Karate Kid aus Groß-Zimmern

Kata und Kumite: Dragomir Dimitrov neuer Südwestdeutscher Meister 

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Der 15-jährige Dragomir Dimitrov ist amtierender Südwestdeutscher Meister in der Kata und im Kumite.

Groß-Zimmern/Dieburg – Auf der Karate-Matte macht ihm so schnell keiner etwas vor. Mit 15 Jahren hat sich Dragomir Dimitrov aus Groß-Zimmern den Südwestdeutscher Meistertitel in der Kata und im Kumite erkämpft. Aber auch abseits des Sports will er Erfolge einfahren. Von Jens Dörr

Sein Tagesablauf klingt wie der eines Profiathleten, doch Geld wird Dragomir Dimitrov mit seinem Sport später bestenfalls als Sensei (Trainer) verdienen. Der 15-jährige Groß-Zimmerner ist amtierender Südwestdeutscher Meister im Karate – sowohl in der Kata (Formenlauf) als auch im Kumite (Freikampf). Auch mit Blick auf sein Berufsziel ist der gebürtige Bulgare, der für den Karate-Verein Dieburg kämpft, alles andere als gewöhnlich.

Vor vier Jahren kam Dimitrov von Bulgarien nach Groß-Zimmern, spricht und schreibt inzwischen ordentlich Deutsch. Vor zwei Jahren schloss er sich den Dieburgern an, fand dort in Coach Richard Grasse einen Förderer. „Ohne ihn wäre ich nicht der Karateka, der ich heute bin“, sagt Dimitrov.

"Erfolg startete beim Odenwald-Cup"

Soll heißen: Der angehende Blaugurt ist auf seinem Leistungsstand und in seinem Alter im Südwesten der Bundesrepublik derzeit das Maß aller Dinge. Im Vorjahr gewann er den renommierten „Odenwald-Cup“ im Kumite. Beim Heimspiel im Frühjahr dieses Jahres siegte er in Dieburg bei der Mitteldeutschen Meisterschaft im Freikampf und wurde Zweiter in der Kata. „Mir gefällt beides, Kumite aber noch etwas mehr“, sagt der Groß-Zimmerner: „Da habe ich bislang jedes Mal den ersten Platz gemacht.“

So war es auch vor wenigen Wochen in Iffezheim, wo sich Dimitrov den Südwest-Titel seiner Klasse gleich in beiden Disziplinen sicherte. „Ohne Richard Grasse hätte ich diese Meisterschaft nicht gewonnen“, denkt er auch mit Blick auf seinen bisher größten Erfolg gleich an seinen Sensei, der den fünften Dan (Schwarzgurt) besitzt und sich mit dem von ihm gegründeten Verein insbesondere dem Koshinkan-Karate verschrieben hat. Diese offizielle Stilrichtung des Deutschen Karate-Verbands (DKV) führt die traditionellen Karate-Stilrichtungen hin zu einem zeitgemäßen, praxisorientierten Karate.

Auch in der Schule will er Leistung bringen

Neu ist dabei der Selbstverteidigungsaspekt, einer der vier Karate-Säulen neben Grundschule (Kihon), Kampf und Formenlauf. Dimitrov beweist mit Kraft, Schnelligkeit und Dynamik derweil einerseits, dass man im Karate wegen der Unterteilung in viele Alters- und Leistungsklassen auch schon nach recht kurzer Zeit nationale Weihen einfahren kann. Andererseits fallen auch in dieser Kampfkunst die Erfolge nicht vom Himmel.

Der 15-Jährige trainiert jeden Tag: „Ich gehe zur Schule, esse etwas, mache Hausaufgaben. Danach mache ich erst eine Stunde Kata, rufe dann einen Freund an und trainiere noch mal eine Stunde Kumite.“ Zudem lässt sich Dimitrov keine der drei wöchentlichen Trainingseinheiten im Verein und keinen Wettkampf entgehen. „Es ist einfach mein Sport. Weil mich fasziniert, dass ich gute Leistungen bringe, mache ich immer weiter.“ Stichwort Leistungen: Die will Dragomir Dimitrov auch in der Schule bringen. Nach den Sommerferien kommt er in die neunte Klasse, vorerst wegen der noch nicht perfekten Sprache in den Hauptschulzweig der Groß-Zimmerner Albert-Schweitzer-Schule, in seinen Vorstellungen bald aber gekrönt von einem Realschulabschluss. Den will er einsacken, um seinen Berufstraum zu verwirklichen: „Ich möchte Schauspieler werden.“ Für ein Remake des US-Klassikers „Karate Kid“ wäre er dann sicherlich nicht die schlechteste Besetzung.

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