Beata boxt sich durch

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Auch im Training gibt Beata Blasczyk immer hundert Prozent.

Offenbach – Sie ist die amtierende Deutsche Meisterin im Frauenboxen bis zu 57 Kilo und hat in Hessen keine Gegner. Deshalb muss Beata Blasczyk auf internationalen Wettkämpfen nach ebenbürtigen Boxerinnen suchen. Von Dirk Beutel

Sie wirkt zierlich, doch ihr Händedruck lässt vorweg schon erahnen, wieviel Kraft in ihren Fäusten steckt: Beata Blasczyk. Die 26-Jährige kämpft für den Boxclub Nordend Offenbach. Obwohl sie erst seit drei Jahren im Ring steht, ist sie auf Bundesebene bereits eine Spitzenboxerin. „Sie hat die Härte und das Kämpferherz. Sie kann noch viel mehr erreichen“, sagt Bernd Hackfort, Trainer und Geschäftsführer des Boxclub Nordend. Ebenfalls in Blasczyks Trainerstab ist Alessandra Sieber. Sie hat vor zwei Jahren ihre erfolgreiche Aktiven-Karriere beendet. In sieben Jahren wurde sie einmal Deutsche Vizemeisterin. Außerdem holte sie bei den Juniorinnen einen Meister- und einen Vizemeister-Titel. Jetzt ist die 24-Jährige ins Trainerfach gewechselt und gibt ihr Wissen an die amtierende Deutsche Meisterin im Frauenboxen weiter. „Beata kämpft mit Druck und versucht schnell einen Kampf zu regieren“, sagt Sieber. Im Training wird daher vor allem auf technische Feinheiten Wert gelegt. Kampfaufbau, gezielte Kombinationen setzen, flinke Beinarbeit. Allerdings nicht auf Kosten der Schlaghärte. Denn nur gezielte Treffer entfalten ihre volle Explosionskraft.

Sie selbst sieht ihre Stärke im Infight. Dort kann sie am besten ihre Gegnerinnen beschäftigen und unter Druck setzen. 22 Kämpfe, 18 Siege und vier Niederlagen, so lautet Blasczyks Bilanz. Darunter zwar kein K. o., aber: „Drei Kämpfe mussten vorzeitig abgebrochen werden“, sagt Blasczyk. Zu überlegen dominierte die Offenbacher Boxerin das Geschehen. Entweder entschied der Schiedsrichter auf Abbruch oder der Trainer des Gegners warf das Handtuch.

Vorbereitung für internationalen Wettkampf in Basel

Zusätzlicher Schutz: Auch im Training müssen die Hände bandagiert werden.

Die gelernte Floristin und Friedhofsgärtnerin bleibt aber auf dem Boden: „Ich denke immer von Kampf zu Kampf.“ Trotzdem muss Blasczyk gute Gegnerinnen mit der Lupe suchen: Bei den Hessischen Meisterschaften Mitte März blieb sie ohne Kampf. Es fehlten schlicht qualitative Herausforderinnen. Und die braucht die Offenbacherin, um ihr Niveau halten zu können. Blasczyk: „In Deutschland gibt es nur zehn, 20 Boxerinnen in meiner Gewichtsklasse, die mich schlagen können.“

Seit einem halben Jahr trainiert die Deutsche Meisterin mit Alessandra Sieber zusammen. In der Regel nur einmal die Woche. Kurz vor Meisterschaften wird das Training zwei, drei Wochen vorher aber noch einmal angezogen: Kürzere intensivere Einheiten und Krafttraining stehen dann auf der Tagesordnung.

Allerdings muss Blasczyk ihren Titel erst im November verteidigen. Daher konzentriert sich die Boxerin auf den 14. und 15. April. Dann findet in Basel der nächste internationale Boxwettkampf für Frauen statt. An das Profigeschäft denkt Blasczyk trotz ihres Erfolges nicht. Dafür hat die Box-Meisterin einen Traum: Bei einer Europameisterschaft um den Titel kämpfen. Auf die Frage, ob sie nicht gerne auch in London, wo zum ersten Mal Frauenboxen als olympische Disziplin ausgetragen wird, um eine Medaille boxen wollen würde, winkt Blasczyk ab und äußert selbstkritisch: „Dafür bin ich noch zu schlecht.“

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