Schlimme Einbrüche, kein Selbstbewusstsein

Die Bundesliga-Hinrunde war für die SGE ein Drama

Frankfurt - Im letzten Spiel der Vorrunde hat die Frankfurter Eintracht nochmal die Kurve gekriegt. Dennoch: Die Abstiegsangst bleibt bei der SGE in einer Saison voller Sorgen, Turbulenzen und geplatzter Träume. Von Peppi Schmitt

Tiefpunkt einer zerfahrenen Hinrunde: Die 0:1-Niederlage zu Hause gegen den Lokalrivalen SV Darmstadt 98,hier Marcel Heller gegen Bastian Oczipka, saß nach dem ebenfalls verlorenenen Rhein-Mai-Derby gegen Mainz besonders tief

Wer das letzte Spiel der Frankfurter Eintracht in diesem Jahr miterlebt hat, kann gar nicht glauben, wie schwer diese Vorrunde war, wie hart die Kritik, wie groß die Sorgen. Gegen Werder Bremen war einen Tag vorm vierten Advent alles anders, alles besser. Die Eintracht hat die Bremer mit 2:1 besiegt, dabei endlich wieder einmal engagierten, offensiven Fußball gezeigt. Die Zuschauer haben ihre Mannschaft gefeiert, in der Vorstandsetage und in der Kabine hatte große Erleichterung geherrscht. „Wir haben auf allen Ebenen die Kurve gekriegt“, hat Vorstand Axel Hellmann gesagt. Die Frankfurter hatten die letzte Chance genutzt, halbwegs in der sportlichen Spur zu bleiben. Siebzehn Punkte nach siebzehn Spielen sind nicht viel, schon gar nicht genug für die Ansprüche, die die Eintracht an sich selbst gestellt hat. Nach dem Trainerwechsel im Sommer von Thomas Schaaf zurück zu dessen Vorgänger Armin Veh sollte der Blick nach oben gerichtet werden.

Tiefpunkt war die Derbyniederlage gegen Darmstadt

Doch Ende November, Anfang Dezember haben die Frankfurter in den Abgrund gesehen. Die Abstiegsgefahr war und ist existent. Der Tiefpunkt der Saison war erreicht, als die Frankfurter zu Nikolaus am 6. Dezember gegen den Nachbarn SV Darmstadt 98 das Hessenderby mit 0:1 verloren. Das war ein schwerer Schlag für alle, die es mit den „Adlern“ halten. Es hat den Club nicht in den Grundfesten erschüttert, dafür wird die Eintracht seit einigen Jahren zu stabil geführt. Doch diese Niederlage hat für Unruhe gesorgt, für Turbulenzen, für Unsicherheiten. Um all dem zu begegnen, ist der Sieg gegen Werder nicht hoch genug einzuschätzen. Die negative Entwicklung war so auch nicht zu erwarten gewesen. Sportdirektor Bruno Hübner schien es im Sommer gelungen, die Mannschaft zu verstärken. Torwart Lukas Hradecky, Abwehrspieler David Abraham, Mittelfeldspieler Stefan Reinartz und Angreifer Luc Castaignos hatten alle das Zeug zum Stammspieler. Diese Rechnung ging zu Beginn der Saison auch auf. Die Eintracht startete passabel, die Begeisterung, die die Rückkehr des Trainers intern entfacht hatte, bestätigte sich auf dem Platz. Die Eintracht spielte trotz knapper Niederlagen auf Schalke und in Wolfsburg guten Fußball, sie siegt beim VfB Stuttgart 4:1 und eine Woche darauf zu Hause gegen den 1. FC Köln mit 6:2. Es war jenes denkwürdige Spiel, als sich Torjäger Alexander Meier nach fünfmonatiger Verletzungspause gleich mit drei Toren zurückmeldete. Die Frankfurter waren in der Spur, die Träume vom Kampf um Europa schienen realistisch, an Abstiegskampf dachte niemand. Und dann ging etwas gründlich schief.

Bis heute gibt es keine Erklärung für den Einbruch

Bis heute gibt es dafür keine Erklärungen. Nach dem 1:1 zu Hause gegen Hertha BSC ging es abwärts, der Sinkflug wurde zum Sturzflug. Spätestens mit der 1:5-Pleite gegen Borussia Mönchengladbach, es war die erste Heimniederlage nach fünfzehn Spielen, war das Selbstvertrauen wie weggeblasen. Es gab schlimme Einbrüche, die Niederlagen in Ingolstadt, das Pokal-Aus in Aue bis hin zum Tiefpunkt gegen Darmstadt. Auf einmal stand da keine Mannschaft mehr auf dem Platz, es gab große Probleme rechts defensiv und links offensiv. Der Trainer hatte seine Spielphilosophie geändert, weg von der Offensive, hin zur Defensive, was beim 0:0 gegen Bayern München zu einem Hoffnungsschimmer führte. Stammkräfte wie Reinartz, Zambrano, Meier, Aigner waren völlig von der Rolle. Die „Eigendynamik des Misserfolgs“, wie es Vorstandschef Heribert Bruchhagen nannte, hatte die Eintracht erfasst. Das war die eine Erklärung, die andere: Zu viele Spieler waren nicht fit, dauernd verletzt, gesperrt, nach Verletzung noch nicht wieder im Rhythmus. Die Liste der Ausfälle wurde lang und länger, beim Spiel in Dortmund (1:4) brachte der Trainer nicht einmal mehr achtzehn Profis zusammen. Die Eintracht hat sich noch so in die Weihnachtspause geschleppt. Und es wenigstens geschafft, auf einem Nichtabstiegsplatz zu überwintern. Das ist nicht viel, aber nach den jüngsten Horrorwochen wenigstens etwas.

Rubriklistenbild: © Jan Hübner

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