Am Sonntag gegen Borussia Dortmund

Deprimiert und dezimiert: Bei Eintracht Frankfurt knirscht es an allen Ecken

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Frankfurt – Die Eintracht taumelt dem fünften Abstieg entgegen. Nach der Pleiten-Bilanz aus den Partien in Mainz und dem Derby gegen Darmstadt steht jetzt die Mammutaufgabe in Dortmund an. Doch der hessische Traditionsverein gibt derzeit gleich an mehreren Stellen ein erschreckendes Bild ab. Von Oliver Haas

Die SGE-Fans haben es in diesen Tagen besonders schwer. Die Prestige-Duelle gegen die Nachbarn aus Mainz und Darmstadt wurden verloren. Am Sonntag reist die Eintracht zum Bundesliga-Schwergewicht Dortmund. Carlos Zambrano, Marco Russ und Marc Stendera fehlen gelbgesperrt und auch die Einsätze von Stefan Reinartz, David Abraham und Haris Severovic sind aufgrund von Verletzungen fraglich. Alles andere als eine deutliche Niederlage wäre eine große Überraschung. Denn im Gebälk der Frankfurter knirscht es an allen Ecken und Enden.

Kollektive Formschwäche der Leistungsträger 

Es war erschreckend, wie spielerisch unkreativ sich das Team gegen die bieder kämpfenden Darmstädter und Mainzer präsentierte. Einstige Leistungsträger wie Stefan Aigner oder Makoto Hasebe sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Haris Severovic etwa ist zwar der kämpferische Wille nie abzusprechen, aber er zeigt sich oft zu übermotiviert. Gegen die Lilien etwa verpasste er nur knapp die rote Karte nach einem sehr sinnfreien Foulspiel an der Torauslinie

Das Problem mit Kapitän Alex Meier 

Meier ist in Dortmund nach der Sperre wieder dabei. Die Fans hoffen freilich, dass der amtierende Torschützenkönig wieder zur alten Stärke zurück findet. Doch gerade als Kapitän liefert er in den vergangenen Wochen ein schlechtes Bild ab. Mit dem Platzverweis in Mainz durch zwei überflüssige Fouls erwies er der Mannschaft einen Bärendienst. Einem erfahrenen Spieler wie Meier darf dies vor allem in der jetzigen Situation nicht passieren. Es ist ohnehin fraglich, ob der 32-Jährige die richtige Wahl zum Kapitän war. In Interviews zeigt er sich oft hölzern und steif. Seine Vorgänger Kevin Trapp und Pirmin Schwegler waren zwar auch nicht als Lautsprecher bekannt, aber beiden nahm man eher ab, dass sie die Mannschaft aufrütteln und motivieren können. Meier wirkt oft so, als ob ihn das alles gar nichts angeht. Bezeichnend: Der zwölf Jahre jüngere Marc Stendera benennt schonungslos die Defizite: „Nicht jeder im Team gibt 100 Prozent.“ Auch Bastian Oczipkas Aussage nach der Darmstadt-Partie passt dazu: „Einige wollten gar nicht mehr richtig den Ball haben, je länger das Spiel lief.“ Doch Meier widerspricht: „Ich glaube nicht, dass es an der Einstellung liegt.“

Nerven der Funktionäre liegen blank 

Ebenso seltsam agieren die Herren aus der Reihe der SGE-Funktionäre. Selbst der stets betont unaufgeregte Heribert Bruchhagen scheint die Nerven zu verlieren. Nach einer legitimen Moderatorfrage zur Zukunft des Trainers blaffte er zurück: „Diese Frage steht ihnen überhaupt nicht zu.“ Da irrt der 64-Jährige. Ein Trainer, der mit seinem Team in der Hinrunde nur drei Siege einfährt, sang- und klanglos aus dem DFB-Pokal gegen einen Drittligisten ausscheidet und aus geforderten vier Punkten gegen Mainz und Darmstadt Null erreicht, steht zurecht in der Kritik.

Präsident Peter Fischer reiht sich sich in das derzeitige schiefe Bild bei der Eintracht passend ein. Die Verbrennungsaktion der Chaoten aus dem Darmstadt-Spiel verharmloste er und ließ sich zu einer zweifelhaften Aussage hinreißen. „Bevor die hingehen und irgendwelche anderen Leute prügeln, können die von mir aus auch ein Banner verbrennen. Irgendwo gibt es auch Ventile, das kann ich verstehen. Wie sollen die ihren Frust loslassen?“

Und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Axel Hellmann kritisiert nach dem Mainz-Spiel die Frankfurter Fans, weil sie in der zweiten Halbzeit teilweise die Anfeuerungen eingestellt hatten. Dabei ist es nur verständlich, dass auch bei den treusten Anhängern, die jährlich tausende Euro und viel Freizeit für die Eintracht opfern, das Maß irgendwann voll ist.

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