Es fehlt noch Personal

SV Darmstadt: „Hooligan“ als Neuzugang im Sturm?

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Torwart Christian Wetkloliefert sich mit Christian Mathenia ein Duell um die Nummer eins beim SV Darmstadt 98.

Darmstadt – Noch warten die Fans auf weitere spektakuläre Neuzugänge für die Zweitliga-Saison. Derweil lässt Trainer Dirk Schuster  schon früher als andere Teams eifrig trainieren. Und heute wird in Erzhausen gekickt. Von Jens Dörr

Zuletzt eilte der SV Darmstadt 98 sportlich seiner Infrastruktur voraus: Während die Mannschaft von Trainer Dirk Schuster im DFB-Pokal für Furore sorgte und den völlig überraschenden Zweitliga-Aufstieg schaffte, genügte das verfallende Böllenfalltor-Stadion noch nicht einmal üblichen Drittliga-Ansprüchen. Seit ein paar Tagen sind die Vorzeichen andere: Dem Neubau des städtischen Stadions steht nicht mehr viel im Weg und die kurzfristigen Maßnahmen, damit die „Lilien“ ihre ersten Heimspiele im August am „Bölle“ austragen können, wurden begonnen. Die Mannschaft hingegen startete zwar früher als alle anderen Zweitligisten in die Vorbereitung, neue Feldspieler sind bislang aber Fehlanzeige. Eine schier endlose Wartezeit ist seit vergangener Woche jedenfalls vorüber: Das Land Hessen hat der Stadt Darmstadt 10,5 Millionen Euro für den Neubau des städtischen Stadions am Böllenfalltor – bisher nahezu ausschließlich genutzt vom SV Darmstadt 98 – zugesagt. Man verfüge nun über eine „solide Basis“ für die nächsten Schritte, freute sich Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne).

Damit blieb Wiesbaden zwar unter der erhofften Zusage von bis zu 14 Millionen Euro. Dem sukzessiven Neubau am jetzigen Standort unter Aufrechterhaltung des Spielbetriebs steht nun aber wohl nichts mehr im Wege. Den Rest der zunächst veranschlagten 27 Millionen Euro Baukosten für eine 18.000-Zuschauer-Arena dürfte die Stadt Darmstadt trotz hoher Schulden größtenteils selbst gern aufbringen. Jahr für Jahr steckt sie schon Hunderttausende ins marode Stadion – ohne sichtbare Verbesserung und ausschließlich, um die wichtigsten Auflagen überhaupt zu erfüllen. Derzeit rollen die Bagger durch das auf Schutt des Zweiten Weltkriegs erbauten Stadions, was aber noch nichts mit dem Neubau zu tun hat: Ein Fachunternehmen installiert momentan eine Rasenheizung. Ist die bis zum ersten Heimspiel – obwohl im Hochsommer – nicht vorhanden, müssten die 98er ihre erste Zweitliga-Partie nach 21 Jahren Abwesenheit beim FSV Frankfurt austragen.

Früher in die Vorbereitung

Auf der sportlichen Seite entpuppen sich die „Lilien“ als wahre Frühblüher: Am Donnerstag der Vorwoche startete die Schuster-Elf früher als alle anderen Zweitligisten in die Vorbereitung – und musste da beim benachbarten Kreisoberligisten SV Traisa üben, der bessere Trainingsbedingungen bietet als die Anlage rund ums Darmstädter Stadion. „In der Dritten Liga hätten wir später angefangen“, erläutert Schuster. So aber sei der frühe Beginn geplant gewesen, gerade um sich im Training ohne Zeitdruck auch Testspieler anschauen zu können. Wann aus den vorspielenden Kandidaten neben den schon verpflichteten Torhütern Christian Wetklo (34) und Christian Mathenia (22) der erste Neuzugang fürs Feld wird, ist noch offen. „Wir wollen noch sieben bis acht Plätze im Kader besetzen und sind mit Angreifer Maurice Exslager vom 1. FC Köln im Gespräch“, sagt Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch. Ablöse werde man für den 23-Jährigen – Spitzname „Hooligan“ –, der noch einen Vertrag bis 2016 besitzt, aber nicht aufbringen. Das sei beim knapp 4,5 Millionen Euro betragenden Etat nicht drin. Diesen Sonntag (22. Juni, 16 Uhr) testet der SV Darmstadt 98 beim SV Erzhausen. Am 26. Juli (Anstoßzeit noch offen) spielt er beim Verbandsligisten SC Hessen Dreieich in Sprendlingen. Mit dem SC Hessen kooperieren die „Lilien“ im Nachwuchsbereich. Schon an diesem Wochenende anschauen können sich die Fans neben den neuen Keepern auch die dem eigenen Nachwuchs entstammenden Feldspieler Marco Komenda (17, linker Verteidiger und Mittelfeldspieler) und Timon Fröhlich (18, rechter Verteidiger) sowie Torwart Sadra Sememy (18). Sie erhalten einen Platz im Bundesliga-Kader und die Chance, sich für Einsätze in der Zweiten Liga zu empfehlen.

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