele setzen, neu motivieren, damit neue Kräfte frei werden.

Oder reicht die Qualität der jetzigen Stürmer nicht aus?

Die Mannschaft hat im vergangenen Jahr noch Zweite Liga gespielt, das muss man berücksichtigen. Ich drücke die Daumen, dass die Eintracht den Europapokal oder besser sogar noch die Champions League erreicht, dann kann man investieren.

Um bessere Stürmer zu holen…

Occean hat nicht überzeugt, Hoffer auch nicht. Es sind aber auch keine Spieler, die von der Bank kommen. Wenn Hoffer drei-, viermal von Beginn an spielt, ist er viel besser. Ich hätte Rob Friend nicht gehen lassen. Er ist ein Spieler, den man einwechseln kann und der nochmal für Gefahr sorgt – gerade mit seinem Kopfballspiel.

Sie hoffen auf den Europapokal. Käme das nicht zu früh?

Überhaupt nicht. Die Eintracht hat früher im Europapokal gespielt, da gehört sie hin.

Dann müssten aber auch aufstrebende Spieler wie Sebastian Rode oder Sebastian Jung langfristig an den Verein gebunden werden.

Die Wechsel von Patrick Ochs und Marco Russ müssten Warnung genug sein. Die angesprochenen Spieler sind noch jung, sie sollten erst mal vier, fünf Saisons in der Startelf stehen, um dann zu wechseln. Dann geht man als gestandener Bundesligaspieler. Jetzt würde man sich doch bei großen Vereinen fragen, wer sind die denn überhaupt? Und vielleicht sind Wechsel auch gar nicht nötig: Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein waren gestandene Nationalspieler und haben immer bei der Eintracht gespielt.
Was macht denn die Eintracht unter Armin Veh besser als in den vergangenen Jahren?

Sie spielen offensiver. Aber es ist nicht nur die Leistung von Armin Veh, auch durch die Transfers von Bruno Hübner hat man ein gutes Team zusammen gestellt.

Sie waren nicht nur Trainer der Eintracht, sondern auch beim FSV Frankfurt und den Offenbacher Kickers. Ein Satz zu beiden Clubs. Der FSV…

…überrascht mich immer mehr. Sie haben gerade auch gegen die großen Clubs der Zweiten Liga toll gespielt. Mich würde es nicht mehr wundern, wenn sie sogar noch auf dem dritten Platz landen.

Kickers Offenbach…

Ich habe in der Zeitung über die neun Millionen Euro Schulden gelesen. Ich kann nur sagen: Schlimm, schlimm, schlimm! Jetzt hat man ein neues Stadion, aber keine Mannschaft. Da muss etwas passieren, denn der OFC gehört in die Zweite Liga.

Die EXTRA-TIPP-Prognose: Schalke verpflichtet für die nächste Saison einen neuen Trainer. Wäre das nichts für Sie?

Klar, warum nicht? Ein, zwei Jahre Bundesliga kann ich mir noch vorstellen. Ich glaube aber eher, dass ich einspringe, wenn jemand schnelle Hilfe braucht. Ein immer fertig gepackter Koffer steht auf alle Fälle zu Hause.

Wie geht’s am Sonntag gegen Stuttgart aus?

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