Nach 23 Jahren treffen sie aufeinander

Vorfreude auf das "Hochsicherheitsspiel" Frankfurt gegen Darmstadt

Frankfurt – 23 Jahre ist es her, dass die Frankfurter Eintracht und der SV Darmstadt 98 zuletzt in der Bundesliga gegeneinander gespielt haben. An diesem Sonntag ist es mal wieder so weit – da findet das Hessenderby der Bundesliga in der Frankfurter WM-Arena statt. Von Peppi Schmitt

Beide Seiten betonen, wie sehr sie sich auf dieses Spiel freuen. „Wir wollen es einfach genießen“, sagt Marcel Heller, pfeilschneller Stürmer der Darmstädter, einst bei der Eintracht unter Vertrag. „Wir freuen uns darauf, es wird eine bombastische Stimmung herrschen“, glaubt Eintrachts Mittelfeldspieler Marc Stendera, der nach Verletzungspause wieder spielen will. Auch die Fans beider Seiten sind schon seit Wochen im Derbyfieber. Bei einigen freilich hat dies zu einer offensichtlichen Überhitzung geführt. Die gegenseitigen Schmähungen gingen weit über das normale und erträgliche Maß hinaus. In Frankfurt aufgetauchte Aufkleber, die zur Gewalt gegen Lilien-Fans aufriefen, haben sogar die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Bei der Deutschen Fußball-Liga und der Polizei gilt die Partie sowieso als „Hochsicherheitsspiel“. Die Arena ist mit 51.500 Zuschauern seit Wochen ausverkauft, mindestens 5000 Anhänger der Darmstädter werden erwartet. Offizielle wie Spieler versuchen die Brisanz auf das Sportliche zu begrenzen. Da ist ja auch genug Spannung drin. Denn das Darmstadt mit einem Punkt vor der Eintracht liegt, konnte vor der Saison nun wirklich niemand erwarteten. Dementsprechend gehen die Gäste mit einem großen psychologischen Vorteil ins Spiel, obwohl auch sie seit fünf Spielen auf einen Sieg warten. Die Eintracht steht unter absolutem Siegzwang. Klappt das nicht, könnte die sowieso schon schlechte Stimmung endgültig kippen. Stark in der Kritik steht Trainer Armin Veh - freilich vor allem bei den Fans und den sozialen Netzwerken. Intern ist der Coach nach wie vor unumstritten. Und deshalb würde eine Niederlage auch für ihn persönlich keine Folgen haben. Allerdings würde der Druck auf die Eintracht immer mehr steigen. „Wir müssen als absolute Einheit auftreten“, fordert auch deshalb Vorstand Axel Hellmann, dies gelte für die Mannschaft wie für die Fans. „Der Block muss wie eine Wand hinter dem Team stehen“, sagt er. Anlass für Hellmanns Sorge: Beim Derby in Mainz hatten die Fans ihre Mannschaft nach der Halbzeit im Stich gelassen.

Darmstädter geben sich zurückhaltender

Die Darmstädter ihrerseits haben versucht, so wenig Öl ins Feuer zu gießen wie möglich. Gerade die beiden ehemaligen Frankfurter haben jedes kritische Wort an ihrem früheren Arbeitgeber vermieden. „Mich hat man bei der Eintracht immer gut behandelt“, hat Marcel Heller gesagt, „ich hatte zwar ziemlich wenige Einsätze in Frankfurt, aber ich war auch halt oft verletzt.“ Bei den „Lilien“ ist Heller inzwischen zu einem Bundesliga-Star aufgestiegen. Und Jan Rosenthal, erst vor einem Jahr ans Böllenfalltor gewechselt, wollte seinem früheren Trainer Armin Veh, mit dem er nicht immer einer Meinung war, keine Schuld am Scheitern in Frankfurt geben. „Er hat so gehandelt, wie er geglaubt hat, es sei das Richtige für die Mannschaft“, sagt Rosenthal, der weder unter Veh noch unter dessen Nachfolger und Vorgänger Thomas Schaaf die hohen Ansprüche hatte erfüllen können. Bei den Lilien ist er inzwischen Stammkraft. Geeint hat beide Seiten unter der Woche die Betroffenheit nach dem schweren Unfall von Johannes Flum. Der Eintracht-Mittelfeldspieler war im Training mit dem Kollegen Slobodan Medojevic zusammengeprallt und hatte sich einen Bruch der linken Kniescheibe zugezogen. Es hatten sich am Dienstag dramatische Szenen auf dem Trainingsplatz abgespielt, denn nach dem Rettungswagen musste auch noch ein Rettungshubschrauber angefordert werden. Inzwischen ist Flum operiert und es gab bei allem Unglück auch eine kleine gute Nachricht für ihn. Außer der gebrochenen Knieschiebe waren alle anderen wichtigen Teile des Gelenks in Ordnung, also keine Bänderrisse oder Knorpelschäden. „Am Abend vor deinem Unfall haben wir noch zusammengesessen, das nimmt einen wirklich mit“, schrieb Flums Freund Jan Rosenthal, „Gute Besserung, mein Freund.“ Die Eintracht-Mannschaft twitterte ein Foto aus der Kabine, in dem sich alle mit dem Trikot mit „Nr. 18“ zeigten. Darunter schrieb Kapitän Alex Meier: „Lieber Flumi, du packst das, und wir freuen uns, wenn wir dich wieder auf dem Platz begrüßen können.“

Meier wird beim Derby fehlen, er ist nach der „gelb-roten“ Karte aus Mainz gesperrt. Die Gegenseite muss auf Verteidiger György Garics verzichten, auch er ist gesperrt. Was Trainer Dirk Schuster vor ein Problem stellt, denn einen weiteren stabilen rechten Verteidiger hat er nicht im Kader. Es muss also experimentieren. Die Eintracht hofft darauf, dass die angeschlagenen Stendera, Reinartz und Russ wieder im Kader stehen können. Sein Heimdebüt wird Mijat Gacinovic feiern. Der 20 Jahre alte Serbe hatte in Mainz einen überzeugenden Einstand gegeben

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