Darmstadt 98 und die Zweite Liga

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Darmstadts Kapitän Aytac Sulu  führte sein Team in die Aufstiegsrelegation zur Zweiten Fußball-Bundesliga.

Darmstadt – Unabhängig davon, wie es mit der umstrittenen Lizenz von Zweitliga-Aufsteiger RB Leipzig  weiter geht, schauen Spieler, Fans und Verantwortliche des SV Darmstadt 98 am heutigen Sonntag ganz genau gen Sachsen. Von Jens Dörr

Beim Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden  und Arminia Bielefeld  (Anstoß 15.30 Uhr) entscheidet sich, auf wen die Lilien in den Relegationsspielen zwischen Dritter Liga und Bundesliga-Unterhaus treffen. Nächsten Freitag, 16. Mai, um 20.30 Uhr haben die 98er gegen eines der beiden Teams zunächst Heimrecht, ehe am 19. Mai das Rückspiel in der Fremde ansteht. .

Spannende Tage in Darmstadt: Vor 21 Jahren stiegen die Südhessen aus Liga zwei ab, waren dort seither nicht mehr gesehen. Nun die historische Chance zum Aufstieg. Bei aller sportlichen Güte, die die Mannschaft um Trainer Dirk Schuster, Kapitän und Innenverteidiger Aytac Sulu und Drittliga-Bomber Dominik Stroh-Engel  (27 Tore) derzeit auf den Platz bringt: Bei Aufstieg wären die 98er wohl die graue Maus im Unterhaus.

Die Mittel sind auch in der Zweiten Liga begrenzt

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„Wir werden unserem Darmstädter Stil treu bleiben“, kündigt Präsident Rüdiger Fritsch  schon einmal an. Man werde eine mögliche Zweitliga-Saison zwar „mit größtmöglicher Professionalität, aber nur mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln angehen“. Die sind gering, die Aufstockungsmöglichkeiten begrenzt:
Im maroden städtischen Böllenfalltor-Stadion hat der SV 98 fast jede Vermarktungschance ausgeschöpft. „Natürlich versuchen wir, marketing- und vertriebstechnisch nachzulegen – vielleicht können wir ja ein größeres Hospitality-Zelt aufstellen und mit Wechselbanden  mehr Werbepartner unterbringen“, sagt Fritsch.

Die großen Millionen lassen sich dadurch aber kaum generieren. Hoffnung macht vor allem, dass es in Liga zwei pro Saison mehr als vier Millionen Euro TV-Geld  gibt – in der Dritten Liga waren es knapp 800.000 Euro. Wer hofft, der derzeitige 2,3-Millionen-Euro-Spieleretat würde explodieren, wird von Geschäftsführer Michael Weilguny  schnell wieder auf den Boden zurückgeholt: „Wir haben ja auch steigende Kosten.“ Realistisch sei ein Etat fürs Zweitliga-Team in Höhe von vier Millionen Euro. Zum Vergleich: Kaiserslautern kündigte gerade an, in der nächsten Zweitliga-Runde etwa elf Millionen fürs kickende Personal auszugeben. Bei Aufsteiger Heidenheim sollen sogar bis zu 13 Millionen Euro bereitgestellt werden.

„Fritsch: Wir fangen nicht an, zu spinnen“

In Darmstadt arbeiten neben Spielern, Trainern und Betreuern derzeit gerade einmal fünf Vollzeitkräfte plus einige Aushilfen. „Den ein oder anderen zusätzlichen Mitarbeiter könnten wir bei Aufstieg vielleicht einstellen, werden aber auch dann nicht anfangen zu spinnen“, so Fritsch. Im Marketing sowie der Pressearbeit könne sich womöglich etwas tun. Einen Sportdirektor brauche man nicht: „Das ist originäre Aufgabe des Trainer-Teams. Viele Köche verderben den Brei.“ Bei Kickers Offenbach  wissen sie ein Lied davon zu singen.

Wie umfangreich auch immer die „Lilien“ bei Aufstieg ihr Personal aufstocken würden - auf der Geschäftsstelle fänden neue Mitarbeiter keinen Platz mehr: „Die Räumlichkeiten in dem alten Stadion sind ausgereizt. Wir müssten uns mit Bürocontainern behelfen.“ Und Wirtschaftsjurist Fritsch selbst? „Das Präsidium  wird selbstverständlich auch in der Zweiten Bundesliga ehrenamtlich tätig sein.“

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