Sogar ein Nationalspieler ist mit im Team

Behinderten-Fußballer der KV Mühlheim räumen alles ab  

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Räumen alles ab: die ID-Fußballer der KV Mühlheim, stehend links Coach Chris Houda.

Mühlheim – Seit Anfang der 50er Jahre gibt es in Hessen organisierten Sport für Versehrte. Zu Beginn war der insbesondere für jene gedacht, die körperliche Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg davongetragen hatten. Von Jens Dörr 

Im heutigen Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband (HBRS) finden längst tausende Frauen und Männer mit körperlichen wie intellektuellen Beeinträchtigungen ein breites Sport- und Freizeitangebot.

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Seit einigen Jahren erhält unter anderem der hessische Behinderten-Fußball einen Schub. 2014 gab es erstmals eine Hessenliga mit Kleinfeld-Teams, vor wenigen Wochen erstmals einen Hallen-Cup. Weder draußen noch unter dem Dach zu schlagen: Die Mannschaft der Kickers Viktoria (KV) Mühlheim. Vor nicht einmal einem Jahr gegründet, räumt das von Pia Layer initiierte und begleitete sowie von Chris Houda trainierte Team alles ab, was es zu holen gibt.

Unter anderem der Mühlheimer Handi-Cup trug maßgeblich dazu bei, dass sich die ID-Fußballer der Kickers Viktoria vor einiger Zeit zusammenfanden. ID steht für „Intellectual Disability“, auf Deutsch „Intellektuelle Beeinträchtigung“. Dementsprechend heißt auch die Spielklasse der Behindertenteams im Land ID-Hessenliga. Um einen zu heterogenen Grad der Behinderung zu vermeiden und Chancengleichheit zu gewährleisten, nimmt der HBRS vorab eine Klassifizierung der Spieler gemäß den Vorgaben des Deutschen Behinderten-Sportverbands vor. In der ID-Hessenliga wurden die Mühlheimer bei der Premiere 2014 vorzeitig Meister, blieben ungeschlagen, ließen die Teams aus Groß-Umstadt, Groß-Gerau, Wiesbaden und Wetzlar hinter sich. Im Darmstädter Soccer’s Treff machten es die KVM-Schützlinge kürzlich noch klarer: Auf dem Feld mit Bande und Kunstrasen besiegten sie ihre Gegner zunächst mit 4:1 und 5:1 und siegten im Endspiel gegen den durchaus hartnäckigen Gegner Groß-Gerau mit 10:0. Coach Houda, 20 Jahre lang selbst aktiver Fußballer und einst bis zur Oberliga (VfB Unterliederbach) am Ball, ist entsprechend stolz auf seine Mannschaft, die sich aus einem Dutzend Spielern aus Offenbach, Frankfurt und Hanau zusammensetzt. „Die Jungs sind wie ein Schwamm, wollen alles wissen“, sagt er über die erfüllende Arbeit mit seinen Kickern. Den Vergleich kann Houda, der auch beruflich bei den Praunheimer Werkstätten in Frankfurt mit behinderten Menschen arbeitet, aus eigener Erfahrung ziehen, trainierte er doch auch schon mehrere Mannschaften mit Menschen ohne Behinderung. Allerdings strengten die sich nicht immer so sehr an, wie die ID-Fußballer der KV Mühlheim: „Die wollen richtig gefordert werden“, sagt Houda. Der Lohn: „Wir sind der FC Bayern der Hessenliga.“ In Kai Richter mischt sogar ein aktueller Nationalspieler mit. Er ist so gut, dass er zudem beim regulären Team, der SG Marköbel II, in der Kreisliga A am Ball ist.

Überhaupt schätzt Houda, der auch Co-Trainer der ID-Hessenauswahl ist: „Die Hessenauswahl hat unteres A-Liga-Niveau.“ Seine weiteren Ziele mit der KVM und für den Behinderten-Fußball steckt er hoch: „Ich will einen meiner Spieler in die normale Verbandsliga bringen.“ Außerdem könne der Ligabetrieb noch ausgeweitet werden: „Auch wenn es wohl noch zehn Jahre dauern wird: Warum soll es keine Bundesliga geben?“ In Hessen tut sich mit Blick auf die neue Hessenliga-Saison bereits einiges: Derzeit formieren sich sowohl in Langen als auch in Köppern weitere Teams, die im Ligabetrieb mitmischen wollen.

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