Die besonderen Ballzauberer

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Die Futsal Adler Eschborn beim Spiel gegen Erfelden. 

Eschborn – In Brasilien ist Futsal nicht nur Sport, sondern auch Lebensgefühl. Hierzulande ist die Variante des Hallenfußballs kaum verbreitet. Dabei ist das körperlose Spiel „das beste Training für einen Fußballer“, sagt Geo Schirrmacher, sportlicher Leiter der Futsal Adler Eschborn.

Und es fallen jede Menge Tore, wie das Verbandsliga-Spitzenspiel der Adler gegen Erfelden zeigte. Gleich 20 Mal saust das kleine, rote Spielgerät an diesem Nachmittag ins Tornetz. Mit hoher Präzision und Tempo. Dabei tun sich besonders die Schlappekicker Erfelden hervor, die mit 15 Treffern ziemlich genau ihrem Schnitt treu bleiben. 63 Tore hat der Tabellenführer der Futsal-Verbandsliga bereits erzielt – in nur vier Spielen.

Mannschaftsfoto der Adler Eschborn.

Eine Ausbeute, die auf dem Feld draußen utopisch und auch im „normalen“ Hallenfußball undenkbar wäre. Die Futsal Adler Eschborn haben das Nachsehen. Ihre fünf Treffer sind zu wenig. Die Aufstiegshoffnungen des Tabellendritten haben einen Dämpfer bekommen.

Erst vor zwei Jahren hat sich die Mannschaft, die dem 1. FC Eschborn angegliedert ist, unter ihrem neuen Namen „Futsal Adler Eschborn“ gegründet. Zuvor hatten die Kicker vom Sozialzentrum Eschborn in der 1. MTK-Liga – einer Hobbyliga – gespielt.

Die Idee, Futsal zu spielen wurde uns dann durch die Rhein-Main-Liga schmackhaft gemacht. Dort haben wir den Sport zum ersten Mal richtig erleben dürfen, allerdings war das Niveau der Teams nicht ganz so hoch“, erinnert sich Geo Schirrmacher. Seit August 1978 ist er Mitglied beim 1. FCE und fungiert seit 2010 als Manager der Futsal Adler.

Im selben Jahr trat das Team erstmals in der Hessenliga an und stieg mit nur 13 Spielern gleich wieder ab. In der Verbandsliga umfasst der Kader mittlerweile 22 Spieler. Zu den namhaften Gegnern zählen Eintracht Frankfurt und der SV Darmstadt 98.

Fliegende Wechsel und Zeitdruck

Futsal ist ein sehr temporeiches, intensives Spiel. Dafür sorgt nicht zuletzt das Regelwerk: Gewechselt werden darf unbegrenzt und fliegend, zur Ausführung von Freistößen und Eckbällen haben die Spieler nur vier Sekunden Zeit. Wird diese Vorgabe überschritten, wechselt der Ballbesitz zur gegnerischen Mannschaft.

Anders als auf dem Feld ist der Ball somit ständig im Spiel. Das Spielgerät selbst ist kleiner und sprungreduzierter. Der Futsal wird immer mit der Sohle gestoppt und so auch mitgezogen, um zu passen oder zu dribbeln. „Es kommt bei uns viel auf die Technik an“, sagt Schirrmacher. Doch auch weniger filigrane Spieler könnten die aus Südamerika stammende Hallenvariante ausprobieren.

Die Vorbilder in Punkto Kombinationsspiel und Passgenauigkeit kommen aus Brasilien. Die Ballzauberer vom Zuckerhut haben bereits vier Weltmeistertitel geholt. „Dort wird Futsal auch richtig gelebt“, sagt Schirrmacher. Stars wie der frühere Weltklassestürmer Ronaldo begannen ihre Karriere bei einem Futsal-Verein.

Davon sei man in Deutschland trotz begnadeter Techniker wie Mario Götze oder Mesut Özil noch weit entfernt, betont Schirrmacher. „Wir haben ja noch nicht mal eine Nationalmannschaft im Futsal.“ Spätestens 2013, so der Plan des Deutschen Fußball-Bundes, soll sich das ändern. Bis dahin wollen die Futsal Adler auch die Rückkehr in die Hessenliga geschafft haben. Der nächste Gegner am 21. Januar heißt Darmstadt. zin

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