Aus Bad Homburg

Christian Hass ist Deutschlands große Eiskunstlauf-Hoffnung

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Eiskunstläufer Christian Hass aus Bad Homburg startet seit drei Jahren für den Mannheimer ERC.

Region Rhein-Main – Er gehört zu den größten Eiskunstlauf-Hoffnungen in Deutschland. Der Bad Homburger Christian Hass steht vor einer vielversprechenden Karriere. Was er dafür alles auf sich nimmt und was ihn dazu motiviert, hat der 16-jährige Schüler dem EXTRA TIPP erzählt. Von Oliver Haas

„Ich war als Kind oft krank, deshalb hat mich meine Mutter zum Eiskunstlauf geschickt, um mich abzuhärten“, sagt Christian Hass. Der Bad Homburger gilt als eines der größten Nachwuchstalente in der deutschen Eiskunstlaufszene. Fast sein gesamtes Leben richtet sich nach dem Sport. „Ich trainiere sechsmal in der Woche für jeweils zwei Stunden. Nur sonntags habe ich frei“, sagt Hass. Seit drei Jahren kommt an jedem Trainingstag auch noch eine fast 200 Kilometer lange Fahrtstrecke hinzu. Denn er trainiert für den Mannheimer ERC und schnürt er seine Schuhe für den Landesverband Baden-Württemberg. Mutter Tatiana Levantovich fährt ihren Sohn. 1200 Kilometer pro Woche sind die beiden unterwegs. „Die Wahl fiel auf Mannheim, weil der dortige Olympiastützpunkt das am nächstgelegenste Leistungszentrum für Eiskunstlauf ist“, erklärt Christian Hass.

Aufgrund des vielen Trainings bleibt dem 16-jährigen Schüler der Begemann-Schule in Frankfurt kaum Freizeit. Einen großen Freundeskreis habe er nicht. „Aber die Freunde, die ich habe, verstehen es, wenn ich mal keine Zeit habe. Und das sind dann auch echte Freunde“, sagt er. Auch für andere Hobbys fehlt die Zeit. Obwohl er sechs Jahre sogar Standard getanzt hat. Und das auch sehr erfolgreich, denn Hass wurde Dritter bei der Hessenmeisterschaft. „Irgendwann musste ich mich natürlich entscheiden“, so Hass. Und die Wahl fiel klar auf den Eiskunstlauf. Vor allem weil der Sport so variantenreich ist, übe er schon immer eine große Faszination auf ihn aus. Und lässt ihn die Strapazen eines Leistungssportlers ertragen: „Wie der Name schon sagt: Es ist Kunst. Und es macht mir sehr viel Spaß, diese Kunst mit meinem Körper darzustellen.“ Es sei immer wieder spannend, wie man sich im Laufe der Karriere steigern könne und müsse. Wenn etwa erst der einfache, dann der doppelte oder dreifache Sprung gelingt, dann sei dies jedes Mal aufs Neue eine große Motivation.

Seine Lieblingsfigur ist der „Doppel-Axel“. Das ist im Eiskunstlauf auch der Moment, bei der sich die Spreu vom Weizen trennt. Als 13-Jähriger hatte er ihn geschafft und damit den potentiellen Weg als Top-Läufer geebnet. Seinen bisher größten Erfolg feierte er beim Deutschlandpokal, als er deutscher Nachwuchsmeister wurde. Zuvor hatte er sämtliche Kinderpreise abgeräumt, wurden hessischer Anfänger- oder Nachwuchsmeister.

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Aber auch schmerzhafte Tiefs hat Christian Hass schon erleben müssen. Bei einem Wettkampf in Italien stützte er vor der Kür im Training so schwer, dass er sich einen Bänderriss zuzog und der Wettkampf schnell beendet war. „So was passiert eben. Aber mittlerweile ist alles verheilt. Auch nach so etwas muss es weiter gehen“, sagt Hass abgeklärt mit ruhiger Stimme.

Vom 7. bis 22. Februar wird er das erste Mal olympische Luft in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang schnuppern. Er nimmt zwar nicht direkt daran teil, reist aber ins Deutsche Olympische Jugendlager. „Für diese Reise musste man sich als Sportler bewerben.“ Er freut sich vor allem darauf, die Paläste zu sehen. Auch ein Besuch an die Mauer zwischen Süd- und Nordkorea sei geplant. Neben seiner Karriere will er seine Schullaufbahn nicht vernachlässigen. Denn nach seinem Abitur will Christian Hass Wirtschaftspsychologie zu studieren. Um sich das Studium zu finanzieren, will er den Trainerschein machen. Und eines hat sich schon jetzt für Christian Hass gelohnt. Erkältet sei er tatsächlich sehr selten, seit er diesen Sport betreibe.

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