Ende einer großen Karriere

Nicole Leder: Nie mehr Ironman

+
Nicole Leder in Roth.

Region Rhein-Main – In 9:04,11 Stunden gewann die Triathletin Nicole Leder 2007 den Ironman in Frankfurt. Einer der Höhepunkte ihrer Karriere. Am vergangenen Sonntag hat die 41-Jährige beim Roth-Challenge in Mittelfranken ihre Profikarriere mit einer Zeit von 9:50,58 beendet. Von Norman Körtge

Warum haben Sie ihre Profikarriere in Roth und nicht in Frankfurt beim Ironman beendet?

In Roth schließt sich für mich ein Kreis. 1994 bin ich dort noch unter meinem Mädchennamen Mertes bei meinem ersten Ironman gestartet. Ich habe mich damals relativ spontan dafür entschieden und mich erst sechs Wochen davor angemeldet. Damals war Roth noch nicht so frühzeitig ausgebucht wie in den vergangenen Jahren. Ich habe dann einfach ein bisschen länger trainiert und den Ironman geschafft.

Können Sie sich noch an die Gefühle beim Überqueren der Ziellinie 1994 in Roth erinnern?

An den Wettkampf erinnere ich mich kaum. Aber in sehr guter Erinnerung habe ich, dass ich danach neben dem mehrfachen Hawaii-Sieger Mark Allen stand (lacht).

Wie lief es am vergangenen Wochenende?

Dass ich nicht mehr um den Sieg kämpfen würde, war mir bewusst. Aber die Beine wollten auch nicht so, wie ich es wollte. Ich habe dann umgeschaltet und versucht, die Stimmung mitzunehmen und zu genießen.

Und wie waren die letzten Meter? Gab es einen emotionalen Moment auf der Strecke?

Auf der Strecke gab es viele besondere Momente: Zuschauer, Helfer und Athleten, die mir alles Gute wünschten. Im Ziel gab es einen tollen Empfang von meiner Familie und meinen Kolleginnen vom Team Erdinger. Aber auch wenn man nicht mehr die Zeit im Blick hat, muss man sich konzentrieren. Erst im Nachgang, nachdem die vielen Interviews vorbei waren und ich auch ein paar Sachen gelesen habe, ist bei mir schon die eine oder andere Träne geflossen.

Welche Langstrecke ist schöner: Roth oder Frankfurt?

Es wird zwar immer versucht, eine Rivalität zwischen Roth und Frankfurt herzustellen, aber ich finde, sie sind einfach unterschiedlich und auf ihre Art und Weise jeweils schön. In Frankfurt ist es die City, in Roth die Natur und der wahnsinnige Support des ganzen Landkreises und ihren Menschen.

Was heißt es Profi-Triathlet zu sein? Kann man davon leben?

Leben kann man davon schon, reich wird man aber nicht und ausgesorgt habe ich auch nicht. Von Sponsoren habe ich entweder ein Fix-Gehalt bekommen oder die Ausrüstung. Dazu kamen Prämien für Platzierungen oder auch Antrittsgelder von Veranstaltern.

Triathlon, Marathon, Ironman – der Ausdauersport hat in den vergangenen Jahren viel Zulauf erfahren. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür?

Es ist zu einem Statussymbol geworden, zu zeigen, was man drauf hat. Das finde im Prinzip nicht schlecht. Ich sehe es allerdings kritisch, wenn versucht wird, die Ironman-Distanz nach einer zu kurzen Trainingszeit zu absolvieren. Dahinter sollte eine mehrjährige Vorbereitung stehen. Schließlich soll man nicht seine Gesundheit ruinieren. Auch die Olympische Distanz (Anmerkung der Redaktion: 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Rad und Zehn-Kilometer-Lauf) hat ihren Reiz.

Sie werden sicherlich den Neoprenanzug und die Laufschuhe nicht an den Nagel hängen. Was macht Nicole Leder nach dem Karriereende?

Lesen Sie auch:

Laufschwein Detlef Saemann hat seinen ersten Triathlon geschafft

Drei Frauen aus der Region wollen ganz vorne bei Ironman mitlaufen

Jenny Schulz aus Friedrichsdorf hat Ironman im Blick

Ich werde weiterhin Triathlon machen. Aber keine Langdistanz mehr. Dafür ist der Trainingsumfang zu hoch. Und ich werde an Wettkämpfen teilnehmen, an denen ich vorher nicht mitmachen konnte, weil sie nicht in den Trainingsplan gepasst haben. Mit meinem Mann betreibe ich weiter die Sport-Geschäfte und sehr viel Spaß macht mir das Personal-Coaching.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare