Doping auch unter Hobby-Sportlern

Höher, schneller, weiter

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Selbst wenn es um nichts geht: Auch bei Massenveranstaltungen wie dem Frankfurt Marathon greifen Breitensportler zu Doping-Mitteln.

Region Rhein-Main – Doping ist längst auch unter Amateur-Athleten salonfähig geworden. Sogar in untersten Fußball-Klassen kursieren aufputschende Substanzen. Allerdings gibt es darunter auch unbewusste Doper. Von Dirk Beutel

Ob Floyd Landis oder gerade aktuell Lance Armstrong – es sind nicht die einzigen Beispiele, die beweisen, wie eine gesamte Sportart in Verruf geraten kann und wie bei Fans der Glaube an echte Leistungen vernichtet wird. Doping-Skandale im Radsport sind längst Routine geworden. Doch es sind bei weitem nicht nur Profi-Athleten, die ihren Körper künstlich zu Höchstleistungen trimmen. Fußballer, Läufer oder Schwimmer, auch der normale Hobby-Sportler dopt. Höher, schneller, weiter gilt mittlerweile auch bei Sportlern, die mit Wettkämpfen nichts am Hut haben.

Der Sportsoziologe Mischa Kläber von der Technischen Universität Darmstadt hat zu dem Thema seine Doktorarbeit geschrieben. Seine These: Es gibt eine Doping-Szene deren Einfluss bis in die kleinen Vereine reicht. Bessere Fettverbrennung, Muskelaufbau, optimierter Stoffwechsel, Aufputschmittel oder einfach Schmerzmittel – es gibt unzählige Mittelchen, die körperliche Leistungen beeinflussen und auch auf niedrigen Niveau zum Einsatz kommen – bewusst oder unbewusst. „In unserer Gesellschaft wird der Körper massiv verdrängt. Vor allem im Job. Immer öfter erledigen Maschinen die Arbeit. Es gibt immer weniger Möglichkeiten, sich auf die Leistungen seines Körpers zu berufen“, sagt Kläber. So wird der Sport zum Kontrastprogramm und zum immer wichtiger werdenden Grundsatz im Alltag.

Auch Ärzte sind im Doping-Netzwerk integriert

Den Zugang und das nötige Know-How finden Hobby-Sportler laut Kläber vor allem in der Bodybuilding-Szene. „Doping fällt nicht vom Himmel. Es ist der Zugang zu einem ganzen Netzwerk nötig.“ Und Mediziner die im Optimalfall so eine „Kur“ überwachen. Kläber: „Es gibt Ärzte, die die Effektivität und die Dosierung eines Mittels prüfen und sich dadurch einen Nebenverdienst verdienen.“ Aber es wird auch unbewusst gedopt. Es gibt zahlreiche frei erhältliche Medikamente, die aufputschende Substanzen besitzen, die aber auf der Doping-Liste stehen und von Hobby-Sportlern eingenommen werden. Beispiele: Ephedrin in Wick MediNait, Clenbuterol in Spasmo-Mucosolvan oder Pseudoephedrin im Aspirin.

Gerd Kever-Bielke vom Drogenreferat der Stadt Frankfurt kennt das Problem und ergänzt: „Der Trend geht zum Kauf über das Internet.“ Neben klassischen anabolen Steroiden seien es die Human Growth Wachstumshormone (HGH), die vermehrt Absatz finden. An die Gefahren durch Nebenwirkungen denke dabei kaum jemand. Um den Missbrauch vor allem bei Jugendlichen zu bekämpfen, kann das Drogenreferat nur auf Aufklärung und Prävention setzen. Im Fokus seien dabei Jugendzentren, die zusätzlich ein Fitness-Studio anbieten.

Der Frankfurt-Marathon, der nächste sportlichen Höhepunkte, legt großen Wert auf Doping-Tests: „Wir hatten seit der Premiere 1981 keinen Doping-Fall“, sagt Sprecher Uwe Martin. Getestet werden zwölf Athleten, darunter alle sechs Podiumsplätze im Elitefeld der Männer und Frauen. „Das andere halbe Dutzend wird im Regelfall per Losverfahren ermittelt“, sagt Martin. Letztlich obliege es aber der Entscheidungskompetenz des Welt-Leichtathletik-Verbandes IAAF, beziehungsweise den Kontrolleuren, wen sie zur Probe einfordern. Dabei ist Martin bewusst, dass auch beim Frankfurt Marathon nicht ausgeschlossen werden kann, dass Breitensportler zu unerlaubten Mitteln greifen. „Das betrifft nach meiner Erfahrung Schmerzmittel, um kleinere Verletzungen abzumildern.“ Kontrollen im Breitensport gibt es wie bei allen anderen deutschen Marathon-Veranstaltern nicht.

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