Bundesligateilnahme schon im Herbst?

Andrea Rzehak hat den CSC-Boxverein reanimiert

+
Starke Frau an der Spitze des CSC: Andrea Rzehak will den Frankfurter Boxverein neu erfinden und zurück in die Erfolgsspur führen.

Frankfurt - Der CSC, Frankfurts ehemalige erste Adresse des Amateurboxens, will zurück in die Erfolgsspur in der er einmal war. Den Kurs gibt eine Frau vor. Und die will mehr als nur sportliche Triumphe. Von Dirk Beutel 

Lesen Sie außerdem:

Kampfsport-Knirps haut jeden um

Boxsportverband sucht Nachfolger

Hier fließt Schweiß, hier fliegen die Fäuste. Er ist eine Talentschmiede und Frankfurts einziger reiner Boxverein: Der CSC Frankfurt, der einmal Central Sporting Club  hieß und sich seit 2007 Champions Sporting Club nennt. An seiner Spitze steht eine Frau, Andrea Rzehak. Eine starke Frau, die sich im Boxgeschäft inner- und außerhalb des Rings auskennt und das Handwerk von der Pike auf gelernt hat. 
Vorurteilen und Klischees erteilt die Blondine einen kurzen Haken. Die Vorsitzende ist mehrfache Box-Hessenmeisterin, Kickbox-Weltmeisterin und will den Kult-Club, der 1964 in Sachsenhausen gegründet wurde, zurück in die Erfolgsspur führen. Denn der CSC war eine Topadresse für Amateurboxer. Der CSC war dreifacher Mannschaftsmeister, doch es kam die Pleite. Der Verein musste seine Trainingsstätte abtreten, zog ständig um und verlor zahlreiche Mitglieder. Fast drei Jahre war der Verein ohne festen Sitz.

Als der Ehrenvorsitzende Horst Gauß  seinen Rücktritt erklärt und Andrea Rzehak den Vereinsvorsitz schmackhaft macht, greift die 32-Jährige Heusenstammerin zu: „Ich hab keine Sekunde gezögert.“ Rzehak hat sich längst als Boxerin und Trainerin etabliert, nun leitet und verwaltet sie Frankfurts Kult-Adresse.

Eigenes Domizil in der Borsingallee

Nach vielen Höhen und Tiefen hat im vergangenen Oktober für den CSC eine neue Zeitrechnung begonnen. In der Borsingallee 47 hat Rzehak gemeinsam mit Geschäftspartner Senol Vural  ein neues, ein eigenes Zuhause gefunden. „Es fühlt sich richtig gut an, weil es unsere eigene Halle ist“, sagt Rzehak. Aus einem ehemaligen Frauen-Fitnessstudio wurde auf etwa 550 Quadratmetern eine kleine Boxarena mit großem modernem Trainingsbereich, inklusive Kraft- und Fitnessgeräten und einem Café. Im Herbst peilt man den Wiedereinstieg in die Box-Bundesliga an. Aber die Powerfrau will mehr als nur einen sportlichen Neuanfang. Sie will den Boxclub neues Leben einhauchen. Jugendliche sollen dort nicht mehr nur trainieren, Disziplin lernen, Ehrgeiz entwickeln und erfolgreich boxen. Sie sollen zusammen Hausaufgaben machen, lernen, kochen, zusammen essen. Obendrauf kommt eine Suppenküche  für Obdachlose. „Wir wollen, dass sich die Jugendlichen auch etwas sozial  engagieren und dabei erfahren, was Armut bedeutet“, sagt sie.

Trotz unseriöser Veranstalter hohe Resonanz

Natürlich geht es auch ums Boxen. Vornehmlich um das ABC des Kampfsports, wie Rzehak es ausdrückt. Dazu gehört Technik, Kondition, Koordination und Körpergefühl. Nicht zu vergessen glasklare Regeln, die für jeden Boxer gelten: „Wir legen unter anderem großen Wert auf Pünktlichkeit und das nur Deutsch gesprochen wird. Mit diesen Strukturen wollen wir die Jugendlichen, die zu uns kommen, auf die Welt da draußen vorbereiten“, sagt Rzehak. Boxen habe wegen unseriöser Veranstalter stark an Glaubwürdigkeit  eingebüßt. Auch etwas wogegen Rzehak ankämpfen muss. Dennoch sei die Nachfrage nach einem Boxtraining  groß. Rzehak: „Wir lassen uns Zeit und haben überhaupt keinen Druck. Wir wollen hier in Ruhe etwas aufbauen.“

Mehr zum Thema

Kommentare