Blacky geht: Der Fan-Liebling verabschiedet sich vom Eis

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Michael Schwarzer an der Scheibe. Solche Szenen werden die Fans nicht mehr häufig sehen.

Frankfurt – Wenn durch die Frankfurter Eissporthalle der Uralt-Schlager von Vico Torriani „Du schwarzer Zigeuner“ klingt, käme kein Fan der Löwen auf die Idee, nach dem Migrationsbeauftragten zu rufen. Denn der Ohrwurm der frühen Fünfziger bedeutet schlicht: Er hat wieder getroffen. Er ist Michael Schwarzer, fast 25 Jahre jung und „Torjäger vom Dienst“. Jetzt nimmt er Abschied. Von Uwe Lange

Der einstige Fan der Lions-Ära, der jedes Spiel der Profis am Ratsweg mit stetig wechselnden Positionen „vagabundierend“ verfolgte und sich so seinen Spitznamen einfing, ist seit dem Neustart der Löwen in der Regionalliga die Kultfigur des Frankfurter Eishockeys. „Blacky“, wie jeder den gelernten Mechatroniker nur nennt und der seinem Job immer noch jeden Tag nachgeht, packte die Chance beim Schopfe und erfüllte sich trotz Doppelbelastung den Jugendtraum vom Profi auf dem Eis nach dem Aufstieg im Frühjahr 2011, zu dem er viel beigetragen hatte.

Nicht nur seine spektakulären 21 Tore ließen ihn zum Helden der Fangemeinde werden, sondern seine unzähligen fannahen Aktivitäten abseits des gefrorenen Nasses. Über Nacht zum gefeierten Medienstar zu werden, damit kommen nicht viele klar, Überheblichkeit und Arroganz ist oft die Folge solcher unverhoffter Wertsteigerung. Nicht so bei der Nummer 16 der Löwen, der als Kapitän eines jungen Teams immer die Basis suchte, dort jederzeit ansprechbar und verfügbar blieb, für jeden ein offenes Ohr hatte, keiner Frage aus dem Weg ging.

Der Kapitän der Herzen

Schwarzer, der aus einer eishockeyverrückten Familie aus dem Odenwald stammt und seine ersten Erfahrungen im Eishockey-Internat in Füssen sammelte, sprang unbeabsichtigt in die Marktlücke, die nach großen Namen im Frankfurter Eishockey wie Ian Gordon oder Len Barrie eher Gesichter und Typen suchte, die bodenständig, heimatverbunden und anfassbar waren.

Auch sein gelebter Realismus war ihm immer erhalten geblieben, der ihm sagte, dass die Oberliga die große aber auch letzte Chance sein würde, die Träume der Kindheit zu verwirklichen. Schnell war ihm klar, dass der Abstand zu den etablierten Spielern der Frankfurter doch unerwartet größer war, so dass ihn die Versetzung von Reihe eins in die vierte der Stürmer nicht verletzte.

Am Wochenende nimmt der „Kapitän der Herzen“ viel zu früh Abschied vom Leistungssport, ein Bandscheibenvorfall lässt intensives Training und Spiele nicht mehr zu. In der Frankfurter „Hall-of-fame“ ist ihm jedoch ein Platz neben den Erhardts, Lalas und Lebeaus sicher, der die Titelsammlung vom Regionalligameister, Oberliga-Aufsteiger, Hessencup-Sieger und der „Mannschaft des Jahres“ beinhaltet.

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