Im beschaulichen Dieburg wird alles für studentische Sportstars getan

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Auch Unterwasserrugby wird von Dieburg aus gefördert.

Region Rhein-Main – 176 Unis und Fachhochschulen mit 1,6 Millionen Studenten und 400.000 Bediensteten gehören ihm an, er schickt Deutschlands studierende Sportler in alle Welt – doch der Sitz ist beschaulich: Mit 18 Mitarbeitern arbeitet der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband (ADH) von Dieburg aus.  Von Jens Dörr

Bis Ende 2014 ist der Verbleib auf dem Campus Dieburg gesichert. Der Generalsekretär hat sich aber gerade verabschiedet.

Das nimmt Olaf Tabor aus seinem Büro mit: Akkreditierungsnachweise aus 13 Jahren ADH.

Nach 13 Jahren verließ Olaf Tabor den ADH und ist seit Anfang September Hauptgeschäftsführer des Deutschen Alpenvereins (DAV) in München – dem mit fast einer Million Mitgliedern fünftgrößten Sportverband der Bundesrepublik. In Paul Wedeleit steht derjenige schon fest, der ab Dezember in Tabors Büro im Verwaltungsgebäude des Campus’ Dieburg (gehört zur Hochschule Darmstadt) einziehen wird. Bis dahin übernimmt Bernd Mühle kommissarisch.

Nicht viele wissen, dass im beschaulichen Dieburg die Fäden des deutschen Hochschulsports zusammenlaufen. Rund 30 Prozent der in Deutschland Studierenden nähmen ein lokales Hochschulsportangebot wahr, sagt Tabor. Das ist rund eine halbe Million, hinzu kommen noch viele tausend Hochschulmitarbeiter. „Der Bedarf liegt doppelt so hoch“, bemängelt der scheidende Generalsekretär den Sportstättenmangel.

Dabei führt der ADH die zig Angebote nicht selbst durch, sondern die Hochschulen mit ihren Kräften vor Ort. Primäre Aufgaben des Hochschulsportverbands, der 1948 in Bayrischzell gegründet wurde und im Jahr 2000 von Darmstadt nach Dieburg zog, sind andere: Pro Jahr führt der ADH nationale Veranstaltungen für Studenten und Teams verschiedener Hochschulen durch beziehungsweise schickt hiesige Athleten zu internationalen Wettkämpfen. Wer studentische Europa- und Weltmeisterschaften sowie Sommer- und Winter-Universiaden besucht, wird von Dieburg aus koordiniert. „40 Prozent der deutschen Olympioniken in London waren Studenten“, sagt ADH-Pressesprecherin Julia Beranek.

Warum es angesichts abertausender Sportvereine, Fitnessstudios und privater Sportgruppen in Deutschland eines organisierten Sports nur für Studenten und Hochschulbedienstete bedarf, fasst Tabor so zusammen: Einerseits stehe den Studenten standortnah eine Sportmöglichkeit zur Verfügung, die man eventuell sogar während der Freistunden direkt auf dem Campus ausüben könne. Andererseits gebe es die Teilnahme auch für jene, die wenig Geld und nur unregelmäßig Zeit hätten. Vor allem aber böten die deutschen Hochschulen auch Raum für exotische Sportarten, die „Orchideen“: Unterwasserrugby gehört an manchem Ort ebenso dazu wie Beachsoccer, Speedminton oder Slacklining. „Unsere für Neues offene Klientel ist ein großer Pluspunkt“, sagt Tabor in einem seiner letzten Interviews für den ADH. Da werde auch etwas für die ausländischen Studenten geboten, das hiesige Vereine selten böten – zum Beispiel Lacrosse oder orientalischer Tanz. Eins ist auch beim ADH nicht anders: Der Knaller in den Angeboten ist im Hochschulsport der Fußball.

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